
Kioku: Last Summer ist ein kleines, gemütliches Abenteuer, das von Lugn Games entwickelt und von Assemble Entertainment veröffentlicht wurde und für den PC erhältlich ist. Das Spiel versetzt den Spieler in die Rolle von Asti, einem jungen Mädchen, das auf Kioku Island, ihrem neuen Zuhause, ankommt und bereit ist, einen jener Sommer zu erleben, die als Kind endlos erscheinen. Es gibt keine Kriege zu führen, keine Welten zu retten und keine gewaltigen Bedrohungen abzuwehren: Hier liegt der Kern des Erlebnisses in der Freude am Erkunden, am Knüpfen von Freundschaften, am Angeln, am Radfahren und daran, sich von einem langsam vergehenden Tag überraschen zu lassen.
Eine Insel zum Verweilen
Kioku Island ist weit mehr als nur die Kulisse von Kioku: Last Summer – sie ist das Herzstück des gesamten Spiels. Die Insel präsentiert sich als kleine, einladende Welt voller Straßen, Waldpfade, Küstenabschnitte und versteckter Orte, die darauf warten, entdeckt zu werden. Vom Dorf über den Pier bis hin zu den Bergen und geheimnisvolleren Regionen entfaltet sich eine Umgebung, die unter ihrer sommerlichen Ruhe mehr verbirgt, als es zunächst scheint. Das Spiel ermutigt Dich dazu, einfach loszuziehen, den vorgegebenen Weg zu verlassen und die kleinen Details zu entdecken, die man oft nur findet, wenn man keinem konkreten Ziel folgt. Gerade dieser Ansatz funktioniert hervorragend, weil er ein Gefühl von Freiheit vermittelt, ohne den Spieler zu überfordern. Statt einer riesigen Open World voller Markierungen und wiederkehrender Aktivitäten erwartet Dich eine überschaubare Insel, die bewusst für entspanntes Erkunden gestaltet wurde. Dabei wird das Fahrrad zum idealen Begleiter. Es ermöglicht eine schnelle Fortbewegung, ohne die Verbindung zur Spielwelt zu verlieren. Du teleportierst Dich nicht von Ort zu Ort, sondern erlebst jede Strecke bewusst, wodurch die Insel greifbarer und persönlicher wirkt. Einen großen Anteil an dieser Atmosphäre hat auch der visuelle Stil. Die Mischung aus japanischen und skandinavischen Einflüssen verleiht der Spielwelt einen ganz eigenen Charme. Kioku: Last Summer setzt nicht auf Realismus, sondern auf warme Farben, natürliche Landschaften und eine angenehme visuelle Ruhe. Noch bevor die Geschichte richtig beginnt, vermittelt das Spiel vor allem eines: das Gefühl, an einem Ort angekommen zu sein, an dem man gerne Zeit verbringen möchte.

Sommerliche Aktivitäten und kleine Abenteuer
Der Alltag auf Kioku Island wird von zahlreichen kleinen Aktivitäten geprägt, die den entspannten Charakter des Spiels perfekt unterstreichen. Zu den wichtigsten gehört das Angeln, bei dem Du Fische und Krabben fangen und Deiner Sammlung hinzufügen kannst. Das System bleibt bewusst einfach, passt aber hervorragend zur ruhigen Atmosphäre des Spiels. Es geht nicht um Wettbewerb oder komplexe Mechaniken, sondern um jene kleinen Sommerrituale, die man immer wieder gerne ausführt. Jeder seltene Fang fühlt sich wie eine kleine Belohnung an und bereichert die Erkundung, ohne ihren natürlichen Rhythmus zu unterbrechen. Besonders charmant ist auch Marubi, eine Art lokale Sammelleidenschaft rund um kleine Marmormonster. Über Päckchen sammelst Du neue Kreaturen, stellst Teams zusammen und trittst gegen Inselbewohner an. Dieses System erinnert angenehm an die Sammel- und Tauschtrends der frühen 2000er-Jahre – mit seltenen Fundstücken, freundschaftlichen Herausforderungen und der Vorfreude, beim Öffnen eines Päckchens etwas Besonderes zu entdecken. Dabei stehen diese Aktivitäten nie im Mittelpunkt, sondern ergänzen das Abenteuer sinnvoll. Kioku: Last Summer entfaltet seinen größten Reiz, wenn es Erkundung, Begegnungen, kleine Aufgaben, Angeln, Fotografieren und spielerische Nebenbeschäftigungen miteinander verbindet. Gerade dieser abwechslungsreiche Mix macht das Gefühl eines echten Sommerurlaubs glaubwürdig – einen Sommer, den Du Tag für Tag erlebst und mit eigenen Erinnerungen füllst.
Erinnerungen, Freundschaften und ein Sommer zum Bewahren
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Kioku: Last Summer sind die Beziehungen zu den Bewohnern der Insel. Im Laufe des Abenteuers lernst Du die Einheimischen kennen, hilfst ihnen bei kleinen Aufgaben und baust nach und nach Freundschaften auf. Dadurch öffnen sich neue Geschichten, Orte und tägliche Routinen, die Kioku Island lebendig wirken lassen. Die Insel bleibt so nicht nur eine schöne Kulisse, sondern entwickelt sich zu einer Gemeinschaft voller Menschen mit eigenen Erinnerungen, Sorgen und Erlebnissen. Dieses Thema zieht sich durch das gesamte Spiel und wird besonders durch die Fotofunktion unterstrichen. Mit Deiner Kamera hältst Du besondere Momente fest und erschaffst nach und nach ein persönliches Album aus Eindrücken, Begegnungen und Entdeckungen. Passend zum Titel steht dabei die Erinnerung im Mittelpunkt: Kioku ist nicht einfach nur ein Ort, den Du erkundest, sondern ein Sommer, den Du bewahren möchtest. Anstatt Dich ständig voranzutreiben, lädt das Spiel dazu ein, innezuhalten und die kleinen Augenblicke zu genießen. Gesammelte Fotos, geführte Gespräche und unerwartete Begegnungen werden dabei genauso wichtig wie das eigentliche Vorankommen. Damit richtet sich Kioku: Last Summer vor allem an Spieler, die Titel wie A Short Hike oder Alba: A Wildlife Adventure schätzen. Der Fokus liegt nicht auf komplexen Systemen oder verpflichtenden Aufgaben, sondern auf der Verbindung zu einem Ort und den Menschen, die dort leben. Das Ergebnis ist ein entspanntes, leichtfüßiges Abenteuer, das den Alltag nutzt, um eine warme und persönliche Atmosphäre zu erschaffen.

Gemütliches Tempo als Geschmackssache
Der größte Streitpunkt dürfte das Tempo sein. „Kioku: Last Summer“ ist bewusst als entspanntes, ruhiges Spiel für ein breites, auch familiäres Publikum angelegt – das zeigen schon die Tags auf Steam. Wenn du eher auf intensive Herausforderungen, komplexe Systeme, Kämpfe oder ein straffes Gameplay stehst, könnte dir das Erlebnis zu sanft sein. Das Spiel verzichtet klar auf Druck und Hektik. Genau das kann aber auch seine Schwäche sein: Wenn du eine starke Struktur oder klare Ziele brauchst, wirkt es schnell zu locker oder wenig fesselnd. Ob es dich packt, hängt stark davon ab, wie sehr dich die Inselatmosphäre trägt. Funktioniert das Setting, die abwechslungsreiche Gestaltung der Tage und die Charaktere, entsteht ein sehr stimmiges Erlebnis. Passt der Ton jedoch nicht zu dir, können die Aktivitäten schnell simpel oder auch repetitiv wirken.
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