Echoes of Aincrad

Shadow PC, PC

Mit Echoes of Aincrad erwartet dich ein Action-RPG, das die Geschichte von Sword Art Online aus einer neuen Perspektive erzählt. Trotz einer starken Ausgangsidee und eines gelungenen Kampfsystems kann das Spiel sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen.

Eine spannende Idee mit viel Leerlauf

In Echoes of Aincrad nimmst du an der Testversion des bekannten MMOs Sword Art Online teil. In einer mehrstündigen Einführung lernst du die Spielmechaniken kennen und triffst eine Gruppe von Freunden, mit denen du später die Vollversion spielen möchtest. Doch aus dem vermeintlichen Abenteuer wird schnell ein Albtraum: Sword Art Online wird zu einem Gefängnis, aus dem niemand entkommen kann, bevor nicht alle 100 Ebenen abgeschlossen sind. Stirbst du im Spiel, stirbst du auch in der Realität – und selbst ein Versuch, dich von außen auszuloggen, endet tödlich. Willkommen im „Death Game“, inklusive Permadeath. Die Grundidee ist nach wie vor faszinierend, vor allem weil du die Geschichte mit einem selbst erstellten Charakter erlebst. Statt lediglich die Handlung des Animes nachzuspielen, gehst du deinen eigenen Weg, triffst aber dennoch auf bekannte Figuren. Gerade für Fans der Vorlage ist das ein großer Pluspunkt. Leider kann die Geschichte dieses Potenzial nicht ausschöpfen. Das Erzähltempo ist oft sehr langsam und die Handlung wirkt über weite Strecken wie eine lose Aneinanderreihung zufälliger Ereignisse. Zwar gibt es immer wieder spannende Momente und gelungene Ansätze, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, doch sie bleiben die Ausnahme. Insgesamt wirkt Echoes of Aincrad erzählerisch zu gewöhnlich und verliert durch sein schleppendes Tempo viel von seiner anfänglichen Faszination – ein Problem, das teilweise auch durch Schwächen im Gameplay verstärkt wird.

Flexibles Kampfsystem mit viel Potenzial

Echoes of Aincrad bietet ein klassisches Einzelspieler-Action-RPG, das sich in vielen Bereichen an bekannten Genre-Standards orientiert. Dir stehen zahlreiche Waffen, Spezialangriffe und Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung, während du deine Werte kontinuierlich verbesserst – ganz ähnlich wie in Soulslikes. Die Kämpfe machen anfangs durchaus Spaß. Nach und nach lernst du die Grundlagen kennen: leichte und schwere Angriffe sowie Spezialtechniken auf der offensiven Seite, kombiniert mit Blocken, Ausweichen und Parieren zur Verteidigung. Unterstützt wirst du dabei von einem Begleiter, der entweder eigenständig kämpft oder auf deine Befehle und Fähigkeiten reagiert. Auch technisch hinterlässt das Spiel einen guten Eindruck. Gelungene Effekte und ein wuchtiges Trefferfeedback sorgen dafür, dass sich die Kämpfe dynamisch und befriedigend anfühlen. Besonders gelungen ist zudem die hohe Flexibilität beim Charakteraufbau: Du kannst Waffen zerlegen, ihre Eigenschaften auf andere Ausrüstung übertragen, deine Werte jederzeit anpassen und verschiedene Begleiter mit unterschiedlichen Spielstilen ausprobieren. Dadurch lädt das Spiel immer wieder zum Experimentieren ein und sorgt für spielerische Abwechslung. Genau diese Freiheiten haben mich lange motiviert und über viele Schwächen hinwegsehen lassen. Letztlich reichten sie jedoch nicht aus, um die größeren Probleme im übrigen Gameplay auszugleichen.

Schön anzusehen, aber eintönig zu spielen

Die größte Schwäche von Echoes of Aincrad ist das Weltdesign. Der Ablauf wiederholt sich ständig: Du nimmst eine Quest an, läufst durch ein weitläufiges Gebiet voller Gegner bis zum Ziel, kehrst in den Hauptbereich zurück und startest die nächste Mission. Dieses Schema nutzt sich schnell ab. Der Hauptgrund dafür sind die wenig abwechslungsreichen Quests und Gegner. Die meisten Feinde besitzen sehr einfache Angriffsmuster und tauchen immer wieder auf, wodurch die Kämpfe schon nach kurzer Zeit ihre Spannung verlieren. Zwar setzt das Spiel gelegentlich auf Nebenbosse, doch diese sind meist nur größere und stärkere Varianten bereits bekannter Gegner. Selbst viele Hauptbosse bieten zwar etwas mehr Herausforderung, bleiben aber selten wirklich einprägsam und werden teilweise ebenfalls mehrfach eingesetzt. Auch das Erkunden kann das nicht ausgleichen. Die weitläufigen Gebiete bieten lediglich einfache Nebenaufgaben, kleinere Events und Truhen mit Ausrüstung. Wirklich interessante Entdeckungen oder lohnende Geheimnisse gibt es kaum. Erschwerend kommt hinzu, dass neu freigeschaltete Schnellreisepunkte sogar die Positionen der Truhen aufdecken, wodurch der ohnehin geringe Reiz des Erkundens weiter verloren geht. Dadurch fühlen sich viele Abschnitte eher wie eine Pflichtaufgabe als wie ein spannendes Abenteuer an. Die Dungeons sorgen zwar gelegentlich für etwas Abwechslung und unterscheiden sich optisch voneinander, spielerisch bleiben sie jedoch ebenfalls hinter ihren Möglichkeiten zurück. Optisch weiß Echoes of Aincrad dagegen zu überzeugen. Vor allem die Außenareale sind beeindruckend gestaltet und gehören für mich zu den schönsten Umgebungen, die Bandai Namco bislang in einem Anime-Spiel geschaffen hat. Der Soundtrack und die Vertonung sind zwar nicht außergewöhnlich, erfüllen ihre Aufgabe aber zuverlässig und untermalen das Geschehen passend.

Trailer


Fazit

Echoes of Aincrad hinterlässt zunächst einen starken ersten Eindruck. Die spannende Ausgangsidee, die wunderschöne Spielwelt und das unterhaltsame Kampfsystem machen Lust auf mehr. Mit der Zeit verliert das Spiel jedoch zunehmend an Reiz. Vor allem das eintönige Quest- und Weltdesign sowie einige fragwürdige Designentscheidungen sorgen dafür, dass aus dem vielversprechenden Abenteuer am Ende nur ein durchschnittliches Spielerlebnis wird.


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