
Mixtape ist ein emotionales, stilvolles Coming-of-Age-Abenteuer, das dich mit starker Musik, eindrucksvollen Bildern und viel Nostalgie durch den letzten gemeinsamen Abend dreier Freunde begleitet.
Ein letzter Abend voller Erinnerungen
In Mixtape begleitest du Stacey Rockford an ihrem letzten Abend als Schülerin, bevor sie nach New York aufbricht, um dort ihren Traum von einer Karriere als Musikproduzentin zu verfolgen. Für ihre besten Freunde Slater und Cassandra ist das alles andere als leicht, deshalb verbringen die drei ihre verbleibende Zeit gemeinsam und bereiten sich auf eine große Party vor. Währenddessen holen sie bewusst und unbewusst Erinnerungen hervor — und genau darin liegt die besondere Stärke des Spiels. Mit glaubwürdigen Dialogen, überwiegend sympathischen Figuren und viel 90er-Jahre-Flair fängt Mixtape dieses Lebensgefühl auf eine Weise ein, die vertraut und ehrlich wirkt. Du beobachtest die Eskapaden der drei und wirst fast automatisch an eigene Freundschaften, unbeschwerte Momente und das Erwachsenwerden erinnert. Das Spiel lebt klar von Nostalgie, schafft es aber, die 90er nicht nur zu verklären, sondern auch die Unsicherheiten und Herausforderungen dieser Zeit mitzuerzählen. Die Coming-of-Age-Geschichte funktioniert dabei sehr gut: Die Figuren bekommen genug Raum, sich zu entfalten, die Handlung bleibt durchweg interessant und trifft trotz aller Leichtigkeit auch ernste Töne. Humor sorgt dafür, dass die schwereren Themen nie zu erdrückend werden. Nur gelegentlich schießt Mixtape etwas über das Ziel hinaus — etwa dann, wenn manche Dialoge unnötig prätentiös wirken oder einzelne Figuren etwas zu klischeehaft gezeichnet sind. Das sind am Ende aber eher kleine Schwächen in einer insgesamt sehr gelungenen und berührenden Erzählung.

Ein audiovisueller Rausch
Neben seiner starken Geschichte ist Mixtape vor allem ein audiovisueller Trip. Wenn du The Artful Escape gespielt hast, weißt du bereits, wie kreativ Beethoven and Dinosaur mit Bildern und Stimmungen umgeht. Auch hier verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Erinnerung immer wieder, was dem Spiel viel Raum für visuelle Experimente gibt. Das wird konsequent ausgenutzt: Sowohl in den ruhigen Momenten als auch in den wilden, beinahe traumartigen Sequenzen sieht Mixtape großartig aus. Die sanfte Stop-Motion-Optik, die kräftige Farbpalette und die vielen kleinen Details machen das Indie-Spiel zu einer echten Augenweide. Auch musikalisch liefert Mixtape ab. Der Soundtrack ist vollgepackt mit bekannten Namen aus Pop, Punk und Rock, darunter DEVO, Roxy Music, Lush, The Smashing Pumpkins, Iggy Pop, Siouxsie and the Banshees, Joy Division und The Cure. Gleichzeitig trifft auch die eigens für das Spiel geschaffene Musik immer wieder genau den richtigen Ton. Man merkt deutlich, dass hier Menschen am Werk waren, die Musik nicht nur als Hintergrundkulisse verstehen, sondern sie als Teil der Identität ihrer Figuren begreifen. Gerade wenn Stacey mit beinahe obsessiver Begeisterung über Künstler und Songs spricht, wirkt Mixtape wie ein Spiel von Musikliebhabern für Musikliebhaber.
Abwechslungsreich, aber spielerisch leicht
Das Gameplay von Mixtape ist bewusst leichtgewichtig und stellt dich selten vor echte Herausforderungen. Das heißt aber nicht, dass es langweilig wäre — im Gegenteil: Beethoven and Dinosaur zeigt deutlich, dass das Studio seit The Artful Escape dazugelernt hat, und setzt erneut auf viele unterschiedliche, kurze Spielideen statt auf ein klassisches Genregerüst. Von Fotoausflügen in einem verlassenen Freizeitpark bis zu wilden Verfolgungsjagden im Einkaufswagen liefert Mixtape immer wieder neue Einfälle, die das Spiel abwechslungsreich und überraschend halten. Nicht jede dieser Sequenzen zündet gleich gut. Manche Momente beeindrucken mit genau dem visuellen und inszenatorischen Wow-Faktor, der Mixtape besonders macht, während andere etwas unspektakulär wirken und schneller verpuffen. Trotzdem profitiert das Spiel stark von seinem guten Tempo, denn kein Abschnitt zieht sich unnötig in die Länge. Gerade deshalb funktioniert Mixtape eher wie ein interaktiver Film oder ein kurzes musikalisches Erlebnis als wie ein klassisches, mechanisch tiefes Spiel. Du solltest deshalb mit den richtigen Erwartungen herangehen. Mixtape erzählt seine Geschichte in wenigen Stunden und setzt klar auf Stimmung, Musik und Inszenierung statt auf spielerische Tiefe, während es offiziell als narrative Adventure-Erfahrung mit unterschiedlichen Vignetten beschrieben wird. Ob dir dafür ein Preis von rund 19,99 US-Dollar oder ein Monat Game Pass sinnvoll erscheint, hängt am Ende vor allem davon ab, wie sehr du genau diese Art von kompaktem, atmosphärischem Erlebnis schätzt.

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