
Call of the Elder Gods ist ein stimmungsvolles Rätsel-Adventure mit Lovecraft-Anklängen, das vor allem mit seiner dichten Atmosphäre, einer starken Geschichte und cleverem Puzzle-Design punktet.
Rätsel statt Spektakel
Das Gameplay von Call of the Elder Gods setzt wie schon Call of the Sea vor allem auf zwei zentrale Elemente: eine eher lineare Erkundung und das Lösen von Rätseln. Eingebettet wird das Ganze in eine Krimi- und Noir-Erzählung mit dezenten Horroreinschlägen, ruhigem Tempo und einem Ensemble, das fast wie aus einer klassischen Theaterinszenierung wirkt. Gerade diese leicht theatralische Art passt sehr gut zum Ton des Spiels. Wenn du also auf schnelle Action, grelle Effekte und völlig überdrehte Figuren hoffst, bist du hier eher falsch. Stattdessen erzählt Call of the Elder Gods von einem Geheimnis, das Figuren aus Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Dabei geht es um alte Mythen, Rituale, unterschwelligen Horror, Unterwassererkundungen und vor allem um viele klug aufgebaute Rätsel. Diese sind fordernd, aber fair gestaltet: Die Lösungen wirken meist nachvollziehbar, ohne zu offensichtlich zu sein. Wichtig ist dabei wie gewohnt, die verstreuten Dokumente aufmerksam zu lesen. Die wichtigsten Hinweise landen in einem Notizbuch, das du jederzeit einsehen kannst und das dir nach und nach zusätzliche Denkanstöße für die späteren Lösungen liefert. Selbst wenn dir nicht jedes Detail auffällt, bleiben die Rätsel insgesamt so intuitiv, dass du dich selten völlig verloren fühlst.

Zwei Perspektiven, wenig Konsequenz
Ab einem bestimmten Punkt steuerst du gelegentlich zwei Figuren: die abenteuerlustige Studentin Evangeline Drayton und den deutlich erfahreneren, aber ebenso neugierigen Professor Harry Everhart. Auf dem Papier klingt diese Doppelperspektive spielerisch spannend, in der Praxis bleibt sie aber etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Zusammenarbeit zwischen Eve und Harry beschränkt sich meist darauf, Gegenstände weiterzugeben, Hinweise auszutauschen und kleinere Aufgaben zu übernehmen. Teilweise wirkt es sogar so, als würde das Spiel diese Dynamik kaum wirklich nutzen. Schade ist das vor allem deshalb, weil hier deutlich mehr Potenzial drinstecken würde. Gerade heute hätte man aus dem Zusammenspiel der beiden Figuren spürbar mehr machen können. Zusätzlich gibt es ein integriertes Hilfesystem, das deinen Fortschritt verfolgt und dir auf Wunsch Hinweise bis hin zu kompletten Schritt-für-Schritt-Lösungen für alle Rätsel liefert. Das ist zwar praktisch, sollte aber am besten nur dann genutzt werden, wenn du wirklich nicht mehr weiterkommst.
Starke Fortsetzung mit kleinerem Potenzial nach oben
Call of the Elder Gods knüpft spürbar an seinen Vorgänger an, übernimmt dessen besondere Atmosphäre und baut viele seiner Stärken weiter aus. Vor allem die gelungene Erzählung, die dichte Stimmung und das starke, diesmal ausgewogenere Rätseldesign machen das Spiel erneut sehr reizvoll. Gleichzeitig bleiben aber auch einige Schwächen erhalten. So hätten die animierten Sequenzen optisch durchaus aufwendiger ausfallen dürfen, da sie sich stilistisch etwas zu deutlich vom ansonsten angenehm schlichten Grafikstil abheben. Auch spielerisch gibt es kleinere Probleme. Manche Interaktionen wirken unnötig hakelig, was unter anderem am sehr kleinen Cursor liegt, durch den sich nicht immer sofort erkennen lässt, womit du überhaupt interagieren kannst. Dazu kommt, dass die beiden spielbaren Figuren nicht so intensiv genutzt werden, wie es eigentlich möglich gewesen wäre. Trotzdem entwickelt die Fortsetzung die Geschichte der Familie Everhart spannend weiter, greift offene Handlungsfäden aus Call of the Sea auf und lässt zugleich Raum für eine mögliche Fortsetzung. Gerade deshalb bleibt Call of the Elder Gods ein stimmungsvolles Abenteuer, das zeigt, wie viel Potenzial in Out of the Blue Games steckt.

Trailer



















