Tides of Tomorrow

Shadow PC, PC

Mit Tides of Tomorrow erwartet dich ein ungewöhnliches Story-Abenteuer, das Entscheidungen über mehrere Spieler hinweg verknüpft und so ein ganz eigenes, kooperatives Erzählerlebnis schafft.

 

Eine Welt aus Müll und Verfall

Die Welt ist im Plastik erstickt. Zivilisationen sind zusammengebrochen, die Ozeane zu gewaltigen Müllbergen geworden, und eine tödliche Krankheit verwandelt Menschen in leblose, von verschmutztem Plastik durchzogene Körper. Einzig Ozon kann die Symptome hinauszögern – und ist damit zur wichtigsten Ressource geworden. Verschiedene Gruppen kämpfen um die Kontrolle darüber, während sich zugleich seltsame Gemeinschaften und Sekten bilden. In diesem Chaos treten die Tidewalkers auf – eine mysteriöse Gruppe, die als mögliche Erlöser oder Visionäre gilt. Du beginnst deine Reise mit einem klaren Ziel: überleben, Ozon beschaffen und die Geheimnisse dieser zerstörten Welt entschlüsseln. Dabei erfährst du, was aus der Menschheit geworden ist, wie das Leben vor der Katastrophe aussah – und ob es noch Hoffnung auf ein Heilmittel gibt. Als lineares, storygetriebenes Spiel legt es großen Wert auf Dialoge und Charaktere. Deine Entscheidungen haben spürbare Konsequenzen und können weitreichende Ereignisse auslösen – von politischen Konflikten bis hin zu existenziellen Krisen.

Entscheidungen mit spürbaren Folgen

Das Spiel kombiniert Stealth, Story-Entscheidungen und leichte Parkour-Elemente zu einem ungewöhnlichen Erlebnis. Der besondere Twist: Du folgst den Spuren eines vorherigen Spielers. Du kannst seinen Weg exakt nachgehen – oder bewusst andere Entscheidungen treffen und so den Verlauf verändern. Deine Handlungen haben direkte Konsequenzen. Je nach Dialogen und Verhalten gewinnst du Verbündete oder machst dir Feinde, die dich sogar angreifen. Dadurch entsteht ein System, in dem jede Entscheidung nicht nur deine eigene Geschichte prägt, sondern auch den nächsten Spieler beeinflusst, der deinem Weg folgt. Trotz dieser spannenden Idee bleibt das Gameplay etwas eingeschränkt. Bewegung und Kämpfe spielen nur eine kleine Rolle, was das Erlebnis stellenweise weniger dynamisch wirken lässt. Mehr Freiheit in diesen Bereichen hätte dem Spiel gutgetan.

Deine Entscheidungen wirken sich zudem auf verschiedene Werte aus, etwa:

  • Pro-Mankind (Fokus auf Menschen und Beziehungen)
  • Pro-Nature (Interesse an Umwelt und Lebewesen)
  • Survivalist (Eigenes Überleben steht an erster Stelle)
  • Cooperative (Unterstützung anderer Spieler)
  • Troublemaker (chaotisches, konfliktreiches Verhalten)

Diese Systeme geben deinem Spielstil eine klare Richtung und sorgen dafür, dass sich jeder Durchlauf spürbar anders anfühlt.

Erkundung, Ressourcen und Zusammenarbeit

Die Welt ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die du im Verlauf öfter besuchst – sei es für Storyfortschritt oder um wichtige Ressourcen zu sammeln. Du bewegst dich dabei meist per Boot zwischen den Gebieten, die jeweils von unterschiedlichen Gruppen kontrolliert werden und eigene Ziele mitbringen. Dein Boot ist mehr als nur Transportmittel. Du nutzt es, um Feinden zu entkommen oder andere Boote zu verfolgen und auszuschalten. Das Schleichen bleibt zwar simpel, passt aber gut ins Gesamtbild. Die Gegner-KI ist eher einfach gehalten und sorgt gelegentlich für unfreiwillig komische Momente. Ein zentraler Faktor ist dein Umgang mit Ozon. Deine Gesundheit sinkt regelmäßig, sodass du ständig darauf achten musst, genug davon zu sammeln. Gleichzeitig dient es als wertvolle Ressource für Verhandlungen und Entscheidungen. Besonders interessant ist der kooperative Story-Ansatz. Deine Entscheidungen beeinflussen nicht nur deinen eigenen Verlauf, sondern auch die Möglichkeiten anderer Spieler. Du kannst ihnen helfen – oder ihnen das Leben bewusst schwerer machen. Genau diese Verbindung sorgt für ein ungewöhnliches, aber spannendes Spielerlebnis.

Starker Stil mit kleinen Schwächen

Technisch läuft das Spiel größtenteils stabil und bietet ein rundes Erlebnis, auch wenn hier und da kleinere Fehler auftreten. Wirklich heraus sticht aber der künstlerische Stil: Trotz der düsteren Thematik wirkt die Welt überraschend lebendig und voller Hoffnung. Die Umgebungen sind abwechslungsreich gestaltet – von Korallenriffen über zerstörte Städte bis hin zu leuchtenden Nachtmetropolen. Diese Vielfalt sorgt nicht nur für visuelle Abwechslung, sondern vermittelt auch ein spannendes Bild davon, wie sich die Welt nach der Katastrophe entwickelt hat. Auch die Sprachausgabe kann überzeugen und gibt den Charakteren mehr Tiefe, was die Bindung zur Geschichte stärkt. Weniger gelungen ist hingegen die Musik: Sie bleibt oft nicht im Gedächtnis und unterstützt die Atmosphäre nicht immer so stark, wie sie es könnte.

 Trailer


Fazit

Tides of Tomorrow bringt eine wirklich spannende Idee ins Genre der storybasierten Spiele. Der kooperative Ansatz, bei dem Entscheidungen über mehrere Spieler hinweg wirken, sorgt für ein ungewöhnliches und frisches Erlebnis. Zusammen mit dem starken Artstyle entsteht eine Welt, die im Kopf bleibt. Allerdings kann das Spiel dieses Potenzial nicht immer voll ausschöpfen. Die begrenzte Gameplay-Vielfalt führt dazu, dass sich Abläufe mit der Zeit wiederholen. Trotzdem bleibt Tides of Tomorrow ein interessantes und mutiges Projekt, das vor allem durch seine Idee und Atmosphäre überzeugt – auch wenn es spielerisch noch Luft nach oben hat.


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