KIYO – Bunny Tyranny

Shadow PC, PC

KIYO – Bunny Tyranny entführt dich in eine düstere, neongetränkte Cyberpunk-Welt, in der Stealth, Widerstand und eine ungewöhnliche Geschichte miteinander verschmelzen.

Eine skurrile Cyberpunk-Welt voller Widerstand

Die Welt von KIYO – Bunny Tyranny zieht Dich sofort in ihren Bann. Rabbithole City ist eine riesige Neon-Metropole, in der Überwachung, Technologie und soziale Kontrolle den Alltag bestimmen. Hinter allem steht BunnyCorp – eine mächtige Organisation, die Individualität und natürliche Instinkte als Gefahr betrachtet und die Gesellschaft zu einer perfekt kontrollierten Maschine geformt hat. Inmitten dieses Systems schlüpfst Du in die Rolle von Kiyo, einer ehemaligen Raubkatze, die sich einer Widerstandsbewegung anschließt. Angeführt wird diese von einer geheimnisvollen Rieseneule, die gegen die Herrschaft von BunnyCorp kämpft. Von dort aus führt Dich die Geschichte durch Infiltrationen, Sabotageaktionen und immer riskantere Konfrontationen mit den Sicherheitskräften des Regimes. Die Handlung bleibt zwar überschaubar, überzeugt aber durch ihre konsequente und eigenwillige Vision. Die Satire ist verspielt, gelegentlich bissig und durchgehend unterhaltsam. Hinter der bunten Cyberpunk-Fassade verbergen sich Themen wie Technologiesucht, sozialer Druck und autoritäre Kontrolle. Dabei wirkt das Spiel jedoch nie belehrend, sondern vermittelt seine Botschaften ganz natürlich durch die Spielwelt und ihre Charaktere. Kiyo selbst ist dabei eine starke Hauptfigur. Sie ist schlagfertig, zynisch und sofort sympathisch, wodurch sie während des gesamten Abenteuers als glaubwürdiger Mittelpunkt fungiert. Selbst in Momenten, in denen das Gameplay stärker im Vordergrund steht als die Geschichte, bleibt ihre Mission ein wichtiger Antrieb, der zum Weiterspielen motiviert.

Schleichen statt stürmen

Die größte Stärke von KIYO – Bunny Tyranny liegt im gelungenen Stealth-Gameplay. Hier kommst Du mit blindem Drauflosrennen nicht weit. Stattdessen setzen die Levels auf Beobachtung, Planung und Geduld. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Solange Du Dich in dunklen Bereichen bewegst, bleibst Du weitgehend verborgen. Sobald Du jedoch beleuchtete Zonen betrittst, steigt die Gefahr, entdeckt zu werden. Besonders clever: Die Sicherheitskräfte tragen leuchtende Geräte bei sich und werden dadurch zu beweglichen Lichtquellen. Dadurch musst Du ständig Patrouillenrouten beobachten und Deine Bewegungen sorgfältig abstimmen. Dieses einfache, aber effektive System sorgt für eine spürbare Spannung. Selbst kurze Wege durch eine Anlage können nervenaufreibend sein, wenn ein kleiner Fehler mehrere Minuten sorgfältiger Planung zunichtemachen könnte. Zum Glück verfügt Kiyo über ein vielseitiges und reaktionsschnelles Bewegungssystem. Du kletterst Wände hinauf, schwingst an Seilen, kriechst durch Lüftungsschächte und überwindest Hindernisse mit beeindruckender Agilität. Besonders befriedigend ist es, einen stark bewachten Bereich komplett unentdeckt zu durchqueren. Zusätzlich belohnt das Spiel kreatives Vorgehen. Mit Ködern lassen sich Wachen ablenken, Umweltgefahren können gegen Gegner eingesetzt werden und versteckte Wege eröffnen oft sicherere Alternativen. Dadurch fühlt sich jede erfolgreiche Infiltration verdient an und motiviert dazu, die Möglichkeiten eines Levels vollständig auszureizen.

Kampf ist Mittel zum Zweck und Kleine Schwächen im Schatten der Stärken

In KIYO sind Kämpfe zwar vorhanden, stehen aber klar im Hintergrund. Direkte Konfrontationen sind riskant, oft ineffizient und selten die beste Lösung. Dein wichtigstes Werkzeug ist der Bogen – aber der will mit Bedacht eingesetzt werden, denn jede Pfeilspitze zählt. Statt dich in Gefechte zu drängen, verwandelt das Spiel jede Begegnung in ein kleines taktisches Puzzle. Ein präziser Schuss kann Sicherheitssysteme ausschalten, Gegner ablenken oder Umgebungsfallen auslösen, die gleich mehrere Feinde erledigen. Dadurch wirst du ständig dazu angeregt, zu experimentieren, ohne den starken Stealth-Fokus zu verlieren. Besonders spannend ist die „Instinct-Anzeige“. Wenn etwas schiefläuft, bestraft dich das Spiel nicht sofort mit einem Game Over. Durch geschicktes Ausweichen oder das Brechen der Sichtlinie füllt sich die Anzeige wieder und eröffnet dir stärkere Bewegungsmöglichkeiten. So wird eine hektische Flucht oft zu einem echten Comeback-Moment – spannend, aber fair. So stark „KIYO – Bunny Tyranny“ auch ist, ganz ohne Schwächen kommt es nicht aus. Am auffälligsten sind gelegentliche Ungenauigkeiten bei der Kollisionsabfrage in schwierigeren Plattform-Passagen. Meist funktioniert die Steuerung sehr präzise, doch hin und wieder wirken das Greifen an Kanten oder der Einsatz des Ninja-Seils etwas ungenau. Das führt zwar nicht zu echten Spielabbrüchen, kann in hektischen Fluchtmomenten aber frustrierend sein. Auch die eher kurze Kampagne fällt ins Gewicht. Das Spiel hält ein hohes Tempo, trotzdem fühlt sich die Welt groß genug an, um mehr Inhalt zu tragen – manchmal kommt das Ende fast zu früh, gerade wenn die Mechaniken ihr volles Potenzial entfalten. Zusätzlich könnte der eher lineare Aufbau Spieler enttäuschen, die ein offene s Sandbox-Stealth-Erlebnis erwarten. Zwar bieten die Levels verschiedene Lösungswege, doch der Gesamtablauf bleibt klar strukturiert und fokussiert auf inszenierte Szenarien statt freie Experimentierfreiheit. Trotz dieser Punkte bleibt der Gesamteindruck stark – die Kritik kratzt nur leicht an einem sonst sehr runden Spielerlebnis.

Neon, Stil und Atmosphäre pur

Optisch ist „KIYO – Bunny Tyranny“ ein echtes Highlight. Zwar ist Pixelkunst in der Indie-Szene längst beliebt, doch nur wenige Spiele setzen sie so konsequent und wirkungsvoll ein. Rabbithole City wirkt dabei lebendig und dicht: leuchtende Werbetafeln, hohe Wolkenkratzer und regennasse Straßen, die von grellem Neonlicht durchzogen sind. Stilistisch klar im Cyberpunk verwurzelt, entwickelt das Spiel trotzdem eine eigene Identität. Violett-, Blau-, Pink- und Grün-Töne dominieren die Palette und schaffen eine Stimmung, die gleichzeitig faszinierend schön und leicht beklemmend wirkt. Jeder Stadtbezirk hat seinen eigenen visuellen Charakter, wodurch die Erkundung dauerhaft spannend bleibt. Auch die Charaktere überzeugen. Die anthropomorphen Figuren hätten schnell kitschig wirken können, werden aber durch starke Animationen und klare künstlerische Führung glaubwürdig und präsent inszeniert. Ob Wachen, Zivilisten, Widerstand oder Konzernelite – jede Gruppe fügt sich stimmig in diese ungewöhnliche Welt ein. Abgerundet wird das Ganze vom Soundtrack. Treibender Synthwave begleitet das Geschehen und passt perfekt zur futuristischen Kulisse. In ruhigen Stealth-Momenten bleibt die Musik dezent, doch bei Alarmen steigert sie sich zu energiegeladenen Beats und hebt die Spannung spürbar an. Zusammen greifen Bild und Ton perfekt ineinander und geben dem Spiel eine starke, unverwechselbare Atmosphäre.

Trailer


Fazit

KIYO – Bunny Tyranny weiß genau, was es sein will, und zieht das konsequent durch. Du bekommst ein starkes Stealth-Gameplay, durchdachtes Leveldesign, beeindruckende Optik und eine überraschend clevere Erzählweise, die zusammen ein sehr rundes Gesamtpaket ergeben. Rabbithole City bleibt dabei als bizarre, witzige und gleichzeitig verstörende Welt lange im Kopf. Das Gameplay belohnt dich für Geduld, Planung und kreative Lösungen, während die Präsentation von Anfang bis Ende extrem stilbewusst bleibt. Besonders stark ist, dass das Spiel seine Identität nie verliert und seine ungewöhnliche Idee voll selbstbewusst trägt. Kleine Schwächen wie gelegentliche Frustmomente im Platforming und die eher kurze Spielzeit verhindern zwar die absolute Perfektion, fallen aber kaum ins Gewicht. Wenn du Stealth-Spiele, Indie-Titel oder Cyberpunk-Settings magst, solltest du dir diesen Titel definitiv ansehen. Es ist ein mutiges, eigenständiges Erlebnis, das zeigt, wie stark ein Spiel sein kann, wenn es seine verrückte Idee kompromisslos durchzieht.


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