Valheim

Nintendo Switch 2

Das schwedische Indie-Studio Iron Gate hat gemeinsam mit Coffee Stain Publishing die Early-Access-Phase von „Valheim“ genutzt, um das Survival-Abenteuer kontinuierlich weiterzuentwickeln. Neue Inhalte, verfeinerte Spielmechaniken, eine verbesserte Grafik und zahlreiche Fehlerbehebungen haben das ursprüngliche Erlebnis Schritt für Schritt erweitert. Nun ist „Valheim“ mit Version 1.0 auch für PS5 und Nintendo Switch 2 erschienen. Mit dem neuen Biom „Deep North“ erwartet dich zudem eine weitere, herausfordernde Region voller neuer Monster und wertvoller Belohnungen. Damit steht Neulingen nun das vollständige Open-World-Survival- und Crafting-Erlebnis zur Verfügung, das sich über die Jahre entwickelt hat. Doch bei all den Möglichkeiten stellt sich eine entscheidende Frage: Sind die unzähligen Stunden, die du mit Erkunden, Sammeln, Bauen und Überleben verbringen kannst, den Aufwand tatsächlich wert?

 

Überleben in Valheim

Für alle, die Valheim noch nicht kennen: Du schlüpfst in die Rolle eines gefallenen Wikingerkriegers, der in die gleichnamige zehnte Welt verbannt wurde – gemeinsam mit Ausgestoßenen, Monstern und blutrünstigen Bestien. Deine Aufgabe ist es, die Kreaturen zu bezwingen, das Land im Namen Odins zurückzuerobern und dir dadurch deine Rehabilitierung zu verdienen. Das Problem: Du startest mit nichts außer der Kleidung, die du am Leib trägst. Also heißt es zunächst, Ressourcen zu sammeln, Materialien herzustellen und eine sichere Unterkunft zu errichten, bevor du dich in die unbekannte Wildnis wagst. Die riesige offene Welt kann dabei anfangs durchaus einschüchternd wirken. Mittlerweile erwarten dich neun unterschiedliche Biome, darunter das neue „Deep North“, die sich durch ihre Landschaften, Gegner, Belohnungen und ihren jeweiligen Schwierigkeitsgrad voneinander unterscheiden. Von den nebligen Nebellanden über die von Leviathanen bewohnten Ozeane bis hin zu aschebedeckten Vulkanen mit glühender Lava bietet jedes Gebiet eine ganz eigene Atmosphäre. Jedes Biom stellt dich zudem vor einen Endboss, dessen Niederlage den Weg in das nächste Gebiet ebnet. Dabei schreibt dir Valheim nur selten vor, was du tun oder wohin du gehen sollst. Das Spiel gibt dir große Freiheit, nimmt dir aber ebenso wenig die Konsequenzen ab, wenn du dich zu früh in gefährliche Gebiete wagst. Genau darin liegt ein großer Reiz: Valheim lässt dich eigene Entscheidungen treffen, Fehler machen und aus ihnen lernen. Du sammelst und verarbeitest Ressourcen, baust deine eigene Unterkunft und stellst Waffen sowie Ausrüstung her, die dir das Überleben in dieser rauen Welt ermöglichen. Wie du dabei vorgehst, bleibt weitgehend dir überlassen.

Fortschritt durch Vorbereitung

Auch ohne festen Fahrplan gibt dir Valheim einen natürlichen Weg vor, um voranzukommen. Zunächst brauchst du genügend Ressourcen, um ein stabiles Zuhause und zuverlässige Waffen herzustellen. Kleine Bäume zu fällen und Wildbeeren zu sammeln, ist dabei der einfachste Einstieg. Für anspruchsvollere Aufgaben wie die Jagd auf Rehe benötigst du bessere Werkzeuge, die du zunächst aus Holz und später aus Metall herstellst. Die wertvollsten Ressourcen findest du jedoch weiter draußen in der Wildnis, wo gleichzeitig die Gefahren zunehmen. Gute Vorbereitung und ein überlegtes Vorgehen sind deshalb entscheidend. Für das Crafting benötigst du eine Werkbank und verschiedene Arbeitsstationen, die du in deiner Unterkunft aufstellen kannst. Das Bausystem ist dabei erstaunlich flexibel und ermöglicht es dir, mit den verfügbaren Bauteilen beeindruckende mehrstöckige Häuser, Festungen und sogar ganze Burgen zu errichten. Allerdings braucht das seine Zeit – etwas, das Fans von Survival- und Crafting-Spielen gewohnt sein dürften. Mit zunehmendem Fortschritt schaltest du stärkere Waffen und Ausrüstung frei und kannst dich immer gefährlicheren Gegnern stellen. Bereits im ersten Biom „Meadows“ wartet mit Eikthyr der erste Boss auf dich. Sein Sieg ebnet den Weg in die nächste Region und ermöglicht es dir, dich auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Auch deine Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Unterschiedliche Lebensmittel beeinflussen Gesundheit und Ausdauer und können im späteren Spielverlauf einen entscheidenden Unterschied machen. Besonders deutlich wird das bei wertvolleren Zutaten wie Schlangenfleisch und Schuppen, die dir einen spürbaren Vorteil verschaffen. Valheim belohnt dich also nicht nur für deine Kampfkraft, sondern ebenso für deine Vorbereitung und deinen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.

Vorbereitung ist alles

Mehr Gesundheit und Ausdauer sind in Valheim ein wahres Geschenk der Götter, denn beides hilft dir bei der Ressourcensuche und bei den unvermeidlichen Begegnungen mit stärkeren Kreaturen. Besonders im Einzelspieler-Modus kann der Tod schnell zum Problem werden: Du verlierst die mitgeführten Ressourcen und Beute und wirst zurück zu deinem Unterschlupf gebracht. Bei längeren Expeditionen kann es daher lebensrettend sein, unterwegs einen kleinen, provisorischen Unterschlupf zu errichten. Luxuriös muss dieser nicht sein – er dient lediglich als Rückversicherung, falls du den Rückweg nicht überlebst. Vor allem deine Ausdauer solltest du stets im Auge behalten, da sie bei nahezu jeder Aktion verbraucht wird. Triffst du auf einen Gegner, dem du noch nicht gewachsen bist, bleibt oft nur die Flucht. Und wenn der Ausdauerbalken dabei immer weiter sinkt, steigt die Anspannung spürbar. Manchmal ist es eben klüger, den Rückzug anzutreten, anstatt einen aussichtslosen Kampf zu riskieren. Das gilt auch für die Bosse. Es kann vorkommen, dass du einer Herausforderung gegenüberstehst, für die dir schlicht noch die nötigen Ressourcen, Ausrüstung oder Fähigkeiten fehlen. Vielleicht hast du noch nicht genug erkundet, Materialien gesammelt oder Gegner besiegt, um den nächsten Fortschritt freizuschalten. Gerade diese Momente machen deutlich, dass Valheim Geduld verlangt: Nicht jede Herausforderung ist dafür gedacht, sofort bewältigt zu werden.

Der Reiz des Überlebens

Genau darin liegt für mich der Reiz von Valheim und des Survival-Genres: Ressourcen sammeln, Ausrüstung herstellen und geduldig Fortschritte machen, selbst wenn das manchmal etwas Zeit kostet. Falls dir das zu langsam geht, kannst du die umfangreichen Schwierigkeitseinstellungen anpassen. Dabei lässt sich sogar festlegen, wie viele Ressourcen du beim Tod verlierst oder wie häufig dein Lager von Gegnern angegriffen wird. Auch das Kampfsystem bleibt angenehm geradlinig. Je nach Waffe stehen dir ein Standard- und ein alternativer Angriff zur Verfügung, während du dich durch Ausweichen, Blocken oder Parieren verteidigst. Eine perfekt getimte Parade kann Gegner betäuben und dir einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Die verschiedenen Waffenarten – von Keulen und Messern bis hin zu Fäusten – eignen sich zudem für unterschiedliche Situationen und können sowohl physische als auch magische Angriffe ermöglichen. Besonders gelungen finde ich jedoch die Vielfalt der Gegner. Über 50 unterschiedliche Kreaturentypen bevölkern die Welt, darunter zahlreiche mythologische Wesen. Manche sind friedlich, solange du sie in Ruhe lässt, während andere Begegnungen schnell tödlich enden können. Dadurch bleibt selbst eine entspannte Erkundungstour spannend, denn du weißt nie, was dich hinter der nächsten Ecke erwartet.

Retro-Optik und Switch-2-Performance

Auch optisch geht „Valheim“ einen ungewöhnlichen Weg. Statt auf Fotorealismus und maximale Detaildichte zu setzen, erinnert der bewusst niedrig aufgelöste Stil an die PS1- und MS-DOS-Ära. Gleichzeitig wirken die Landschaften klar, lebendig und erstaunlich atmosphärisch. Jede Region besitzt ihren eigenen Charakter, und genau diese Mischung aus Retro-Optik und stimmungsvoller Gestaltung macht die Welt zu einem der großen Highlights des Spiels. Iron Gate Studio hat hier eine eigenständige und wunderschöne Welt geschaffen. Auf der Nintendo Switch 2 macht „Valheim“ dabei insgesamt eine gute Figur. Du kannst zwischen drei Grafikmodi wählen: Der Qualitätsmodus zielt auf 30 FPS, der ausgeglichene Modus auf 40 FPS und der Performance-Modus auf 60 FPS. Gerade die 60 FPS sorgen im Handheld- wie auch im TV-Modus für ein angenehm flüssiges Spielgefühl. Allerdings sind die 60 FPS nicht durchgehend stabil. Beim Erkunden bislang unbekannter Gebiete kann es durch das Nachladen und die prozedurale Generierung der Welt zu kurzen Rucklern und gelegentlichen Einbrüchen kommen. Auch bei der Steuerung bietet die Switch-2-Version einige interessante Extras. Neben der klassischen Controller-Steuerung unterstützt „Valheim“ einen Mausmodus, der sich über die Joy-Con 2 nutzen lässt. Dazu kommen Touchscreen-Unterstützung für Menüs und Gyroskop-Steuerung zum Zielen. Gerade das präzisere Zielen mit Bogen oder Armbrust kann dadurch angenehmer ausfallen. Trotz kleinerer Performance-Probleme ist die Switch-2-Version damit eine gelungene Möglichkeit, „Valheim“ auch unterwegs zu erleben. Besonders im Performance-Modus fühlt sich das Survival-Abenteuer angenehm direkt an, während du im Qualitätsmodus zugunsten einer höheren visuellen Qualität auf flüssigere 60 FPS verzichtest.

Trailer


Fazit

Egal, ob du bereits Hunderte Stunden in „Valheim“ verbracht hast oder gerade erst deine erste Reise antrittst: Die Kombination aus Überleben, Crafting, Erkundung und freier Gestaltung funktioniert auch nach fünf Jahren noch hervorragend. Mit „Deep North“ erhältst du zudem ein letztes großes Biom, das deine Reise im Namen Odins abschließt und dir noch einmal neue Herausforderungen und Entdeckungen bietet. Doch selbst wenn du dich als würdig erwiesen hast, durch die Tore Walhallas zu schreiten, dürfte es dir schwerfallen, „Valheim“ endgültig den Rücken zu kehren. Du weißt, wie viel Zeit und Geduld nötig sind, um Ressourcen zu sammeln, deine Ausrüstung zu verbessern und dich auf die nächsten Gefahren vorzubereiten – und trotzdem möchtest du immer weitermachen. Dank der prozedural generierten Welt warten auch nach zahlreichen Stunden neue Überraschungen auf dich. Und wenn du dann noch mit bis zu neun Freunden unterwegs bist, kann aus einem ohnehin umfangreichen Survival-Abenteuer schnell ein Spiel werden, von dem du dich nur schwer wieder losreißt.


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