Halloween: The Game

PlayStation 5

Mit „Halloween: The Game“ schlüpfst du in die Rolle von Michael Myers und erlebst den Kultklassiker als asymmetrisches Multiplayer-Horrorspiel mit Schleichelementen, Verfolgungsjagden und tödlichen Hinterhalten.

Vom Kultfilm zum Horrorspiel

Ich bin ein großer Fan von Horrorfilmen – und zu den besten Slasher-Filmen aller Zeiten gehört für mich zweifellos „Halloween“ aus dem Jahr 1978. Die Geschichte dürfte bekannt sein: Der sechsjährige Michael Myers ermordet seine Schwester und wird anschließend im Smith’s Grove Sanitarium eingesperrt. 15 Jahre später gelingt ihm die Flucht, woraufhin er in seine Heimatstadt Haddonfield zurückkehrt und beginnt, eine junge Frau und ihre Freundinnen zu verfolgen. Erst in der Fortsetzung wird enthüllt, dass es sich bei ihr um seine Schwester handelt. John Carpenters Klassiker legte einen wichtigen Grundstein für das Slasher-Genre und gilt bis heute als Meilenstein des Horrorfilms. Nun kannst du selbst in die Rolle des ikonischen Killers schlüpfen – im neuen Horrorspiel „Halloween: The Game“ von IllFonic, dem Studio hinter „Friday the 13th: The Game“ und „Killer Klowns from Outer Space: The Game“. Das Spiel setzt auf das bekannte Prinzip des asymmetrischen Multiplayer-Horrors: Ein Spieler übernimmt die Rolle des Killers, während vier weitere als Überlebende versuchen, ihm zu entkommen. Zwar habe ich die beiden genannten IllFonic-Titel selbst nicht gespielt, dafür aber „Evil Dead: The Game“ aus dem Jahr 2022. Auch wenn dieses von einem anderen Studio entwickelt wurde, ist mir das grundlegende Spielprinzip dadurch bereits bestens vertraut – und entsprechend klar waren meine Erwartungen an „Halloween: The Game“.

Michaels Geschichte aus einer neuen Perspektive

„Halloween: The Game“ präsentiert ein übersichtliches Menü für Einzel- und Mehrspieler. Da der Einzelspielermodus gleichzeitig als Einführung in das Multiplayer-Prinzip dient, möchte ich mich zunächst auf diesen konzentrieren. Er besteht aus einem Prolog und fünf Kapiteln, die jeweils auf unterschiedlichen Abschnitten des Films basieren. Dabei werden nicht einfach die bekannten Szenen nachgespielt, sondern vor allem Ereignisse erzählt, die davor, danach oder zwischen den Filmszenen stattfinden. Der Prolog setzt bei Michaels Flucht aus Smith’s Grove ein. Du steuerst ihn zunächst durch das Krankenhaus und kannst dabei sogar einige Wachleute angreifen. Anschließend stiehlst du im Stil eines klassischen Open-World-Spiels das Auto von Dr. Loomis, Michaels behandelndem Arzt und einer der bekanntesten Figuren der Reihe, und machst dich auf den Weg. Das zweite Kapitel führt dich in die Nacht, in der Michael Haddonfield erreicht – einen Tag vor Halloween. Die Handlung knüpft an eine Lücke des Films an und zeigt, was passiert, nachdem Michael seine ursprüngliche weiße Maske verloren hat. Auf der Suche nach Ersatz zieht er durch die Stadt und hinterlässt dabei eine blutige Spur. Ohne zu tief auf die Handlung des Films einzugehen, gibt es dabei allerdings einige kleine Ungereimtheiten. So ertönt im Film beispielsweise erst am Nachmittag der Alarm eines Geschäfts. Dass dieser offenbar die gesamte Nacht bis zum nächsten Tag durchgehend laufen soll, ohne dass die Polizei auftaucht, wirkt zumindest etwas fragwürdig. Solche Details sind zwar nebensächlich, fallen bei genauerem Hinsehen aber durchaus auf.

Die Gestalt aus dem Schatten

Michael zu steuern, fühlt sich überraschenderweise ein wenig so an, als würdest du einen Container durch die Gegend bewegen. Klingt seltsam, beschreibt sein träges Bewegungsgefühl aber erstaunlich treffend. Geschwindigkeit war schließlich noch nie die große Stärke von Michael Myers. Seine wahre Stärke liegt darin, sich lautlos zu bewegen, aus dem Schatten heraus zu agieren und plötzlich aufzutauchen. Nicht umsonst wird er in „Halloween“ schlicht als „Die Gestalt“ bezeichnet. Genau dieses Verhalten greift das Spiel mit seinen Mechaniken auf. Du kannst verschiedene Anzeigen aufladen, indem du dich deinen Opfern heimlich näherst oder sie längere Zeit beobachtest. Dieser sogenannte „Blick“ passt hervorragend zum voyeuristischen Stil klassischer Slasher-Filme und macht Michael zu einem ungewöhnlichen, aber passenden spielbaren Killer. Besonders wichtig ist der sogenannte „Formsprung“. Damit kannst du dich unsichtbar und deutlich schneller bewegen – allerdings nur im Schutz der Dunkelheit. Im Licht von Straßenlaternen und anderen Lichtquellen wird Michael langsamer und kann den Formsprung dort nicht beenden. Bewegst du dich jedoch aus einem dunklen Bereich direkt auf ein Opfer zu, kannst du plötzlich unmittelbar vor ihm auftauchen und für einen gelungenen Jump Scare sorgen. Auch die Umgebung spielt dabei eine wichtige Rolle. Michael kann durch zahlreiche Türen und Fenster schlüpfen und so scheinbar aus dem Nichts in einem Haus auftauchen. Genau dadurch entsteht dieses typische Horrorfilm-Gefühl: „Wie ist er hier hereingekommen, ohne dass ich ihn bemerkt habe?“ Und genau diese Momente gehören zu den gelungensten Aspekten des Spiels.

Der Multiplayer

Im Multiplayer zeigt „Halloween: The Game“ schließlich, worauf es wirklich ankommt. In den 1-gegen-4-Partien übernimmt ein Spieler die Rolle von Michael Myers, während vier weitere als Überlebende durch Haddonfield ziehen. Dabei geht es nicht nur darum, Michael zu entkommen: Du musst auch die Bewohner der Stadt retten, sie zur Flucht bewegen und gemeinsam einen Weg aus Haddonfield finden. Genau dieser zusätzliche Fokus sorgt für mehr Teamplay und gibt dem Spiel eine eigene Note. Als Michael hingegen nutzt du deine Fähigkeiten, um die Überlebenden aufzuspüren und ihnen Schritt für Schritt das Leben schwer zu machen. Besonders das Schleichen, Beobachten und überraschende Auftauchen passt hervorragend zur Figur. Die Mischung aus menschlichen Spielern, NPCs und dem asymmetrischen Kräfteverhältnis funktioniert dabei erstaunlich gut und sorgt für spannende Situationen – zumindest dann, wenn alle Beteiligten ihre Rollen richtig ausspielen.

Trailer


Fazit

„Halloween: The Game“ hat definitiv Potenzial. Der Einzelspielermodus hat mich dabei weder besonders positiv noch negativ überrascht, was angesichts des klaren Fokus auf den Multiplayer auch nicht unbedingt verwunderlich ist. Trotzdem macht es Spaß, sich als Michael durch die Schatten zu bewegen, Hinterhalte zu legen und seine Opfer überraschend anzugreifen. Im Multiplayer zeigt sich schließlich, wo die eigentliche Stärke des Spiels liegen könnte. Die asymmetrischen Partien zwischen Michael und den Überlebenden sorgen für spannende Situationen und passen hervorragend zur Atmosphäre der Vorlage. Gerade das Zusammenspiel aus Schleichen, Verfolgen und dem Kampf ums Überleben hat das Potenzial, langfristig für unterhaltsame Runden zu sorgen. Trotzdem möchte ich das Spiel an dieser Stelle nicht höher bewerten, als es meine bisherigen Erfahrungen rechtfertigen. Potenzial allein reicht schließlich nicht aus – gerade bei Multiplayer-Spielen entscheidet sich erst über längere Zeit und mit einer aktiven Spielerschaft, ob aus guten Ansätzen auch ein dauerhaft überzeugendes Spielerlebnis entsteht. „Halloween: The Game“ macht einiges richtig, muss aber erst noch beweisen, dass es seinem Potenzial auch langfristig gerecht wird.


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