UEFA Champions League 2006-2007

UEFA Champions League 2006-2007

(Electronic Arts)

geschrieben von Jan-Tobias Kitzel

 

 
Entwickler: Electronic Arts
Publisher: Electronic Arts
Genre: Fußball-Arcade-Spiel
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: UEFA Champions League 2006-2007
Preis: ca. 39 €
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG

Die Champions League wird nicht umsonst als Europas Königsklasse des Fußballs bezeichnet: Die besten Vereine, die größte Inszenierung, die teuersten Stars. Sie alle wetteifern um die begehrte Trophäe, die vage Ähnlichkeit mit einer silbernen Blumenvase mit Henkeln hat. Und wir wären nicht im Medienzeitalter, wenn nicht ein jeder von uns am heimischen PC diese grandiose Show der 22 Mannen, vier Leuten, die eh immer falsch liegen und einem Ball nachvollziehen könnte. EA sei auch dieses Jahr wieder Dank.

Gameplay oder "Hacke, Spitze, Tor!"

Wobei man mit dieser Aussage leicht daneben liegt. Denn EA hat sich für seine Fußball-Franchise, das mittlerweile bis zum Letzten ausgequetscht wird, mal glatt zwei Jahre Zeit gelassen. Die letzte Auflage der Champions-League-Simulation erlaubte uns, die Saison 2004-2005 nach- bzw. vorzuspielen, mittlerweile sind wir bei der Ausgabe 2006-2007 angelangt. Doch auch wenn zwei Jahre ins Land gegangen sind, gilt bei den Fußballspielen von EA immer noch: Kennst du eines, kennst du alle. Steuerung, taktische Möglichkeiten, Einstellungsoptionen: alles ist gleich geblieben gegenüber dem direkten Vorgänger "FIFA 07" und war auch (fast vollständig) so in "FIFA 06" zu bewundern. Natürlich bringt dies mit sich, dass ein Einstieg in "UEFA Champions League 2006-2007" (CL07) für alteingesessene EA-Fußballzocker ein Leichtes ist: Gamepad geschnappt, kurze Proberunde gegen einen unterklassigen Gegner, dann sitzen Steuerung und Taktik wieder wie eine Eins im Gedächtnis. Aber auch für Neueinsteiger ist "CL07" leicht zugänglich, dank Trainingsoption und kleiner Taktikschulung, die enthalten ist.

Auf dem Grün sind dann alle gleich: Elf gegen Elf, Fuß gegen Schienbein. Die virtuellen Kicker bewegen sich gewohnt leichtfüßig über den Rasen, haben so manchen Trick auf Lager und die Steuerung lässt kaum Wünsche offen. Warum allerdings EA immer noch nicht auf die Kritik aus dem Spielerlager eingegangen ist und den ballführenden Spieler wegen des Balls am Fuß langsamer als ohne Ball gemacht hat, bleibt schleierhaft. EA kann sich offensichtlich immer noch nicht entscheiden, ob sie nun einen actionlastigen Arcade-Kicker oder eine Simulation à la "Pro Evolution Soccer" haben wollen. Dies merkt man an allen Ecken und Enden: Das Tempo ist immer noch derart hoch, dass die Spieler wirken wie mit Turbotränken abgefüllt, auf der anderen Seite führt EA mit jeder Neuauflage weitere Kleinigkeiten in Richtung Simulation ein, beispielsweise seit "FIFA 07" die Möglichkeit zu angeschnittenen Schüssen, während es früher keinerlei Möglichkeiten gab, mal "anders" abzuziehen.

In "CL07" ist nun die Möglichkeit hinzugekommen, "schnelle" Standardsituationen durchzuführen. Man kennt das aus dem Fernsehen oder aus eigener Erfahrung: Der Schiri pfeift und während sich die Gegner noch sortieren, führt der eigene Mann den Freistoß (oder Einwurf, Abstoß, etc.) blitzschnell aus und überrumpelt so den Gegner. Klingt an sich nach einer tollen (und bei "Pro Evolution Soccer" bereits vorhandenen) Idee, wenn EA es nicht vermasselt hätte. Denn während in der Realität der Sinn ist, dem Gegner keine Chance zu geben, sich wieder zu formieren, bewirkt ein Druck auf die entsprechende Taste in "CL07" nur, dass die Zwischensequenz vor einer Standardsituation übersprungen wird. Der Gegner allerdings hat sich so oder so wieder geordnet, ihn zu überrumpeln gelingt damit also nicht. Konsequenter wäre es also, nicht davon zu sprechen, dass in "CL07" nun endlich "schnelle" Standardsituationen machbar sind, sondern nur, dass die Zwischensequenzen davor nun überspringbar sind. Schwach.

Gut hingegen ist der aktuelle Stand der Kader der zig Mannschaften, die ihr in "CL07" aufs grüne Feld der Ehre führen dürft. Alle Teams sind auf dem Stand von Anfang Februar 2007 und somit nach den Wintertransfers, realitätsnaher geht es nicht. Durchwachsen hingegen ist weiterhin die künstliche Intelligenz der virtuellen Kicker. Während beispielsweise die Verteidiger gute Arbeit leisten, die Räume eng machen und sich vergleichsweise intelligent verhalten, kennen selbst beste Angreifer noch nicht einmal die Grundregeln taktisch anspruchsvollen Fußballs. Vielmehr rennen sie meist blind nach vorne, ohne auf Lauf- und Ballwege der Kollegen zu achten. Schwächere Teams lernt man daher schnell an die Wand zu spielen und nach einiger Übung ist dies auch bei Top-Teams wie Chelsea und Barcelona nur noch selten ein Problem. Somit merkt man "CL07" deutlich an, dass hinter der leicht veränderten grafischen Aufmachung schlicht die Maschinerie von "FIFA 07" arbeitet, die Änderungen können mit der Lupe gesucht werden. Und ja, die nervige Eigenheit von EA-Fußballspielen, dass jedes Abspeichern dreimal bestätigt werden muss, ist auch in "CL07" wieder mit von der Partie: "Sind sie sicher? - Ja. Wirklich? - Ja! Ganz im Ernst? - Ja, verdammt!"

Etwas getan hat sich wenigstens im Bereich Langzeitmotivation. Von den anderen EA-Fußballspielen kennt man das Problem: Man hat mit all seinen Lieblingsmannschaften schon zigmal die diversen Ligen gewonnen und ist entsprechend wenig motiviert, noch einmal eine neue Saison anzufangen. Damit bleibt nur der Onlinemodus, um menschliche Gegner zu ärgern. In "CL07" ist nun – in Fortführung des Vorgängers "CL05" – der Triple-Modus hinzugekommen. Hier ist das Ziel, in einer Saison sowohl die Meisterschaft als auch den jeweiligen Landespokal und die Champions League zu gewinnen. Dass uns dabei der Vereinsboss ständig neue Anforderungen als Stöcke zwischen die virtuellen Trainerbeine wirft, macht das Ganze (glücklicherweise) nicht leichter.

Vielmehr spannender, denn die Aufgaben haben es in sich: Da sollen wir mit einer Truppe aus Verletzten ein Freundschaftsspiel gegen eine mittelschwere Mannschaft schaffen und in der Herausforderung danach wirft er uns mitten in die 70ste Minute. Es steht 1:1, ein Spieler ist gelbverwarnt und unser bester Mann mittlerweile ausgewechselt. Dann dreht mal das Spiel, Jungens. Durch die in Kapiteln organisierten Aufgaben bildet sich eine lose Rahmenhandlung um den Gewinn des Triples und wer EA-Fußballspiele mag, wird der Langzeitmotivation, diesen phänomenalen Triumph mit all seinen Lieblingsvereinen zu schaffen, mal wieder erliegen. Dass es mal wieder Freischaltfeatures wie andere Bälle, Trikots und sonstige Boni gibt, die man sich durch Punkte aus den Herausforderungen kaufen kann, ist da selbstverständlich.

Eine Besonderheit sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben: Während die XBOX360-Spieler einen speziellen Sammelkartenmodus (eine Art Trading Card Game als Spiel im Spiel) als weitere Langzeitmotivation erfahren dürfen, fehlt dieser in "CL07" auf dem PC völlig. Sind wir bei ähnlichen Preisen, die unser Portemonnaie schmälern, Spieler zweiter Klasse?

Grafik oder "Argh. Geh weg damit!"

Ja, sind wir. Anders kann man es nicht zusammenfassen. Hallo, EA, wir leben im Zeitalter von Shader 3.0, diversen Mapping-Techniken und Aldi-Rechnern über der 3 GHz-Grenze! Ihr müsst uns nicht mit der Grafik der Playstation II beglücken! Leider ist nämlich genau das passiert: Genauso wie im direkten Vorgänger "FIFA 07" ist die Grafik erneut die Schande dieses Spiels. Bretter als Frisuren, Pappaufsteller als Zuschauer, legoartige Gliedmaßen beim Trainer. Wären nicht die guten Zwischensequenzen und der tolle Vorspann, könnte man glauben, EA hat einfach die Grafik von vor vier, fünf Jahren herausgeholt. Man muss als virtueller Kicker schon enormes Leidenspotenzial in sich haben, wenn man sich bei grafisch toller Konkurrenz wie "Pro Evolution Soccer 6" ein derartiges Grafikdebakel wie "CL07" überhaupt antut.

Da passt es ins Bild, dass EA auch an der Grafik-Bug-Front gepennt hat. In diversen Foren wurde nach der Veröffentlichung von "FIFA 07" von merkwürdigem Ruckeln und Geschwindigkeitseinbrüchen bei Zwischensequenzen berichtet, die bei bestimmten PC-Konfigurationen auftraten, und auch EA direkt Leid geklagt. Und welchen Bug treffen wir bei "CL07" auf demselben Testrechner wieder? Genau diesen! Das lässt sich schlicht nur noch als Frechheit bezeichnen.

Kleiner Tipp an dieser Stelle: Oben beschriebener Bug lässt sich dadurch umgehen, dass man "CL07" im Fenstermodus startet. Fügt bei der Desktop-Verknüpfung unter "Ziel" den Parameter "-windowed" hinter den Anführungszeichen des Speicherorts der exe-Datei hinzu (Beispiel: "C:\Programme\EA SPORTS\UEFA Champions League 2006-2007\CL07.exe" -windowed). Wenn man dann noch durch Rechtsklick auf die Windows-Taskleiste unter "Eigenschaften" die Option "Taskleiste automatisch ausblenden" auswählt und das CL-Fenster maximiert, hat man bis auf einen kleinen blauen Balken am oberen Bildschirmende keine merklichen Einschränkungen. Dass nach den Bug-Meldungen des Vorgängers dieser Fehler nicht behoben wurde, bleibt dennoch eine Schande für EA und deren Qualitätssicherung.

Sound oder "[Hier Lieblingsverein einsetzen], olé!"

Die soundtechnische Untermalung ist bei "CL07" das Paradestück: Tolle Musik in den Menüs, passende Fan-Gesänge und ein satter, metallener Klang, wenn das Leder gegen den Pfosten donnert. Im Bereich Sound passt alles zusammen; hier zeigt EA, dass sie – wenn sie wollen – gute Arbeit abliefern können. Wenn sie wollen.

"UEFA Champions League 2006-2007" ist überflüssig. Es bietet nur mikroskopisch kleine Änderungen im Bereich Gameplay zum Vorgänger "FIFA 07", die Grafik ist im modernen PC-Zeitalter ein schlechter Witz und allein der neue Triple-Modus und der Sound können es nicht rausreißen. Wer nicht absolut und ohne jedes Wenn und Aber einen aktuellen Kader haben muss, unbedingt die Champions League nachspielen und der EA-Fußballreihe treu bleiben will, sollte sich "Champions League 2004-2005" holen: Oft schon für unter zehn Euro zu haben (gebraucht auch gerne mal für fünf Euro) und nicht wirklich schlechter als die Neuauflage. Die EA-Fußballreihe bleibt auch mit "CL07" arcadelastig und wird daher auch weiterhin die Fans von schnellem Fußball anziehen, die massiven Abstriche bei Grafik, realistischem Gameplay und taktischen Möglichkeiten hinzunehmen bereit sind. Wer sich allerdings auch gerne mal abseits des Actionfußballs umsehen möchte und nichts dagegen hat, dass ein Spiel der vielen Möglichkeiten auch etwas Einspielzeit benötigt, hat mit "Pro Evolution Soccer 6" aus dem Hause Konami eine klasse Alternative.

(17.04.2007)


Fazit

oder "Und wofür das Ganze?"


Kommentare:
Der Kommentar wurde gespeichert!
The Captcha element applies the Captcha validation, which uses reCaptcha's anti-bot service to reduce spam submissions.

UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007
UEFA Champions League 2006-2007