
„ELDEN RING Tarnished Edition“ bringt das gefeierte Open-World-Soulslike inklusive „Shadow of the Erdtree“ und neuer Inhalte auf die Nintendo Switch 2 und beweist dabei, dass gewaltige Abenteuer auch unterwegs funktionieren können.
Eine Geschichte, die entdeckt werden will
Der Ahnenring wurde zerschmettert, Königin Marika die Ewige ermordet und ihre Thronfolger kämpfen um die verbliebenen Fragmente. So beginnt eine Ära des Krieges und der Fehden, in der du als einfacher Lichtloser versuchst, den Ring wieder zusammenzusetzen und selbst Anspruch auf den Ahnenthron zu erheben. Wie für die „Souls“-Spiele von FromSoftware typisch, erzählt sich die Geschichte bewusst zurückhaltend und lässt viel Raum für eigene Interpretationen. Die von G.R.R. Martin und H. Miyazaki erschaffene Welt verbindet dabei die narrative Vielschichtigkeit von FromSoftware mit einer komplexen und faszinierenden Hintergrundgeschichte. Allerdings musst du dir die Handlung größtenteils selbst erschließen. Informationen findest du in der Spielwelt, bei NPCs, in Dialogen und vor allem in den Beschreibungen von Gegenständen. Das erfordert Aufmerksamkeit und kann gelegentlich sogar dazu führen, dass du dir wichtige Zusammenhänge notieren möchtest. Dieser Ansatz ist sicherlich nicht für jeden geeignet und verlangt etwas Geduld. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird mit einer außergewöhnlich tiefgründigen Welt belohnt und erlebt im Laufe des Abenteuers immer wieder den befriedigenden Moment, zuvor rätselhafte Zusammenhänge endlich zu verstehen.

Ein nahezu grenzenloses Gameplay
Gameplaytechnisch gehört „Elden Ring“ zu den herausragenden Soulslikes und verbindet ein tiefgründiges, intuitives Kampfsystem mit einer riesigen offenen Welt voller Geheimnisse und Überraschungen. Zahlreiche Builds und Ausrüstungsmöglichkeiten eröffnen dir unterschiedlichste Spielweisen, während die nichtlineare Struktur viel Freiheit bei der Erkundung und Entscheidungsfindung lässt. Auch beim Umfang setzt das Spiel Maßstäbe. Je nach Spielweise und Erkundungsdrang kann dein erster Durchgang zwischen 40 und 200 Stunden dauern. Mit der Erweiterung „Shadow of the Erdtree“ kommen noch einmal mindestens 50 Stunden hinzu. Zum ursprünglichen Release war die Balance an einigen Stellen noch unausgereift, insbesondere bei bestimmten Waffen und Gegnern. Zahlreiche Updates haben diese Schwächen jedoch weitgehend behoben. Einige Ausrüstungsgegenstände sind zwar weiterhin kaum konkurrenzfähig, während andere als regelrecht „broken“ gelten, doch auf den Spielspaß wirkt sich das nur geringfügig aus. Etwas eintönig können hingegen die wiederkehrenden kleineren Bosse werden, die insbesondere gegen Ende eines Durchgangs an Reiz verlieren. Dafür begeistern Leveldesign und Umgebungen mit einer beeindruckenden Mischung aus Größe, Detailreichtum und ästhetischer Vielfalt. Sowohl im Hauptspiel als auch in der Erweiterung entsteht dadurch immer wieder dieses besondere Gefühl, unbedingt jenen scheinbar unerreichbaren Punkt am Horizont erreichen zu wollen.
Stabilität vor Detailtreue
Die Switch-2-Version wurde hinsichtlich ihrer Stabilität stark optimiert und läuft insgesamt sehr zuverlässig. Um diese konstante Performance zu gewährleisten, mussten allerdings sichtbare Abstriche bei der grafischen Detailtreue gemacht werden. Während dies in weniger komplexen Bereichen kaum auffällt, hat die Engine in detailreichen Regionen gelegentlich Probleme, Vegetation und Umgebungselemente rechtzeitig zu laden. Deutliche Pop-ups sind die Folge und können die Immersion spürbar beeinträchtigen. Besonders auffällig wird das etwa in Liurnia Lacustre. Der erste Blick auf die Region gehört zu den beeindruckendsten Momenten des Spiels: Von einer Anhöhe aus eröffnet sich dir ein gewaltiger Ausblick über die Landschaft und weckt sofort Neugier auf das, was dich erwartet. Sobald du jedoch in Richtung Sumpf und Akademie hinabsteigst, werden die nachladenden Vegetations- und Umgebungselemente deutlich sichtbar. Ähnliche Effekte finden sich auch in anderen detailreichen Gebieten – ausgerechnet dort, wo „Elden Ring“ mit seinen schönsten Panoramen beeindruckt. Auf das eigentliche Gameplay haben diese Einschränkungen kaum Einfluss. Selbst in hektischen Kämpfen bleibt die Bildrate erfreulich stabil, sodass die präzise Reaktionsfähigkeit des Kampfsystems erhalten bleibt. Sowohl im Dock- als auch im Handheld-Modus ist die Performance überzeugend, wobei mir das Spielen im Handheld-Modus angenehmer erscheint. Auf dem großen Fernseher fallen reduzierte Details und grafische Unregelmäßigkeiten schlicht stärker auf. Unterm Strich ist „Elden Ring“ auf der Switch 2 dennoch eine bemerkenswerte technische Leistung. FromSoftware musste zahlreiche Kompromisse eingehen, hat dabei aber den entscheidenden Punkt bewahrt: das Gameplay. Die beeindruckende Gesamtästhetik bleibt erhalten, auch wenn sie sich bei genauerem Hinsehen in einigen Details verliert. Ist dies die beste Möglichkeit, das Zwischenreich zu erleben? Sicherlich nicht. Dennoch ist die Umsetzung sowohl für Fans des Originals als auch für Neueinsteiger eine überraschend funktionale und unterhaltsame Möglichkeit, das Abenteuer unterwegs zu genießen. Allein die Möglichkeit, ein Meisterwerk des Genres jederzeit auf der Konsole spielen zu können, besitzt einen ganz eigenen Reiz – und macht diese Portierung trotz ihrer Schwächen zu einem gelungenen Gesamtpaket.

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