
NITRO GEN OMEGA ist ein stilvolles taktisches Mech-RPG, das vor allem mit seinem starken Kampfsystem, viel Anime-Flair und jeder Menge Potenzial punktet.
Söldner zwischen Mensch und Maschine
In NITRO GEN OMEGA ist die Ausgangslage schnell erklärt: Die Menschheit hat den Krieg gegen die Roboter verloren und lebt nun in wenigen Städten, die noch vor den mechanischen Bedrohungen sicher sind. Du übernimmst die Rolle einer Gruppe Jugendlicher, die mit ihrem Luftschiff und einem riesigen Mech über den Kontinent zieht und als Söldner arbeitet. Für erledigte Aufträge bekommst du Murmeln, die wichtigste Währung dieser postapokalyptischen Welt, und investierst sie in bessere Mech-Teile, um stärkere Gegner zu besiegen und schwierigere Missionen anzunehmen. Für Orientierung sorgen die Hauptquest und mehrere Nebenaufträge. Wirklich überzeugen konnten mich diese aber weder spielerisch noch inhaltlich, denn meist laufen sie recht schlicht nach dem Muster „Gehe von A nach B und besiege unterwegs ein paar Gegner“ ab. In der italienischen Sprachfassung kommt außerdem eine gewisse Steifheit hinzu: Die Wortwahl ist zwar nicht direkt falsch, wirkt aber stellenweise so ungewohnt, dass sie eher irritiert als hilft. Das lässt sich schwer genau beschreiben, ohne seltsam zu klingen — beim Spielen merkst du aber schnell, was damit gemeint ist.

Starke Kämpfe, schwächere Struktur
Das Herzstück von NITRO GEN OMEGA sind ganz klar die Kämpfe zwischen den riesigen Mechs, und genau hier zeigt das Spiel seine größte Stärke. Das in vier Quadranten aufgeteilte Schlachtfeld wirkt anfangs zwar etwas ungewöhnlich, entfaltet aber schnell seinen Reiz, sobald du auf komplexere Gegner triffst. Besonders spannend wird es durch den Ablauf der Kämpfe: In der Planungsphase verteilst du zusammen mit den vier Piloten deines Mechs Aktionen auf einer Leiste mit sechs Segmenten, bevor in der Auswertungsphase alle Befehle nacheinander ausgespielt werden und miteinander interagieren. Gerade dadurch lebt das Kampfsystem stark von Voraussicht. Du musst das Verhalten der Gegner einschätzen, ihre nächsten Schritte vorhersehen und deine Aktionen entsprechend timen — etwa dann, wenn ein Feind erst in deinen Quadranten vorrückt und du den passenden Gegenangriff genau danach platzierst. Alternativ kannst du ausweichen, um Angriffe ins Leere laufen zu lassen, oder riskantere Befehle bewusst auf später verschieben. Das funktioniert erstaunlich gut, auch weil die Gegner trotz überschaubarer Vielfalt genug Abwechslung bieten. Dazu kommen die stimmungsvollen Animationen im Anime-Stil, die den Kämpfen zusätzlich Charakter verleihen. Schwieriger wird es bei allem, was die Gefechte miteinander verbindet. Die offene Welt, das Questdesign und die Nebenaufträge wirken insgesamt sehr minimalistisch, und auch das Fortschrittssystem rund um die Mech-Verbesserungen kann auf Dauer mühsam werden. Um an wirklich gute Teile zu kommen, musst du viele generische Aufträge erledigen, die oft nur mäßig belohnt werden und deren Bezahlung nicht immer zum Schwierigkeitsgrad passt. Selbst wenn du genug Geld hast, beginnt danach oft die nächste Suche, weil du von Stadt zu Stadt reisen musst, in der Hoffnung, dass ein Händler gerade das passende Teil im Angebot hat.
Gute Ideen, umständlich umgesetzt
Ein weiteres prägendes Element von NITRO GEN OMEGA sind die Beziehungen innerhalb deiner Gruppe. Theoretisch entstehen zwischen den Piloten unterschiedliche Freundschaften und Rivalitäten, die sogar spielerische Auswirkungen haben, etwa beim Tauschen ihrer Schichten. In der Praxis bleibt dieser Aspekt für mich aber etwas blass: Die Moral der Gruppe lässt sich recht leicht hochhalten, das Risiko, im Kampf einen Piloten zu verlieren, ist gut kontrollierbar, und auch erzählerisch tragen diese Beziehungen nur wenig zum Gesamtbild bei. Etwas zwiegespalten war ich auch bei der Benutzeroberfläche. Sie ist bunt, stilvoll und optisch beeindruckend, lässt für mich bei Lesbarkeit und Bedienkomfort aber spürbar nach. Noch problematischer fand ich den Umgang mit den verschiedenen Mechs. Neben dem anfänglichen Monki kannst du im Verlauf einer Kampagne noch Patriot und Ocelot freischalten, doch der Wechsel zwischen ihnen ist unnötig umständlich: Du musst dafür jeweils in die Stadt reisen, in der der Mech steht, und zusätzlich 800 Murmeln bezahlen. Wenn du also zwischen zwei Modellen hin- und herwechseln willst, bedeutet das jedes Mal eine lange Reise und erneut hohe Kosten. Hinzu kommt, dass ein neu freigeschalteter Mech trotz des dafür nötigen Aufwands zunächst nur mit Ausrüstung der niedrigsten Seltenheitsstufe daherkommt. Dadurch ist er für fortgeschrittene Nebenquests oft kaum brauchbar, solange du nicht schon vorher gezielt in seine Ausrüstung investiert hast. Mein Eindruck war deshalb: Sobald du einen neuen Mech freischaltest, lohnt es sich fast eher, mit ihm eine frische Kampagne zu beginnen, statt ihn in den laufenden Spielfortschritt zu integrieren.

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