Barbarian Saga: The Beastmaster

PlayStation 5, PC, Shadow PC

Mit „Barbarian Saga: The Beastmaster“ erwartet dich ein düsteres Metroidvania mit rauem 80er-Fantasy-Flair, mächtigen Verwandlungen, wuchtigen Kämpfen und einer Welt voller Geheimnisse.

Eine Welt wie aus den 80ern

„Barbarian Saga: The Beastmaster“ macht von Beginn an klar, wohin die Reise geht: Dich erwartet eine düstere Fantasywelt voller Barbaren, schwarzer Magie und Fabelwesen – wie geschaffen für alle, die in den 80ern Conan auf VHS gesehen und von epischen Schwertkämpfen geträumt haben. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass eine solche Hommage lediglich bei ihrer nostalgischen Optik bleibt. Dormidin Studio gelingt es glücklicherweise, die Ästhetik der 80er mit spielerischer Substanz zu verbinden. Der direkte Action-Rhythmus, markante Gegner und eine Welt voller Schmiedeeisen und rauer Fantasy wirken nicht nur wie Stilmittel, sondern prägen das eigentliche Spielerlebnis. Die Geschichte führt dich nach Arborea, ein Land, das noch immer unter den Folgen der verheerenden Portalkriege leidet. Der fragile Frieden zerbricht, als der neue König von Imperia, unterstützt vom Heiligen Königreich und dem Erzmagier Trece XIII., den nicht-menschlichen Völkern den Krieg erklärt. Eine alte Prophezeiung besagt, dass ein Auserwählter Menschen und Bestien vereinen und das Gleichgewicht wiederherstellen wird. In diese Rolle schlüpfst du als letzter Beastmaster – bewaffnet mit einem Schwert, das Herzen verschlingt. Die Handlung gehört dabei nicht zu den größten Stärken des Spiels. Auserwählter Held, verfeindete Fraktionen und eine klassische Fantasy-Prophezeiung bieten wenig Überraschendes. Dennoch erfüllt die Geschichte ihren Zweck und schafft einen passenden Rahmen für dein Abenteuer, ohne das Gameplay zu überschatten. Für etwas mehr Tiefe sorgen zahlreiche Nebencharaktere, optionale Missionen und mehrere Enden. Deine Entscheidungen im Umgang mit den nicht-menschlichen Stämmen können den Verlauf beeinflussen und geben Arborea zusätzliche Facetten. Ein erzählerisches Meisterwerk solltest du zwar nicht erwarten, als stimmige Grundlage für die Erkundung der Welt funktioniert die Geschichte aber durchaus.

Verwandlungen und wuchtige Kämpfe

Das spielerische Herzstück von „Barbarian Saga: The Beastmaster“ sind die verschiedenen Verwandlungen. Indem du die Seelen besiegter Kreaturen in dich aufnimmst, schaltest du neue Gestalten frei, die dir sowohl im Kampf als auch bei der Erkundung helfen. Einige können sich durch enge Spalten zwängen, andere erklimmen gefährliche Wände oder durchbrechen befestigte Barrieren. Das passt hervorragend zur Metroidvania-Struktur, denn jede neue Fähigkeit eröffnet weitere Bereiche und lädt dich gleichzeitig dazu ein, bereits bekannte Orte erneut zu besuchen. Auch die Charakterentwicklung fügt sich angenehm organisch ein. Über eine rituelle Halskette kannst du Reißzähne, Amulette, Perlen und wilde Wurzeln ausrüsten, die unter anderem deine Werte, Angriffswinkel oder Manaregeneration beeinflussen. Ergänzt wird das System durch erlernte Schwerttechniken, Tränke und Flüche. Zwar gibt es keine unzähligen Builds zu entdecken, doch die vorhandenen Möglichkeiten bieten genügend Spielraum, um deinen eigenen Stil anzupassen und mit unterschiedlichen Kombinationen zu experimentieren. Am stärksten präsentiert sich das Spiel jedoch im Kampf. Nahkampfangriffe, Spezialtechniken und Verwandlungen greifen nahtlos ineinander, wobei jeder Treffer spürbares Gewicht besitzt. Die gelungenen Animationen unterstreichen zusätzlich die Wucht der Auseinandersetzungen. Für eine willkommene Abwechslung sorgen die 1-gegen-1-Duell-Arenen. Hier zoomt die Kamera näher an das Geschehen heran, spezielle Energieleisten werden eingeblendet und das Gameplay erinnert plötzlich an ein klassisches Kampfspiel. Abstand, Paraden und gezielte Gegenangriffe sind wichtiger als blindes Tastendrücken. Diese Duelle lockern den Spielfluss auf, sorgen für spektakuläre Momente und belohnen dich mit exklusiven Gegenständen. Eine kleine, aber gelungene Besonderheit, die „Barbarian Saga: The Beastmaster“ angenehm von anderen Genrevertretern abhebt.

Erkundung mit kleinen Stolpersteinen

Die Erkundung bleibt das Herzstück des Spielerlebnisses. Die weitläufige und gut vernetzte Karte steckt voller Abkürzungen, alternativer Wege und optionaler Bereiche. Wenn du gerne jede Ecke nach versteckten Durchgängen und Geheimnissen absuchst, findest du hier zahlreiche Anreize, die Umgebungen gründlich zu erkunden. Die klassischen Metroidvania-Mechaniken funktionieren dabei grundsätzlich gut. Allerdings kann das regelmäßige Zurückkehren in bereits besuchte Gebiete den Spielfluss ausbremsen – besonders bevor du Fähigkeiten erhältst, die deine Fortbewegung beschleunigen. Wer unnötiges Backtracking vermeiden möchte, sollte sich die ausgedehnte Erkundung daher eher für das Endgame aufheben. Beim Schwierigkeitsgrad dürften die Meinungen ebenfalls auseinandergehen. Anspruchsvolle Bosse, knifflige Plattformpassagen und Gegner, die Fehler konsequent bestrafen, verlangen dir einiges ab. Für Genre-Fans kann genau das einen großen Reiz ausmachen: Du stirbst häufig, lernst aus deinen Fehlern und wirst mit einem umso befriedigenderen Gefühl belohnt, wenn du einen schwierigen Gegner endlich bezwingst. Problematisch wird es allerdings dann, wenn Niederlagen weniger durch bewusstes Spieldesign als durch kleinere Schwächen bei Kampfsystem und Kollisionsabfrage entstehen. Dieser Unterschied ist entscheidend, denn an manchen Stellen fühlt sich ein Scheitern nicht herausfordernd, sondern schlicht vermeidbar an. Hier hätte etwas mehr Feinschliff dem Spielerlebnis gutgetan.

Technische Schwächen, starke Atmosphäre

Technisch kann „Barbarian Saga: The Beastmaster“ nicht immer mit seinen Ambitionen mithalten. Das Spiel ist problemlos spielbar, zeigt jedoch einige Schwächen, die den Gesamteindruck trüben. Manche Animationen wirken ruckelig, Bewegungen etwas steif und nicht immer sauber abgestimmt. Hinzu kommen teilweise unpräzise Hitboxen, die besonders in anspruchsvollen Kämpfen für unnötigen Frust sorgen können. Diese Probleme sind zwar nicht gravierend genug, um das gesamte Spielerlebnis zu beeinträchtigen, treten aber regelmäßig auf – ausgerechnet in Situationen, in denen Präzision besonders wichtig ist. Etwas mehr Feinschliff hätte dem Kampfsystem daher spürbar gutgetan. Optisch kann das Spiel diese Schwächen jedoch zu einem großen Teil wieder ausgleichen. Die handgezeichneten Schauplätze besitzen eine starke eigene Identität. Verfluchte Wälder, Ruinen, Burgen und düstere Höhlen vermitteln genau jene raue und bedrohliche Atmosphäre, die zur barbarischen Fantasywelt passt. Auch das markante Gegnerdesign trägt wesentlich zum Wiedererkennungswert bei. Abgerundet wird die stimmige Präsentation durch einen passenden Soundtrack, der sowohl die Erkundung als auch die intensiveren Kämpfe atmosphärisch begleitet. Auch wenn technisch nicht alles rundläuft, sind es gerade die visuelle Gestaltung und die Atmosphäre, die „Barbarian Saga: The Beastmaster“ tragen und so manche Unzulänglichkeit verzeihlich machen.

Trailer


Fazit

„Barbarian Saga: The Beastmaster“ besitzt eine starke eigene Identität und überzeugt mit interessanten Ideen wie den Verwandlungen und den 1-gegen-1-Duellen. Gleichzeitig zeigt das Spiel, dass es die klassischen Mechaniken des Metroidvania-Genres verstanden hat, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken. Technische Schwächen, unpräzise Hitboxen und einige Ungleichgewichte beim Schwierigkeitsgrad zeigen jedoch, dass dem Indie-Abenteuer an manchen Stellen noch etwas Feinschliff fehlt. Wenn du dich davon nicht abschrecken lässt und ein atmosphärisches Abenteuer mit rauem Vintage-Flair suchst, bekommst du dennoch ein unterhaltsames Metroidvania mit viel Charme und soliden Gameplay-Ideen.


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