The Blood of Dawnwalker

PlayStation 5

„The Blood of Dawnwalker“ verbindet ein düsteres Rollenspielabenteuer mit einer verzweigten Handlung, einem ungewöhnlichen 30-Tage-System und einem Sandbox-Ansatz, bei dem deine Entscheidungen spürbare Konsequenzen haben.

 

Eine Welt voller Möglichkeiten

„The Blood of Dawnwalker“ basiert auf drei zentralen Säulen: dem narrativen Sandbox-Ansatz, dem eigentlichen Gameplay mit Kampf, Erkundung und Fähigkeiten sowie der namensgebenden 30-Tage-Dynamik. Gerade die Geschichte spielt dabei eine entscheidende Rolle, weshalb ich bewusst auf konkrete Details und Spoiler verzichten werde. Das Spiel lebt von seinen Wendungen, Entscheidungen und möglichen Verzweigungen – zu viel vorwegzunehmen, würde einen Teil seines Reizes zerstören. Beginnen wir daher mit der erzählerischen Seite. Rebel Wolves vereint ein erfahrenes Team, das seine Expertise aus früheren Projekten spürbar in das Spiel einfließen lässt. Das zeigt sich besonders beim Worldbuilding, der Lore und der eigentlichen Handlung. Die Welt von „The Blood of Dawnwalker“ ist von Beginn an fesselnd und schafft es, dich mit ihren Geschichten und Figuren dauerhaft bei der Stange zu halten. Vor allem Coen und die zahlreichen Nebenfiguren überzeugen mit gut geschriebenen Dialogen und glaubwürdigen Charakteren. Auch Haupt- und Nebenquests fügen sich stimmig in das Gesamtbild ein und tragen dazu bei, eine lebendige Welt zu erschaffen, die mich über viele Stunden an den Controller gefesselt hat. Zwar bedient sich das Spiel stellenweise bekannter Genre-Motive, doch das fällt angesichts der insgesamt starken Inszenierung kaum ins Gewicht.

Freiheit mit klaren Grenzen

Auch der Sandbox-Ansatz hat mich grundsätzlich überzeugt, wenn auch mit einigen Vorbehalten. Deine Entscheidungen und der Umgang mit der verfügbaren Zeit beeinflussen das Geschehen spürbar – von Allianzen und Ausrüstung über Todesfälle bis hin zum Verlauf des Finales. Trotzdem fühlst du dich ab einem gewissen Punkt etwas stärker durch die Geschichte gelenkt. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, schließlich muss eine Handlung irgendwann auf bestimmte Ereignisse zulaufen. Dennoch hatten mich die Ankündigungen auf ein deutlich freieres Erzählerlebnis hoffen lassen. Zumindest teilweise wird dieses Versprechen aber durchaus erfüllt. Interessanter fällt die 30-Tage-Dynamik aus. Ähnlich wie bei der „Persona“-Reihe kannst du nicht alles jederzeit erledigen. Coen hat 30 Tage für seine Mission, wobei jede Aktivität wertvolle Stunden oder sogar ganze Tage kostet. Dadurch musst du ständig abwägen, welche Aufgaben du angehst, welche Fähigkeiten du verbesserst und welche Gegenstände oder Ereignisse du bewusst auslässt. Dieses Zeitmanagement sorgt für spannende Entscheidungen, kann als Komplettist aber auch frustrierend sein. Gerade weil du zwangsläufig auf bestimmte Inhalte verzichten musst, entsteht ein permanenter Konflikt zwischen Neugier und Zeitdruck. Was genau nach Ablauf der 30 Tage geschieht, überlasse ich dir – das gehört zu den größten Überraschungen des Spiels. Fest steht jedoch: Die zahlreichen Entscheidungen und unterschiedlichen Handlungsverläufe verleihen „The Blood of Dawnwalker“ einen enormen Wiederspielwert. Was du in einem Durchgang verpasst, kann im nächsten zu völlig neuen Erfahrungen führen.

Zwischen Vampirkräften und Weltenerkundung

Das Kampfsystem und Coens Entwicklung basieren auf einem interessanten Dualismus: Vampirfähigkeiten stehen dir nachts zur Verfügung, Tagesfähigkeiten entfalten ihre Wirkung bei Tag, während Hybridfähigkeiten jederzeit eingesetzt werden können. Dieses System bietet dir viel Raum für Individualisierung und ermöglicht unterschiedliche Herangehensweisen an Kämpfe und Charakterentwicklung – abhängig von deinem Spielstil, deinen Vorlieben oder auch deinen Rollenspielentscheidungen. Allerdings funktioniert dieses Konzept vor allem dann gut, wenn du dich tatsächlich auf die verschiedenen Möglichkeiten einlässt. Mit zunehmender Stärke und besseren Fähigkeiten verliert das Spiel spürbar an Schwierigkeit, wodurch der Anreiz sinkt, Ausrüstung, Fähigkeiten oder Builds regelmäßig anzupassen. Auch bei mir entstand irgendwann die Versuchung, einfach mit der bereits funktionierenden Zusammenstellung weiterzuspielen, anstatt die vorhandenen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Weniger modern wirkt hingegen die Struktur der offenen Welt. Klassische Interaktionspunkte, verstreute Nebenaktivitäten und ein System aus Türmen, die verschiedene Funktionen erfüllen, erinnern an bekannte Open-World-Formeln. Wirklich spannend wurde die Erkundung für mich vor allem bei den Generälen von Brencis, seinen sogenannten „Reitern der Apokalypse“. Indem du ihre Pläne durchkreuzt und entsprechende Nebenmissionen abschließt, lenkst du ihre Aufmerksamkeit auf dich und kannst schließlich versuchen, ihnen noch vor Ablauf der 30 Tage gegenüberzutreten. Diese Missionen beeinflussen zudem den weiteren Handlungsverlauf und gehören für mich gemeinsam mit den Aufgaben rund um die Bildung von Allianzen gegen Brencis' grausame Herrschaft zu den stärksten Nebeninhalten des Spiels. Hier zeigt „The Blood of Dawnwalker“ besonders deutlich, wie gut sich Erkundung, Entscheidungen und die übergeordnete Geschichte miteinander verbinden lassen.

Trailer


Fazit

„The Blood of Dawnwalker“ ist gleichermaßen das, was du erwartest, und das, was du vielleicht befürchtest: ein Rollenspiel, das auf bekannte Strukturen setzt, diese aber mit einigen interessanten Ideen erweitert. Besonders die Handschrift von Rebel Wolves, einem Team mit Wurzeln bei CD Projekt Red, zeigt sich in der erzählerischen Qualität. Worldbuilding, Lore und Handlung sind fesselnd und schaffen es, dich über viele Stunden an den Controller zu binden. Vor allem der Sandbox-Ansatz und die 30-Tage-Dynamik rund um Coen sorgen für spannende Entscheidungen, Konsequenzen und einen hohen Wiederspielwert. Die versprochene Freiheit wird zwar nicht in allen Bereichen vollständig eingelöst, dennoch funktionieren beide Konzepte überraschend gut und verleihen dem Abenteuer eine eigene Identität. Am Ende bleibt ein gelungenes Debüt, das mit einer starken Geschichte und interessanten Designideen überzeugt, zugleich aber auch einige typische Schwächen eines Erstlingswerks zeigt. „The Blood of Dawnwalker“ geht nicht immer neue Wege, beweist jedoch, dass Rebel Wolves das Potenzial besitzt, daraus etwas Eigenständiges und vielversprechendes zu entwickeln.


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