MEMOLITH: Forsaken by Light

Shadow PC, PC

In MEMOLITH: Forsaken by Light erkundest Du eine von Dunkelheit verschlungene Welt, führst Deine Gruppe durch taktische Gefechte und kämpfst darum, die letzten Hoffnungsschimmer einer untergegangenen Zivilisation wiederherzustellen.

Eine Welt im Schatten des Memoliths

Die Stadt Remore war einst vom Memolith abhängig – einer geheimnisvollen Lichtquelle, die die Welt vor der völligen Dunkelheit bewahrte. Als dieses Licht erlosch, versank die Stadt im Chaos. Ganze Viertel wurden verwüstet, Menschen verwandelten sich in Monster, und die wenigen Überlebenden mussten lernen, sich an die neue Realität anzupassen. Dein Ziel scheint zunächst klar: Kehre nach Remore zurück, stelle die Leitpfeiler wieder her und finde die Fragmente des zerstörten Memoliths. Doch schon bald entwickelt sich die Geschichte zu weit mehr als einer einfachen Mission. Nach und nach begegnest Du Überlebenden, die alle auf ihre eigene Weise von der Katastrophe gezeichnet wurden. Der Miliz-Armbrustschütze Edwin schließt sich der Gruppe aus pragmatischen Gründen an, während Duirmuid von tiefer Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Ellen wiederum besitzt die beunruhigende Gabe, Dinge wahrzunehmen, die anderen verborgen bleiben. Ihre größte Stärke entfaltet die Erzählung jedoch nicht in großen Wendungen, sondern in den kleinen Details. Briefe, Notizen, Gespräche und versteckte Entdeckungen erzählen von den Schicksalen der Bewohner und vermitteln eindrucksvoll, dass Remore einst eine lebendige Stadt voller Menschen und Geschichten war.

Zwischen Erkundung und Taktik

Während sich die Vorgänger stärker auf persönliche Geschichten konzentrierten, rücken in MEMOLITH Themen wie Licht, Glaube und die übergeordnete Mythologie stärker in den Vordergrund. Die Spielwelt wirkt dadurch größer und ereignisreicher, verliert jedoch etwas von ihrer früheren Intimität. Das Gameplay teilt sich in zwei unterschiedliche Phasen. Außerhalb der Kämpfe erkundest Du die zerstörten Straßen von Remore nahezu in Echtzeit, durchsuchst Gebäude, sammelst Ressourcen und bewegst Dich vorsichtig durch feindliches Gebiet. Sobald ein Kampf beginnt, wechselt das Spiel in ein rundenbasiertes System, das für einen Großteil der Spannung sorgt. Die Erkundung selbst ist alles andere als entspannt. Gegner patrouillieren mit sichtbaren Sichtfeldern, und eine unüberlegte Bewegung kann schnell mehrere Feinde gleichzeitig auf den Plan rufen. Dadurch wird Vorbereitung zu einem wichtigen Bestandteil des Spielablaufs: Du beobachtest Gegner, suchst sichere Wege, hältst Deine Gruppe zusammen und entscheidest, wo eine Auseinandersetzung beginnen soll. Seine größte Stärke entfaltet MEMOLITH jedoch im Kampf. Jede Figur übernimmt eine klare Rolle auf dem Schlachtfeld. Schildträger sichern wichtige Positionen, Bogenschützen unterstützen aus der Distanz und kontrollieren die Bewegungen der Gegner, während schwere Nahkämpfer feindliche Formationen aufbrechen. Dadurch wirken die Gefechte angenehm taktisch, ohne dabei unnötig langsam oder kompliziert zu werden.

Taktische Kämpfe unter ständigem Druck

MEMOLITH entfaltet seine größten Stärken in den Kämpfen. Ein schmaler Korridor kann zur entscheidenden Verteidigungslinie werden, während eine einzige Fehlplatzierung den gesamten Plan zunichtemacht. Gerade diese Mischung aus Positionierung, Planung und Risiko sorgt für viele spannende Momente. Es fühlt sich ausgesprochen befriedigend an, Fallen vorzubereiten, gefährdete Teammitglieder zu schützen und scheinbar aussichtslose Gefechte doch noch für sich zu entscheiden. Besonders gelungen ist das „Guiding Pillar“-System. Um verlorene Teile der Stadt zurückzuerobern, musst Du spezielle Säulen aktivieren. Das Problem: Dabei werden nahe Gegner alarmiert und Deine Gruppe wird vorübergehend verwundbar. Plötzlich geht es nicht mehr darum, jeden Feind zu besiegen, sondern lange genug durchzuhalten, um das Ziel zu erreichen. Dieser permanente Druck sorgt für einige der stärksten Momente des Spiels. Zusätzliche Spannung erzeugt die Korruption. Während Du Dich in der Dunkelheit aufhältst, verlieren Deine Charaktere nach und nach Willenskraft. Ist diese aufgebraucht, kosten Aktionen stattdessen Lebenspunkte. Dadurch wird jede Entscheidung wichtiger und jeder Zug will gut überlegt sein. Das System erzeugt konstanten Druck, ohne dabei unfair zu wirken. Allerdings verliert MEMOLITH hier und da etwas an Tempo. So stark die Kämpfe auch sind, die Rätselabschnitte fügen sich nicht immer nahtlos ins Gesamtbild ein. Vor allem die Sequenzen rund um das Entzünden von Kristallen bremsen den Spielfluss spürbar aus. Statt taktischer Entscheidungen und cleverer Positionierung stehen plötzlich Umgebungsmechaniken im Mittelpunkt. Diese Passagen sind keineswegs schlecht, wirken aber etwas losgelöst von den Stärken des Spiels. Wer vor allem wegen der taktischen Kämpfe spielt, könnte diese Unterbrechungen daher gelegentlich als störend empfinden.

Erinnerungen, Atmosphäre und Präsentation

Zu den interessantesten Spielmechaniken gehört das „Memory Binding“. Während Deiner Reise sammelst Du Erinnerungen von Menschen, die der Dunkelheit zum Opfer gefallen sind. Diese lassen sich ausrüsten und gewähren bessere Werte, passive Boni sowie neue Fähigkeiten. Der Fortschritt fühlt sich dadurch besonders greifbar an, da jede Erinnerung Deine Gruppe auf unterschiedliche Weise stärkt und neue Spielweisen ermöglicht. Weniger überzeugend fällt hingegen das Herstellungssystem aus. Zwar benötigst Du für Waffen und Rüstungen gesammelte Materialien und Rezepte, doch die Funktion wird erst relativ spät wirklich relevant. Bis dahin findest Du während der Erkundung häufig bereits bessere Ausrüstung, wodurch das Sammeln von Ressourcen an Bedeutung verliert. Das Crafting ist keineswegs schlecht umgesetzt, wirkt jedoch nie so wichtig, wie es ursprünglich vorgesehen scheint. Atmosphärisch hinterlässt MEMOLITH dagegen einen starken Eindruck. Der spritebasierte Grafikstil harmoniert hervorragend mit der düsteren Spielwelt. Die zerstörte Stadt wirkt trostlos, verlassen und unheimlich, obwohl das Spiel nur sparsam auf aufwendige Effekte setzt. Auch in größeren Gefechten bleibt das Geschehen jederzeit übersichtlich. Allerdings erreichen nicht alle Schauplätze dieselbe Qualität. Einige spätere Gebiete wirken weniger stimmig und besitzen nicht die Detailverliebtheit oder den Wiedererkennungswert früherer Areale. Der Gesamteindruck bleibt dennoch gelungen, auch wenn einzelne Abschnitte etwas aus dem Rahmen fallen. Einen wichtigen Beitrag zur Atmosphäre leistet außerdem das Sounddesign. Der Soundtrack drängt sich nie in den Vordergrund, sondern unterstützt gezielt die Stimmung. Die Musik wird intensiver, wenn Gefahr droht, und zurückhaltender während ruhiger Erkundungsphasen. Zusammen mit den Umgebungsgeräuschen und der bewusst eingesetzten Stille entsteht eine dichte, oft beklemmende Atmosphäre, die hervorragend zur Welt von MEMOLITH passt.

Trailer


Fazit

MEMOLITH: Forsaken by Light befindet sich in einem spannenden Spannungsfeld zwischen Bewährtem und Neuausrichtung. Viele der neuen Ideen gehen dabei auf: Die taktischen Kämpfe gehören weiterhin zu den größten Stärken des Spiels, die Erkundung bleibt spannend, die Charakterentwicklung motiviert und die dichte Atmosphäre zieht Dich von Anfang bis Ende in ihren Bann. Gleichzeitig wirkt das Abenteuer stellenweise etwas überladen. Zusätzliche Systeme, neue Mechaniken und verschiedene Gameplay-Unterbrechungen erweitern zwar den Umfang, lassen das Spiel aber gelegentlich weniger fokussiert erscheinen. Während einige Spieler darin eine gelungene Weiterentwicklung sehen werden, könnten andere die klarere und persönlichere Ausrichtung früherer Versionen vermissen. Trotzdem lässt sich MEMOLITH Fans taktischer Rollenspiele ohne große Einschränkungen empfehlen. Wenn alle Elemente zusammenspielen, entstehen immer wieder packende und erinnerungswürdige Momente. Die Frage ist daher weniger, ob MEMOLITH ein gutes Spiel ist – sondern vielmehr, ob Dir die neue, ambitioniertere Ausrichtung besser gefällt als die kompaktere Vision, aus der das Projekt ursprünglich entstanden ist.


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