Army Racer

Army Racer

(IncaGold)

geschrieben von Sebastian E.R. Hör

 

Es herrscht Friede auf Erden. Die großen Kriege sind geführt und die großen Schlachten geschlagen. Unzählige Tonnen Munition liegen in Lagerhallen und Bunkern unbenutzt herum, Flugzeuge verrotten in den Hangars und die Soldaten wissen auch nichts mehr mit sich anzufangen. Da kommt dem US-Oberst Joe Fat eine geniale Idee: Wieso nicht eine Armee-Rennweltmeisterschaft ausrichten, um den unzähligen Trainingsparcours rund um den Globus eine neue Bedeutung zu verleihen und überdies noch die Freundschaft zwischen den Soldaten der verschiedenen Länder zu stärken?

Been around the World

Nach angenehm kurzer Ladezeit erstrahlt das Intro von "Army Racer" auf dem Bildschirm: ein Comicstrip, in dem kurz die Entstehung der Armee-Rennweltmeisterschaft erklärt wird und eine kleine Videosequenz - zumindest könnte man vermuten, dass es eine ist. Denn man kann zwar den entsprechenden Sound hören und daraus schließen, was sich theoretisch auf dem Bildschirm abspielen sollte, sehen kann man freilich nichts. Egal, nach einem weiteren Klick kommt man zur Charakterauswahl. Hier kann man zwischen 30 verschiedenen männlichen und weiblichen Spielfiguren wählen - einen Einfluss auf Fahrstil oder Rennergebnisse hat dies allerdings nicht. Alle starten mit demselben Geldbetrag und derselben Fahrerstufe.

Alsdann geht es ins Hauptmenü, in dem man zwischen acht Optionen die Auswahl hat. Unmittelbar spielrelevant sind allerdings nur die Untermenüs am rechten Bildschirmrand - und hier hat sich ein böser Übersetzungsfehler eingeschlichen - und zwar in doppelter Hinsicht. Denn dem "Arcarde"-Modus wurde nicht nur ein "r" zu viel spendiert, dahinter verbirgt sich darüber hinaus auch der Karrieremodus. Der tatsächliche Arcade-Modus befindet sich hingegen im Menü "Training". Alles ein wenig verwirrend, aber nach den ersten paar falschen Mausklicks hat man auch diese Klippe umschifft. Bevor man sich jedoch endlich ins Cockpit schwingen kann, will erst einmal das passende Auto ausgewählt werden. Da die finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind, stehen am Anfang von den insgesamt 20 Autos lediglich fünf zur Auswahl. Die können alsdann in einer von sieben Farben lackiert und mit Tuningteilen versehen werden. Hier hat man die Wahl zwischen optischen (und etwas erschwinglicheren) und leistungsverbessernden (und etwas teureren) Upgrades, wovon man sich die meisten zu Anfang auch noch nicht leisten kann. Haben Sie sich schließlich Ihr erstes Auto nach Ihren Wünschen zusammengebaut, können Sie nun endlich Vollgas geben. Entweder, Sie wagen sich sofort auf die erste Strecke, oder sie versuchen sich zunächst am Trainingsmodus. Doch Vorsicht: Sollten Sie zu viel Geld in Ihr Auto gesteckt haben, müssen Sie das Training leider überspringen, denn die Nutzung eines Geländes zu Trainingszwecken kostet Gebühren. Ob nun mit oder ohne Trainingsmodus - bald schon werden Sie sich der ersten Herausforderung in "Army Racer" widmen können: dem ersten Rennen. Dieses findet auf einem idyllischen Übungsplatz in Deutschland statt und läuft im Modus "Zeitrennen" ab - man fährt also nicht gegen Gegner, sondern gegen die Uhr und versucht, eine vorgegebene Zeit zu unterbieten. Eine andere Variation dieses Modus besteht darin, dass man bestimmte Checkpoints abfahren muss, während man sich müht, unter dem Zeitlimit zu bleiben. Die dritte Variante ist das normale Rennen, bei dem man sich mit bis zu fünf Widersachern misst. Vor Rennbeginn gibt eine Comicfigur noch einen landestypischen Kommentar ab und nach einer kurzen Ladezeit findet man sich auf der Piste wieder.

Die Steuerung der Boliden gestaltet sich als sehr simpel. Mit den Pfeiltasten links und rechts lenkt man den Wagen in die entsprechende Richtung, mit der vorderen Pfeiltaste gibt man Gas und mit der hinteren bremst man. Mit "Strg" zieht man die Handbremse und mit der Leertaste löst man den Booster (im Spiel "Nitro" genannt) aus. Darüber hinaus kann man mit "C" zwischen vier verschiedenen Kameraperspektiven umschalten und sollte man sich einmal aufs Dach legen - was nicht gerade selten vorkommt - kann man seine Schüssel mit "R" wieder auf die Strecke setzen. Natürlich verliert man so haufenweise wertvolle Zeit und da jedes Rennen ein gewisses Antrittsgeld kostet, kann man durch einen winzigen Fahrfehler einen Platz auf dem Podium verfehlen und damit kein Preisgeld einstreichen. Da das auf Dauer und gerade am Anfang ein Loch ins Budget reißt, dauert es lange, bis man wirklich auf einen grünen Zweig kommt. Die Autos steuern sich darüber hinaus allesamt wie rohe Eier und nahezu identisch, lediglich die schnelleren Sportwagen kommen etwas leichter ins Schlingern als die kleineren, langsamen.

Militärisch karg

Die Grafik von "Army Racer" entspricht genau dieser Einschätzung. Auf ein Schadensmodell wurde beispielsweise komplett verzichtet, weder hat es Auswirkungen auf das Fahrverhalten, wenn man sich mal wieder aufs Dach legt, noch wirken sich solche Unfälle auf das Aussehen Ihrer Karosse aus. Selbst bei schlimmen Crashs glänzt der Lack der Boliden hinterher, als wäre nichts geschehen. Die Landschaft wirkt sogar aus der entferntesten Perspektive grobkörnig und sehr statisch. Auch auf der Rennstrecke selbst gibt es nur wenige bewegte Objekte, die Effekte, wenn das Auto durch eine Wasserpfütze fährt oder durch den Sand pflügt, sind pixelig und verwaschen. Die Fahrzeuge selbst haben ebenfalls einige Ecken und Kanten zu viel abbekommen und wirken, als wären sie aus Plastik. Dafür sind die vielen Strecken sehr abwechslungsreich gestaltet und den regionalen Gegebenheiten gut angepasst. In China fährt man durch eine geheime Raketenbasis, wo blaue Lichteffekte dem Ganzen eine gespenstische Atmosphäre verleihen, in der Wüste regiert beige, soweit das Auge reicht.

Beschallung

In Sachen Sounduntermalung kommt "Army Racer" ebenfalls karg-militärisch daher. Zwar passen die wenigen Musikstücke immer sehr gut zu den jeweiligen Rennen, aber vor allem die Menümusik geht auf Dauer auf die Nerven. Die Geräusche der Fahrzeuge selbst hören sich einigermaßen realistisch an, klingen aber alle gleich, ob man nun einen kleinen Trabi-Verschnitt fährt oder einen Ferrari-Clone über die Pisten jagt.

 

Entwickler: 576
Publisher: IncaGold
Genre: Rennspiel
Releasedate: bereits erhältlich
Homepage: Army Racer
Preis: ca. 19,90 €
Altersfreigabe: freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG

Fazit

   "Army Racer" will ein Spaßspiel sein - und das gelingt voll und ganz. Natürlich kann es sich nicht mit den Genrereferenzen messen, aber das will es ja auch gar nicht. Viele Strecken und eine große Auswahl an Autos gepaart mit dem Karriere-Modus bringen durchaus einige Stunden Spielspaß, obwohl sich gerade am Anfang durch den unausgegorenen Finanzpart einige Frustmomente ergeben. Dafür ist die Steuerung einfach und die KI nicht übermächtig, sodass man bald einige Erfolgserlebnisse feiern kann. Für Optik-Fetischisten ist "Army Racer" definitiv nichts, aber all jene, die kurzweilige Unterhaltung oder ein Spiel für zwischendurch suchen, können, gerade wegen des äußerst humanen Preises, einen Blick riskieren. (17.03.2006)


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