
„Rise of the Tomb Raider: 20 Year Celebration“ ist ein umfangreiches Action-Adventure, das Lara Croft auf eine gefährliche Reise nach Sibirien schickt und dabei klassische Erkundung, Rätsel und Survival-Gameplay mit einer großen Portion Blockbuster-Inszenierung verbindet.
Auf der Jagd nach der Göttlichen Quelle
Die Handlung von „Rise of the Tomb Raider“ setzt einige Zeit nach den Ereignissen auf Yamatai aus dem Vorgänger „Tomb Raider“ (2013) sowie den Comics „Season of the Witch“, „Secrets and Lies“ und „Queen of Serpents“ ein. Lara hat sich seit ihrer Begegnung mit dem Übernatürlichen stark verändert, vor allem durch den Zusammenbruch ihrer Freundin Sam und die wachsende Überzeugung, dass die Geschichten ihres verstorbenen Vaters doch einen wahren Kern haben. Gleichzeitig wird sie von der Organisation Trinity verfolgt, die das Übernatürliche für eigene Zwecke nutzen will. Nachdem klar wird, dass Lara ins Visier geraten ist, bleibt ihr kaum eine Wahl: Gemeinsam mit Jonah macht sie sich auf den Weg nach Sibirien, um die „Divine Source“ zu finden – ein Artefakt, das Unsterblichkeit verspricht. Doch Trinity ist ihr bereits dicht auf den Fersen. Ein Unfall trennt Lara früh von Jonah, und sie findet sich erneut allein in der eisigen Wildnis wieder – eine Situation, die stark an Yamatai erinnert. Obwohl sie inzwischen erfahrener ist, muss sie sich wieder dem Unbekannten stellen und gleichzeitig Trinity zuvorzukommen, bevor diese die Quelle in die Hände bekommt. Die Geschichte wird dabei nicht nur über Zwischensequenzen erzählt, sondern auch durch Dialoge während des Gameplays sowie zahlreiche Dokumente und Aufzeichnungen in der Spielwelt, die zusätzliche Hintergründe liefern. Rückblenden vertiefen zudem Laras Vergangenheit und die Beziehung zu ihrem Vater, auch wenn einige offene Fragen aus dem Vorgänger außerhalb des Spiels, etwa in den Comics, weitergeführt werden. So entwickelt sich „Rise of the Tomb Raider“ zu einem deutlich größeren und erzählerisch runderen Abenteuer, das Laras Entwicklung weiter ausbaut und die Serie in Richtung eines klassischen Action-Blockbusters bewegt.

Erkundung, Fortschritt und Survival in der Wildnis
„Rise of the Tomb Raider“ bleibt dem Vorgänger treu und verbindet Action-Adventure mit Plattforming, Rätseln und leichten Metroidvania-Elementen. Gleichzeitig wird das Ganze deutlich größer und offener gedacht. Du spielst eine erfahrenere Lara, die nicht mehr das Überleben lernt, sondern von Beginn an Zugriff auf viele ihrer Kernfähigkeiten hat. Trotzdem nimmt ihr das Spiel zu Beginn Ausrüstung und Waffen ab, sodass Du sie im Verlauf der Geschichte wieder zurückerarbeiten musst. Die Spielwelt ist größtenteils in eine zusammenhängende Region mit mehreren Gebieten unterteilt, die Du frei erkunden kannst. Lager dienen dabei als sichere Zonen, Schnellreisepunkte und Orte zur Charakterverwaltung. Oft reflektiert Lara dort auch die jüngsten Ereignisse, was dem Spiel zusätzliche Ruhepunkte zwischen den Actionsequenzen gibt. Außerhalb der Lager erwartet Dich eine dichte, abwechslungsreiche Welt mit Kletterpassagen, Gewässern, dichter Vegetation, Jagdmöglichkeiten und feindlichen Lagern. Dazu kommen kleinere Hub-Bereiche mit NPCs sowie zahlreiche optionale Aufgaben und Sammelobjekte.Diese Vielzahl an Inhalten kann beim ersten Durchspielen schnell überwältigend wirken und sich stellenweise wie eine Checkliste anfühlen. Wenn Du Dich jedoch auf den Hauptweg konzentrierst und Nebeninhalte nebenbei mitnimmst, entfaltet sich ein sehr rundes Erlebnis. Viele Bereiche sind zudem zunächst nicht zugänglich, da Dir bestimmte Ausrüstung fehlt, was gezielt zum späteren Zurückkehren einlädt und den Entdeckeraspekt stärkt. Genau hier spielt das Spiel seine Stärke aus: Abseits der Hauptwege warten fast immer kleine Belohnungen oder neue Entdeckungen. Auch das Fortschrittssystem setzt auf leichte RPG-Elemente. Durch Kämpfe, Erkundung und das Erfüllen von Zielen sammelst Du Erfahrung und steigst im Level auf, wodurch Du Fertigkeitspunkte erhältst. Diese kannst Du in drei Kategorien investieren: Brawler-, Hunter- und Survival-Skills. Die Fähigkeiten reichen von passiven Boni bis hin zu aktiven Kampfvorteilen. Obwohl theoretisch genug Punkte für alles vorhanden sind, musst Du entscheiden, welche Fähigkeiten Dir zuerst am meisten helfen, da einige erst nach bestimmten Voraussetzungen freigeschaltet werden. Zusätzlich kannst Du Waffen im Spielverlauf verbessern, indem Du gesammelte Ressourcen nutzt. Diese Upgrades machen sich besonders in den häufigeren Kampfsequenzen deutlich bemerkbar, auch wenn sie nicht zwingend notwendig sind. Ebenso lassen sich Munition und Heilitems jederzeit herstellen, was besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden wichtig wird. Abgerundet wird das System durch Outfits, die Du freischalten und tragen kannst. Viele davon bieten nicht nur optische Vielfalt, sondern auch kleine Gameplay-Boni. Zwar sind sie für den Fortschritt nicht zwingend erforderlich, geben Dir aber zusätzliche Möglichkeiten, Lara an Deinen Spielstil anzupassen.
Zurück zu den Gräbern
Während „Tomb Raider“ (2013) mit seinem schnellen, actionlastigen Aufbau ideal für ein kompaktes Wochenende ist, fehlte vielen Fans vor allem eines: echte Grabraub-Atmosphäre. Trotz des Namens rückte das klassische Rätseldesign stark in den Hintergrund. Zwar gab es einige optionale Gräber, doch sie blieben eher klein und erreichten nicht die Tiefe, für die die Reihe ursprünglich bekannt war. „Rise of the Tomb Raider“ setzt genau hier an und versucht, dieses Defizit zu beheben. Neben mehr Rätseln in der Hauptgeschichte findest Du nun deutlich mehr optionale Gräber in der Spielwelt, die Dich mit neuer Ausrüstung und zusätzlichen Fähigkeiten belohnen. Nicht jedes dieser Gräber besteht aus komplexen Rätseln, aber alle verlangen Aufmerksamkeit, da Fallen, Mechanismen und versteckte Hinweise leicht übersehen werden können. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei spürbar. Wenn Du nicht weiterkommst, kannst Du optionale Hinweise aktivieren, was den Zugang erleichtert. Viele der Rätsel basieren auf Physik und erfordern den Einsatz bestimmter Ausrüstung, während Plattforming ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Auch wenn die Gräber insgesamt etwas zugänglicher und geradliniger ausfallen als in früheren Serienteilen, stellen sie dennoch einen klaren Schritt nach vorne gegenüber dem Vorgänger dar und kommen den Erwartungen der Fans deutlich näher.

Expeditionsmodus: Mehr als nur Zusatzinhalt
Auch wenn „Rise of the Tomb Raider“ auf den klassischen Multiplayer des Vorgängers verzichtet, ersetzt ihn das Spiel durch den umfangreichen Expeditionsmodus, der die Spielzeit deutlich erweitert. Hier kannst Du unter verschiedenen Spielvarianten wählen, die das Abenteuer auf unterschiedliche Weise neu aufleben lassen. Im Modus „Kapitel-Wiederholung“ spielst Du einzelne Abschnitte der Story erneut und schaltest dabei Bonusbelohnungen frei. „Score Attack“ hingegen fordert Dich dazu heraus, Levels möglichst effizient und mit langen Kombos zu meistern. Diese beiden Varianten sorgen für zusätzlichen Wiederspielwert, doch die eigentlichen Highlights liegen in den neuen, eigenständigen Modi.„Remnant Resistance“ sticht dabei besonders hervor, da Du hier eigene Missionen erstellen und die Spielwelt individuell anpassen kannst. Durch die vielen Parameter und die von der Community erstellten Inhalte entsteht nahezu endloser Nachschub an Herausforderungen, die jedes Mal anders ausfallen können. Dieser Modus allein ist für viele ein starker Grund, immer wieder ins Spiel zurückzukehren. Der „Endurance“-Modus bietet dagegen ein vollständiges Survival-Erlebnis. Du erkundest eine offene Umgebung, sammelst Ressourcen, kämpfst gegen Hunger und steigende Gefahr und erlebst durch prozedural generierte Karten jedes Mal einen neuen Ablauf. Das sorgt für Abwechslung und ein echtes Überlebensgefühl.Mit „Cold Darkness Awakened“ gibt es außerdem eine kompakte Nebenmission im Horde-Stil, in der Du eine sowjetische Anlage erkundest und Wellen von Gegnern überstehen musst. Auch wenn dieser Modus kleiner ausfällt, ergänzt er das Gesamtpaket sinnvoll. Den Abschluss bildet „Laras Albtraum“, ein kreativer Survival-Modus im Croft Manor, in dem Du gegen Zombies antrittst, Waffen freischaltest und so lange wie möglich überlebst. Dieser Modus erinnert stark an klassische Zombie-Modi früherer Shooter und bringt genau diesen Arcade-Charme ins Spiel. Ergänzt wird das Ganze durch Sammelkarten, mit denen Du die Modi weiter anpassen kannst – von spaßigen Cheats wie Kopfgrößen-Varianten bis hin zu echten Gameplay-Veränderungen. Dadurch entsteht ein enormer Wiederspielwert, der stark an die verspielten Zusatzmodi älterer Spiele erinnert und dem Spiel langfristig zusätzliche Tiefe verleiht.
Blood Ties: Ein Blick in Laras Vergangenheit
Abseits des Expeditionsmodus erwartet Dich mit „Blood Ties“ eine ruhigere Zusatzgeschichte im Croft Manor. Lara kehrt in ihr Elternhaus zurück und erfährt, dass ihr das Anwesen entzogen werden soll, falls sie nicht beweisen kann, dass sie die rechtmäßige Erbin ist. Das wird zum Ausgangspunkt einer persönlichen Reise in die Vergangenheit, bei der Du das Haus Stück für Stück erkundest und nach Hinweisen suchst. Das Gameplay erinnert dabei stark an klassische Adventure-Spiele. Du durchsuchst jeden Raum, löst Rätsel und sammelst Artefakte, die Erinnerungen an Laras Kindheit freilegen. Zusätzlich findest Du Briefe und Notizen von Familienmitgliedern wie ihren Eltern, ihrem Onkel und dem Butler Winston. Dadurch entsteht ein viel persönlicherer Blick auf Lara und ihre Familie, inklusive der tragischen Geschichte um den Verlust ihrer Mutter. Genau dieses Ereignis bildet auch den emotionalen Kern für die Hauptgeschichte von „Rise of the Tomb Raider“. Obwohl das Abenteuer deutlich ruhiger und bodenständiger ist, macht das Erkunden des Croft Manor großen Spaß. Viele Bereiche sind frei zugänglich, während andere erst durch gelöste Rätsel oder gefundene Ausrüstung freigeschaltet werden. Insgesamt ist der Umfang eher kompakt und nach ein paar Stunden abgeschlossen, wirkt aber durch seine Atmosphäre und Erzählweise sehr rund. Je nach Plattform unterscheidet sich die Umsetzung etwas. Während Konsolen- und PC-Versionen das Erlebnis klassisch in der Third-Person-Perspektive bieten, gab es auf anderen Plattformen zusätzlich eine VR-Variante, die es ermöglicht, das Croft Manor aus einer besonders immersiven Ich-Perspektive zu erleben. Dieses Gefühl, tatsächlich im Anwesen zu stehen, bleibt vielen Spielern lange im Gedächtnis – auch wenn VR natürlich nicht für jeden geeignet ist. Unterm Strich ist „Blood Ties“ kein Modus, den Du ständig wiederholst, aber eine stimmige und atmosphärisch starke Ergänzung, die Laras Geschichte auf sehr persönliche Weise erweitert.

Rise of the Tomb Raider auf Switch 2: Solide Portierung mit kleinen Kompromissen
Beim Test der Switch-2-Version hatte ich zunächst die Sorge, dass die Portierung zu viele Abstriche machen könnte und das Spiel dadurch schwer zu empfehlen wäre. Zwar basiert dieser Port letztlich auf den PS4- und Xbox-One-Versionen und übernimmt deren 30-FPS-Limit, doch insgesamt fällt das Ergebnis erfreulich stabil aus. Größere Leistungsprobleme gibt es nicht, und das Spielgefühl bleibt weitgehend identisch zur Konsolenversion. Grafisch wurden einige Details reduziert, um die Performance zu sichern, aber der Gesamteindruck bleibt stark. Nur im direkten Vergleich fallen kleinere Unterschiede auf – im normalen Spielen wirkt „Rise of the Tomb Raider“ weiterhin sehr hochwertig, auch wenn man ihm sein ursprüngliches Erscheinungsjahr 2015 anmerkt. Für sich genommen ist das aber kein echter Nachteil. Die größte Neuerung betrifft die Steuerung. Die optionale Maussteuerung funktioniert überraschend gut und fühlt sich gerade in hektischen Kampfsituationen präzise an, auch ohne ideale Unterlage. Trotzdem bleibt sie eher eine interessante Zusatzfunktion, zu der man im Alltag selten greift. Klassisch spielt sich das Ganze weiterhin mit dem bekannten Controller-Layout, das sich stark an den Xbox- und PlayStation-Versionen orientiert. Dadurch greift das alte Muskelgedächtnis oft automatisch – was gelegentlich zu kleinen Eingewöhnungsmomenten führt, besonders in Menüs, in denen die Nintendo-typische Tastenbelegung greift. Das eigentliche Highlight ist aber klar der Handheld-Modus. Du kannst das Spiel jederzeit aus der Dockingstation nehmen und unterwegs weiterspielen – ohne Streaming, ohne Internetabhängigkeit. Auch wenn die Grafik im Handheld etwas reduziert ist, bleibt das Erlebnis beeindruckend gut spielbar und atmosphärisch stark. Gerade für kurze Sessions zwischendurch funktioniert das hervorragend. Zusätzlich macht sich die Vielzahl an unterstützten Controllern bemerkbar. Ob Joy-Cons oder verschiedene Pro Controller – der Wechsel klappt problemlos, auch wenn sich das Zielen je nach Eingabegerät etwas unterschiedlich anfühlt und eine kurze Eingewöhnung erfordert. Unterm Strich ist die Switch-2-Version von „Rise of the Tomb Raider“ eine gelungene Portierung. Sie bringt kaum spürbare Einschnitte im Spielspaß mit sich und überzeugt vor allem durch ihre Flexibilität im Handheld-Modus. Wer mit 30 FPS leben kann, bekommt hier ein vollwertiges Abenteuer für unterwegs, das seine Stärken auch auf der neuen Hardware nicht verliert.
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