Mit Drink Factory Simulator widmet sich Agosto Game Studio einem ungewöhnlichen Thema für eine Wirtschaftssimulation: der Herstellung und dem Verkauf von Getränken. Statt einfach vorgegebene Produkte möglichst effizient zu produzieren, lässt dich das Spiel deine Rezepte selbst entdecken. Du startest mit einer kleinen Produktionsanlage, experimentierst mit Zutaten und Mischverhältnissen und arbeitest dich Schritt für Schritt zu einer größeren Fabrik vor. Dabei verbindet der Titel Rezeptentwicklung, Produktionsmanagement, Bestellungen, Lieferungen und sogar einen eigenen Laden miteinander. Das Spiel ist 2026 erschienen und setzt dabei stark auf seine Early-Access- beziehungsweise Aufbauphase, in der insbesondere das Zusammenspiel seiner einzelnen Systeme interessant wird.
Keine klassische Story
Eine klassische Handlung gibt es nicht. Drink Factory Simulator erzählt dir keine Geschichte mit Figuren, Wendungen oder einer übergeordneten Kampagne. Deine Entwicklung ist vielmehr die Geschichte, die du selbst erzeugst: Du beginnst mit einer kleinen Produktionsmöglichkeit, lernst die Grundlagen der Getränkeherstellung kennen und baust dein Unternehmen immer weiter aus. Das funktioniert für eine Simulation auch ohne erzählerischen Unterbau gut, weil dein persönlicher Fortschritt die Motivation liefert. Jeder neue Produktionsschritt, jede optimierte Rezeptur und jede größere Bestellung wird zu einem kleinen Erfolgserlebnis. Gerade bei einem Spiel dieser Art wäre eine aufgesetzte Geschichte vermutlich ohnehin weniger interessant als die Frage, wie effizient du deine eigene Fabrik aufbauen kannst.

Der Kern: Rezepte selbst entdecken und von der kleinen Anlage zur Fabrik
Das interessanteste Element von Drink Factory Simulator ist zweifellos die Rezeptentwicklung. Das Spiel nimmt dir einen entscheidenden Teil der klassischen Simulationsroutine ab beziehungsweise überlässt ihn dir: Rezepte werden nicht einfach vollständig vorgegeben. Stattdessen musst du selbst herausfinden, welche Zutaten in welchem Verhältnis zusammenpassen. Genau dieses Experimentieren bildet einen wesentlichen Bestandteil des Spiels. Du arbeitest dich also nicht einfach eine Liste von Rezepten ab, sondern probierst verschiedene Kombinationen aus. Dabei geht es nicht nur darum, überhaupt ein funktionierendes Getränk herzustellen. Du möchtest möglichst gute Mischverhältnisse finden, denn Qualität und wirtschaftliche Effizienz spielen ebenfalls eine Rolle. Das sorgt dafür, dass die Produktion nicht ausschließlich aus dem stumpfen Abarbeiten von Aufträgen besteht. Besonders gelungen ist dabei die Verbindung zwischen Experimentieren und Wirtschaft. Eine perfekte Rezeptur ist schließlich nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Zutaten kosten Geld, die Produktion muss sich lohnen und größere Aufträge verlangen nach einer entsprechend organisierten Fertigung. Dadurch entsteht eine angenehme Mischung aus Tüftelei und Management.Das Analyse- und Experimentiersystem unterstützt diesen Ansatz. Du kannst deine Mischungen überprüfen und herausfinden, welche Zutaten richtig beziehungsweise falsch gewählt wurden. Das macht aus der Rezeptentwicklung ein kleines Rätselspiel, ohne dass der Titel seine eigentliche Simulationsausrichtung verliert. Am Anfang ist deine Produktionsmöglichkeit noch überschaubar. Im weiteren Verlauf kaufst du neue Maschinen und erweiterst deine Produktionslinie. Das eigentliche Ziel besteht darin, aus einer kleinen Anlage eine deutlich größere und zunehmend automatisierte Fabrik zu machen. Hier spielt Drink Factory Simulator seine größte Stärke aus: Du siehst den Fortschritt nicht nur in Zahlen auf irgendeinem Menü, sondern baust deine Produktionsumgebung tatsächlich weiter aus. Aus einzelnen Arbeitsschritten entsteht nach und nach eine zusammenhängende Produktionskette. Dabei musst du deine Ressourcen und deine Finanzen im Blick behalten. Neue Maschinen kosten Geld, gleichzeitig möchtest du größere Aufträge annehmen und deine Produktion effizienter gestalten. Dadurch entsteht ein klassischer Simulationskreislauf: produzieren, Geld verdienen, investieren, optimieren und anschließend noch größere Produktionsmengen bewältigen. Gerade dieser Kreislauf dürfte langfristig den größten Teil der Motivation ausmachen. Drink Factory Simulator versucht nicht, durch spektakuläre Einzelmomente zu unterhalten. Der Reiz entsteht vielmehr daraus, dass du deine eigene Fabrik immer besser verstehst und sie entsprechend optimierst.
Bestellungen und Zeitdruck und mehr als nur Fabrikarbeit
Natürlich bringt eine funktionierende Fabrik wenig, wenn du deine Produkte nicht verkaufen kannst. Deshalb bilden Kundenaufträge einen weiteren wichtigen Bestandteil des Gameplays. Du musst Bestellungen rechtzeitig erfüllen und dabei auf eine gleichbleibende Qualität achten. Dadurch bekommt das ansonsten eher gemütliche Experimentieren mit Rezepten eine zusätzliche Ebene. Du kannst nicht ewig an einer Mischung herumprobieren, wenn gleichzeitig die Produktion laufen und ein Auftrag erfüllt werden soll. Mit zunehmender Größe deiner Fabrik wird deshalb auch die Organisation wichtiger. Das Zeitmanagement ist dabei weniger ein hektisches Action-Element als vielmehr eine Frage der Planung. Du musst deine Produktionsabläufe so organisieren, dass deine Maschinen möglichst sinnvoll eingesetzt werden und du nicht ständig irgendwo auf einen fehlenden Produktionsschritt warten musst. Drink Factory Simulator beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Produktion. Ein eigener Laden gehört ebenfalls zum Konzept. Du kannst einen Shop betreiben, Regale organisieren und Kunden an der Kasse bedienen. Hinzu kommen Lieferungen in einer offenen Spielwelt. Größere Lieferungen können mit dem Lkw zum Hafen gebracht werden, während kleinere Bestellungen direkt an lokale Geschäfte ausgeliefert werden. Diese zusätzlichen Bereiche sorgen dafür, dass sich das Spiel nicht ausschließlich wie ein Produktionsketten-Simulator anfühlt. Statt nur innerhalb der Fabrik zu bleiben, bekommst du weitere Aufgaben rund um dein Unternehmen. Allerdings ist genau hier auch eine der Herausforderungen für das Spiel zu erkennen: Je mehr Systeme miteinander verbunden werden, desto wichtiger wird es, dass sie sich wirklich sinnvoll ergänzen. Die Grundlage ist vielversprechend, weil Produktion, Verkauf und Lieferung logisch zusammenpassen. Entscheidend für die langfristige Qualität wird aber sein, wie tief diese Bereiche im fertigen Spiel ineinandergreifen.

Gemeinsam wirtschaften
Neben dem Einzelspielermodus ist Online-Koop vorgesehen. Du kannst die Fabrik gemeinsam mit bis zu drei weiteren Personen verwalten und auch Lieferungen zusammen erledigen. Gerade für eine Simulation dieser Art ist das eine interessante Ergänzung. Während du alleine sämtliche Aufgaben selbst übernimmst, können sich mehrere Spieler theoretisch auf unterschiedliche Bereiche konzentrieren. Einer kümmert sich um die Produktion, während ein anderer Lieferungen erledigt oder den Laden organisiert. Der Koop-Modus ist damit nicht bloß eine zusätzliche Spieloption, sondern passt grundsätzlich gut zur Struktur des Spiels. Wie viel Tiefe daraus langfristig entsteht, hängt allerdings stark davon ab, wie gut die einzelnen Aufgaben im Mehrspielermodus aufeinander abgestimmt sind.
Die Grafik
Optisch präsentiert sich Drink Factory Simulator als dreidimensionale First-Person-Simulation. Der Schwerpunkt liegt klar auf der Funktionalität der Spielwelt und weniger auf einer spektakulären Inszenierung. Maschinen, Produktionsbereiche und die verschiedenen Arbeitsabläufe stehen im Mittelpunkt. Das passt gut zum Genre. Eine Fabriksimulation muss vor allem übersichtlich sein. Du möchtest auf den ersten Blick erkennen können, welche Maschine was macht, wo sich deine Produktionskette befindet und wie deine Anlage aufgebaut ist. Ein übermäßig verspielter Grafikstil würde diesem Zweck eher entgegenstehen. Besonders wichtig ist deshalb die räumliche Darstellung der Produktion. Wenn deine Fabrik wächst und neue Maschinen hinzukommen, wird die Spielwelt zunehmend zu einer visuellen Darstellung deiner wirtschaftlichen Entwicklung. Anfangs wirkt alles noch klein und überschaubar, während später deutlich größere Produktionsanlagen möglich sind. Die Grafik erfüllt damit vor allem eine funktionale Aufgabe. Sie vermittelt dir das Gefühl, tatsächlich durch deine eigene Fabrik zu laufen und deine Produktionsabläufe aus nächster Nähe zu beobachten. Das passt zum First-Person-Ansatz und unterscheidet das Spiel von vielen Wirtschaftssimulationen, bei denen du fast ausschließlich aus einer Übersichtsperspektive auf dein Unternehmen blickst. Für eine Bewertung der technischen Qualität sollte man angesichts der frühen Entwicklungsphase allerdings vorsichtig sein. Drink Factory Simulator ist ein Projekt, das noch weiterentwickelt wird. Entsprechend ist weniger entscheidend, ob jede Oberfläche bereits auf dem Niveau einer großen Vollpreisproduktion liegt, sondern ob die visuelle Grundlage für die weitere Entwicklung stimmt. Die vorhandenen Informationen und das gezeigte Spielprinzip machen zumindest deutlich, dass der Fokus auf einer begehbaren und ausbaubaren Produktionswelt liegt.

Ein interessantes Fundament
Was Drink Factory Simulator bereits jetzt interessant macht, ist weniger eine einzelne spektakuläre Mechanik als die Kombination seiner Systeme. Rezeptentwicklung, Produktion, Fabrikausbau, Wirtschaft, Bestellungen, Lieferungen und Ladenmanagement greifen grundsätzlich ineinander. Vor allem das Rezeptsystem hebt das Spiel von einer gewöhnlichen Produktionssimulation ab. Du bekommst nicht einfach eine fertige Anleitung und stellst anschließend möglichst schnell möglichst viele Flaschen her. Stattdessen musst du selbst herausfinden, welche Kombination funktioniert. Das gibt der Produktion einen eigenen Charakter und sorgt dafür, dass neue Getränke nicht nur als weiterer freigeschalteter Menüpunkt erscheinen. Gleichzeitig ist das Spiel dadurch stark auf Spieler ausgerichtet, die Spaß am Optimieren haben. Wer lieber eine Simulation mit klaren Vorgaben und möglichst wenig Ausprobieren spielt, könnte sich an diesem Ansatz durchaus stören. Wer dagegen gerne experimentiert und seine eigene Lösung findet, bekommt hier einen deutlich interessanteren Anreiz.
Trailer

















