Verdun

Wer im Ego-Shooter-Genre ein Spiel sucht, das sich mit der Thematik des Zweiten Weltkriegs befasst, kann aus einem großen Fundus schöpfen – schließlich bieten allein die "Call-of-Duty"- und die "Medal-of-Honor"-Teile genügend Auswahl. Umso erstaunlicher ist es, dass die Historie des Ersten Weltkriegs im Videospielbereich bislang wenige Umsetzungen erfahren hat. Die niederländischen Entwickler von Blackmill Games haben diese Marktlücke mit "Verdun" nun geschlossen. Bereits seit einem Jahr lieferten sich die Spieler via Early-Access-Version erbitterte Grabenkämpfe; im April dieses Jahres erschien die finale Version. Wie sich diese spielt, beleuchtet unser Testbericht.

 

Die durch den Schlamm kriechen

 

In der Geschichte gilt die Schlacht bei Verdun, bei der deutsche Truppen im Jahr 1916 in die gleichnamige französische Stadt einfielen, als eine der dunkelsten des Ersten Weltkriegs. Sie markierte den Beginn der großen Materialschlachten, bei der über 700.000 Soldaten getötet oder verwundet wurden. Charakteristisch dabei war der sogenannte Stellungskrieg, in dem sich beide Kriegsparteien über einen langen Zeitraum nahezu statisch gegenüberstanden und versuchten, mithilfe von Trommelfeuer, Gasangriffen und den Einsatz von Feldminen den Feind zu schwächen, um strategisch an Boden zu gewinnen. Die eigene Front sollte dabei durch ein ausgedehntes Tunnelsystem und großflächig angelegte Stacheldrahtzäune gesichert werden.

 

Die erbitterten Gefechte bei Verdun dienen dem gleichnamigen Shooter als virtuelle Kulisse für den Online-Mehrspielermodus; eine Einzelspielerkampagne gibt es nicht. Die insgesamt sechs Karten, die uns zur Verfügung stehen, orientieren sich unter anderem an historischen Frontlinien von Flandern, Artois und den Argonnen. Jede Karte verfügt zwar über individuelle Wetterbedingungen, dennoch bewegen wir uns überwiegend in schlammigen Schützengräben, hechten über zerbombte Felder und schlagen uns durch mit Stacheldraht umzäunte Stellungen.

 

Auf diesen Schauplätzen dürfen wir uns in zwei Spielmodi austoben. Im klassischen Deathmatch geht es darum, dass jeder gegen jeden kämpft und die meisten Abschüsse zum Sieg führen. Dieser Modus ist aufgrund des simplen Spielprinzips auch als Einstieg für Neulinge geeignet, um sich mit dem Spielgefühl, den Waffen und den Karten vertraut zu machen. Die Steuerung geht dabei intuitiv von der Hand; auch besondere Tastenbelegungen sind schnell erlernt.

 

Das Herzstück von "Verdun" ist jedoch der sogenannte "Frontlinien-Modus", in dem zwei Teams aus jeweils 24 Spielern in drei Truppen unterteilt werden und gegeneinander antreten. Jedes Team beansprucht dabei eine Reihe von Stützpunkten, die es zu verteidigen und auszuweiten gilt. Ziel ist es, durch Erobern und Halten so viel Boden gut zu machen, dass der Feind bis in den Randbereich des Schlachtfeldes gedrängt wird. Droht dabei einer unserer Gräben von der gegnerischen Fraktion überrannt zu werden, wird von unserem Team automatisch ein Gegenangriff eingeleitet. Ist dieser erfolgreich, dürfen wir auf dem Schlachtfeld vorrücken; bleiben unsere Gegenmaßnahmen allerdings erfolglos, müssen wir die Stellung aufgeben und den Rückzug antreten. Das kann dazu führen, dass sich zwei Teams mit gleich starken Streitkräften für eine längere Spieldauer in Balance halten und verbissen um die immer gleiche Stellung kämpfen.

 

Der Tod lauert an jeder Ecke

 

Wie in anderen Action-Shootern üblich, sind die Truppen auch in "Verdun" in mehrere Einheiten unterteilt, darunter Infanteristen, Scharfschützen und Offiziere. Jede ist mit spezifischen Fähigkeiten ausgestattet. Während Infanteristen eine Balance zwischen Angriff und Verteidigung finden müssen, sollten die Scharfschützen aus sicherer Distanz versuchen, gegnerische Angriffe oberhalb des Tunnelsystems abzuwehren. Eine besondere Rolle kommt den Offizieren zu, da sie primär nicht mit einem Gewehr ausgerüstet sind, sondern mit einem Fernglas. Mit jenem sind wir in der Lage, die feindlichen Stellungen zu beobachten, dort eventuelle Schwachpunkte zu lokalisieren und per Befehl Luftunterstützung, Mörser-Sperrfeuer oder Gasangriffe anzufordern. Je nach Erfahrungswert stehen uns diesbezüglich vier Gas-Arten zur Verfügung – Tränengas, Senfgas, Chlorgas und Phosgen –, die sich sowohl in ihrer Farbe als auch in ihrer Wirkung unterscheiden. Als Opfer eines Tränengasanschlags verschwimmt beispielsweise unser Bildschirm, während er sich beim tödlichen Chlorgas langsam schwarz verfärbt. Um nicht binnen Sekunden zu verenden, können wir als Gegenmaßnahme per Knopfdruck eine Gasmaske aufsetzen, die uns vor den giftigen Substanzen schützt.

 

Im Spiel müssen wir aber nicht nur auf eventuelle Giftanschläge und feindliche Soldaten achten, sondern auch auf die Schlachtfeldbegrenzung. "Verdun" ist in dieser Hinsicht gnadenlos: Wenn wir den grün markierten Bereich der ohnehin schon eng bemessenen Karten auch nur ein Stück weit übertreten, werden wir sofort als Deserteure gewertet, denen binnen fünf Sekunden die Exekution droht, sollten wir uns nicht wieder ins Spielfeld zurückbegeben. Genauso verhält es sich, sollten wir mit unserem Trupp den gegnerischen Schützengraben nicht schnell genug einnehmen. Dann bleibt uns nämlich ein Zeitlimit von 30 Sekunden, um den Rückzug anzutreten.

 

Um Erfolge zu erzielen, ist eine gute Zusammenarbeit im Team von großer Wichtigkeit. Auch ist es ratsam, langsam und vorsichtig vorzugehen und seine Deckung nicht zu vernachlässigen. Wer offen übers Feld in Richtung Feind sprintet, fällt meist sehr schnell dem Kugelhagel zum Opfer; ein bis zwei Treffer bedeuten bereits den sicheren Bildschirmtod. Um länger am Leben zu bleiben, können wir uns beispielsweise in den großflächigen Kratern verschanzen, hinter Reihen von Sandsäcken positionieren und durch hohes Gras kriechen. Im Falle eines Ablebens dienen unsere Teammitglieder als mobile Punkte, um wieder ins Spiel einzusteigen. Dieser Aspekt ist aus anderer Sicht allerdings etwas störend, wenn andere Mitspieler immer wieder wie von Geisterhand plötzlich neben uns auftauchen.

 

Pro absolvierte Runde bekommen wir eine bestimmte Anzahl an Karrierepunkten gutgeschrieben, mit denen wir neue Waffen freischalten. Wahlweise können wir diese Punkte auch in die Aufrüstung unserer bereits vorhandenen Waffen investieren. So können wir uns beispielsweise mit einem zusätzlichen Bayonett-Aufsatz für den Nahkampf aufrüsten, unsere Distanzschüsse durch ein Zielfernrohr präzisieren und unserem Gewehr durch ein größeres Magazin mehr Feuerkraft spendieren. Insgesamt lassen sich 21 Schusswaffen freischalten, die allesamt nach historischen Vorbildern detailgetreu gestaltet wurden.

 

Alte Szenerie – alte Technik

 

In technischer Hinsicht wirkt "Verdun" im Vergleich mit aktuellen Ego-Shootern eher veraltet. Zwar sorgen die detaillierten Waffenmodelle, die Uniformen und die zerstörten Kampfgebiete für ein authentisches Flair, doch hinterlassen die hölzernen Animationen, die mäßigen Charaktermodelle und die Effekte einen eher dürftigen Eindruck. Mit den Möglichkeiten der heutigen Technik hätten die Entwickler insbesondere das Element des Schlamms à la "Spintires" als verformbare Einheit gestalten können. Damit würde der Schlamm im Laufe eines Matches durch Granaten- und Projektileinschläge deutliche Abnutzungserscheinungen davontragen und die Umgebungsgestaltung beeinflussen können. Doch leider bleibt der braune Schlick in "Verdun" genauso statisch wie die anderen Umgebungselemente, bestehend aus Sandsäcken, Kisten und Holzbarrikaden.

 

Besser schneidet dagegen die Klangkulisse ab. Zwar erreicht "Verdun" nie die glasklare Soundqualität eines "Battlefield", überzeugt aber mit vielen verschiedenen Waffensounds und wuchtigen Explosionen, die eine sehr räumliche Wirkung entfalten. Musik gibt es nur im Menü, wo passend zum Szenario einige alte Stücke über den Plattenspieler laufen.


Fazit

In der anfänglichen Spielphase erzeugt "Verdun" eine faszinierende Atmosphäre, der man sich als Fan von Kriegs-Shootern schwerlich entziehen kann – schließlich ist es interessant zu erfahren, wie die Entwickler das in spielerischer Hinsicht unverbrauchte Szenario des Ersten Weltkriegs umgesetzt haben. Diesbezüglich freuen wir uns über authentisch gestaltete Uniformen, Waffenmodelle und zerstörte Schauplätze. Auch hilft die satte Soundkulisse dabei, uns direkt ins virtuelle Kriegsgeschehen zu katapultieren.

Leider hält die Faszination des Neuen nicht lange an. Das liegt zum einen daran, dass es den Schauplätzen an Abwechslung mangelt und wir uns an den immer gleichen Tunnelabschnitten schnell sattgesehen haben. Zum anderen fallen mit der statischen Umgebung, den hölzernen Animationen und den teilweise verwaschenen Texturen einige negative Aspekte ins Gewicht, die für einen Ego-Shooter längst nicht mehr zeitgemäß sind. Abschließend tragen die zwei Spielmodi, die wenigen Karten und die fehlende Einzelspielerkampagne nicht gerade dazu bei, uns für lange Zeit vor den Bildschirm zu fesseln. Somit bleibt "Verdun" hinter seinen Möglichkeiten zurück und eignet sich eher für eine gesellige Runde zwischendurch. (Daniel Kohlstadt)


Kommentare:
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2015-07-21 08:38:57... - LOL

lol


2015-07-19 03:39:04... - sobiust@gmail.com

Cool game`s


2015-07-13 16:13:10... - lucas maciel

lucas maciel


2015-07-13 15:49:31... - ctaezhnyy@mail.ru


2015-07-13 15:47:56... - ctaezhnyy@mail.ru


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