Die Geheimnisse der Spiderwicks

Die Geheimnisse der Spiderwicks (PS2)

(Sierra)

geschrieben von Daniella Boyd

 

 
Entwickler: Stormfront Studios
Publisher: Sierra Entertainment
Genre: Fantasy-Adventure
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Die Geheimnisse der Spiderwicks
Preis: 29,95 €
Altersfreigabe: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG

Wir alle kennen das Prinzip: Ein erfolgreiches Buch wird zu einem großen Kino-Blockbuster; diese mehr oder weniger erfolgreiche Verfilmung zu einem mehr oder weniger gelungenen Konsolenspiel. Diese Stationen hat nun auch die erfolgreiche Kinderbuchreihe "Die Geheimnisse der Spiderwicks" von Holly Black und Tony DiTerlizzi durchlaufen. Vor fünf Jahren erschien in Amerika der erste von bereits sechs Bänden. Mittlerweile wurde die Reihe in 28 Sprachen übersetzt und von Millionen von begeisterten Kindern auf der ganzen Welt gelesen. Ob der Film mit dem Erfolg der Buchreihe mithalten kann, könnt ihr ab Ende März selbst entscheiden. Ob das Spiel dazu gelungen ist, verraten wir euch jetzt schon.

"Wag’ es nicht, dieses Buch zu lesen ..."

Als die Zwillingsbrüder Jared und Simon sowie ihre große Schwester Malory nach der Scheidung ihrer Eltern gemeinsam mit ihrer Mutter in das leer stehende Haus ihrer Tante Lucinda ziehen, ist die Begeisterung - na, sagen wir: überschaubar. Das Haus, in dem Lucinda vor 80 Jahren noch mit ihrem Vater Arthur Spiderwick lebte, wirkt heruntergekommen und liegt mitten im Nirgendwo. Besonders hart scheint die neue Lebenssituation Jared zu treffen, mit dem ihr das Spiel auch beginnt. Zunächst wird natürlich das Haus untersucht. Bei dieser Inspektion findet ihr irgendwann einen zugemauerten Speiselift. Zerstört ihr die Mauer, führt euch der Lift direkt in Arthur Spiderwicks Bibliothek. Dort angekommen findet ihr einen Schlüssel, mit dem sich eine Truhe auf dem Speicher öffnen lässt. Darin befindet sich ein Buch: "Arthur Spiderwicks Handbuch für die fantastische Welt um dich herum". Trotz der eindeutigen Warnung: "Wag’ es nicht, dieses Buch zu lesen. Wirfst du nur einen Blick hinein, dann können die Folgen tödlich sein.", öffnet Jared das Buch und betritt damit eine Welt, von deren Existenz er nicht einmal zu träumen gewagt hätte; eine Welt, in der tödliche Gefahren lauern.

"Sieh durch den Stein!"

Was genau Jared eigentlich angestellt hat, wird ihm erst bewusst, als er auf Thimbletack trifft: das hauseigene Wichtelmännchen. Wie sich herausstellt, habt ihr seine Wohnung im Speiselift zerstört. Eure Aufgabe ist es, so schnell wie möglich Ersatz zu finden, denn ist ein Wichtelmännchen sauer, verwandelt es sich in einen Irrwicht, einen wesentlich unangenehmeren Zeitgenossen. Glücklicherweise findet sich im Haus auch Honig, die ultimative Waffe zur Besänftigung von Irrwichten. Habt ihr Thimbletack beruhigt, erklärt er euch, dass es seine Aufgabe war, das Buch zu beschützen, und dass ihr dank eurer Neugier furchtbare Schrecken entfesselt habt.

Da das Buch alle Geheimnisse der fantastischen Welt aufdeckt, bedeutet sein Besitz absolute Macht: Macht, die sich der mordlüsterne Oger Mulgarath zu Nutzen machen möchte. Bekommt er das Buch in seine Finger, hat er alles, was er braucht, um jedes magische Wesen - und auch Jared und seine Familie - auszulöschen. Ihr müsst ihn aufhalten. Was für ein Glück, dass Thimbletack euch einen magischen Steinring gibt. Schaut ihr hindurch, wird die fantastische Welt um euch herum auf einmal sichtbar. Doch welch‘ Schrecken müsst ihr sogleich mit ansehen? Euer Bruder Simon wird von den Kobolden des Ogers in den Wald verschleppt. Mögen die Spiele beginnen.

Wildes "Rumgekloppe"

Als Jared versucht ihr nun, Simon von dem Oger und dessen Kobolden zu befreien und verlasst das erste Mal das Haus. Dank Thimbletacks Steinring könnt ihr nun sehen, was euch vorher verborgen blieb. Bewaffnet mit einem Baseballschläger macht ihr euch dann auf den Weg in den Wald und verprügelt unzählige Kobolde. Auch wenn man sich gut vorstellen kann, dass es ein eher amüsanter Zeitvertreib ist, Kobolde mit einem Baseballschläger zu Brei zu hauen, bleibt das Kampfsystem im Großen und Ganzen leider ziemlich eintönig.

Die Kämpfe finden in Echtzeit statt und alles, was ihr zu tun habt, ist, das "X"-Knöpfchen zu drücken. Ausweichen kann man mit "Viereck", und das war's dann eigentlich auch schon. Zwar lassen sich mit der Zeit neue Angriffe frei spielen, diese bieten aber meist nichts Neues. Man drückt eben einmal öfter auf den "X"-Knopf. Das Ganze artet nur allzu leicht in wildes "Rumgekloppe" aus. Auch darunter, dass man die Gegner im normalen Kampfmodus nicht anvisieren kann, hat die Übersichtlichkeit stark zu leiden. Wer strategische Kämpfe mag, wird hier also enttäuscht werden.

Hin und wieder ist dann aber doch ein Augenschmaus dabei, zum Beispiel, wenn Jared einen Kobold in die Luft schleudert und seinen Baseballschläger für einen Abschlag benutzt. Solch interessante Kampfaktionen sind aber Mangelware. Auch die Tatsache, dass man im Verlaufe des Spiels jedes der Geschwister und sogar Thimbletack steuern kann, bringt nicht viel Abwechslung in das Kampfsystem. Malory kämpft mit Degen oder Schwert und Simon mit einer selbst gebastelten Tomatensoßenpistole. Die Steuerung ist bei allen Dreien gleich: unkontrolliertes "X"-Gehämmere.

Die Waldgeister

Eine Nebenaufgabe, die unter anderem das Kampfsystem etwas bereichert, ist das Sammeln von Waldgeistern. Neben ihren Waffen sind die Geschwister noch mit einem Käscher ausgerüstet, mit dem sie Waldgeister einfangen können. Eine sehr praktische Angelegenheit, denn diese kleinen Elfen unterstützen euch mit ihren individuellen Fähigkeiten. Bis zu drei der Fabelwesen könnt ihr bei euch tragen und somit eure Durchschlagskraft verstärken, eure Gesundheit auffüllen oder Gegner in die Irre führen. Je mehr ihr von einer Sorte fangt, desto stärker wird ihre Wirkung.

Um so einen Waldgeist allerdings behalten zu dürfen, müsst ihr ihn erst einmal nachzeichnen. Das klingt schwieriger als es ist. Ihr müsst einfach nur den Cursor mit dem PS2-Controller über die Buchseite bewegen und damit das Bild der jeweiligen Elfe innerhalb des Zeitlimits freilegen. Mag das Ganze am Anfang noch eine recht lustige Abwechslung sein, wird es früher oder später zur reinsten Tortur. Ihr müsste das Prozedere nämlich jedes Mal wiederholen, wenn ihr einen Waldgeist fangen wollt, und davon gibt es jede Menge. Besonders ärgerlich ist es, dass das Spiel weiterläuft, während ihr euch gerade mit den kleinen Feen beschäftigt. So endet der Versuch, einen Waldgeist zu fangen oft damit, von einem Kobold angesprungen und attackiert zu werden. Das kann auf Dauer ganz schön frustrieren. Frustpotenzial hält das Spiel leider auch sonst bereit.

Vom Suchen und Sammeln

Der Abschnitt "Finde Tante Lucinda" macht vor, was im Rest des Spiels leider nicht durchgehalten wurde: Er ist abwechslungsreich und interessant. Hier müsst ihr kämpfen, Rätsel lösen und einem Höhlentroll entkommen. Das ist eine schöne Abwechslung, denn die meiste Zeit des Spiels verbringt ihr sonst damit, irgendwelche Gegenstände zu suchen und einzusammeln. Das ist natürlich ein wichtiger Bestandteil eines Adventures, aber es sollte doch bitte nicht der einzige sein. Das zweite Standbein sind dann die Kämpfe. Was man vergeblich sucht, sind anspruchsvolle Rätsel, denn die sind Mangelware. Taucht mal eines auf, besteht die Lösung meistens darin – ja, richtig – Gegenstände zu suchen und einzusammeln.

Was dem Spiel auch fehlt, ist eine Art Inventar. Immer wird genau vorgegeben, was man wann einsammeln darf. So kann es sein, dass man durch einen Blick ins Handbuch schon von Gegenständen weiß, dass man sie brauchen wird, aber keine andere Wahl hat, als sie liegen zu lassen. Das Ganze führt zu unnötigem Hin-und-her-Rennen ohne viel Anspruch oder Sinn. Nicht gerade das, womit die Spielzeit gefüllt werden sollte.

Besonders die Thimbletack-Passagen haben das Potenzial, den Spieler in den Wahnsinn zu treiben. Sobald ihr in die Rolle des kleinen Wichtelmännchens geschlüpft seid, könnt ihr euch im Innern der Wände an sonst unerreichbare Plätze begeben. In den labyrinthartigen Gängen werdet ihr immer wieder genötigt, bestimmte Orte zu finden. Zwar helfen euch hin und wieder kleine Pfeile, die den Weg weisen, aber im Großen und Ganzen seid ihr damit beschäftigt, euch immer wieder in die gleichen Gänge zu begeben und diese abzulaufen, um eure Ziele zu finden. Besonders schade ist, dass das wirklich alles ist, was ihr tut. Okay, ihr dürft Kakerlaken mit Pfeilen beschießen, das war's aber auch schon, denn springen und klettern wird der kleine Kerl automatisch.

Trotz vieler Versuche, das Spiel abwechslungsreicher und inhaltsreicher zu gestalten, werden erfahrene Spieler leider relativ schnell die Lust verlieren. Das Verhältnis stimmt einfach nicht. Die Motivation, immer wieder an die gleichen Orte zu rennen, fehlt, wenn man nicht hin und wieder ein wenig gefordert wird. Da helfen auch die Massen an Zusatz- und Nebenmissionen nicht viel, denn die bestehen meist auch nur aus Sammelaufgaben. Für jüngere und unerfahrenere Spieler könnte dies aber genau das Richtige sein. Und die Tatsache, dass man vier verschiedene Charaktere mit leicht unterschiedlichen Fähigkeiten spielt, sorgt dann doch gelegentlich für ein bisschen Abwechslung. Sobald ihr das Spiel beendet habt, könnt ihr dann auch frei zwischen den Geschwistern wählen, um auch noch die letzten Nebenmissionen zu erfüllen.

Was leider völlig fehlt, ist ein anständiger Kooperationsmodus. Schade, denn den hätte man hier wirklich erwarten können, stehen dem Spieler doch vier Charaktere zur Auswahl. Lediglich einige Mehrspielermissionen lassen sich frei spielen. Diese haben aber auch nicht viel zu bieten und bestehen aus simplen Minispielen, wie: Wer fängt die meisten Waldgeister?

Das Handbuch

Was positiv erwähnt werden muss, ist das Handbuch, das ihr jederzeit während des Spiels aufrufen könnt. Dort könnt ihr die Optionen anpassen und den Schwierigkeitsgrad ändern. Ihr findet Informationen zu euren Fähigkeiten und den fantastischen Wesen, die ihr bereits entdeckt habt. Im Handbuch könnt ihr euch auch über eure aktuellen Missionen informieren. Je nachdem, wie viel Hilfe ihr in Anspruch nehmen wollt, lest ihr nur den Titel, schaut euch die allgemeine Information oder sogar die Detailinformation an. So wissen auch die jüngeren Spieler immer, was zu tun ist.

Die fantastische Welt um dich herum

Eines schafft das Spiel ganz bestimmt: Es lässt euch in die Welt der Spiderwicks eintauchen. Könnte grafisch, vor allem bei den Hauptpersonen, ein bisschen mehr gezeigt werden, ist die Umsetzung doch sehr gut gelungen. Das Spiel bleibt dem Film treu und einzelne Charaktere lassen sich gut erkennen. Die Umgebung ist liebevoll gestaltet und wird nicht langweilig. Besonders das Haus ist gut gelungen und kommt dem Vorbild aus dem Film sehr nahe. Wie es sich für ein Spiel wie "Die Geheimnisse der Spiderwicks" gehört, wird die Geschichte mit Filmszenen angereichert. Das ist besonders schön, wenn man bedenkt, dass der Film erst in ein paar Wochen in die deutschen Kinos kommt. Nur etwas dunkel ist das Spiel leider geraten. Außerdem ist die Schrift wahnsinnig klein und kaum zu lesen, wenn man nicht gerade einen großen Breitbildfernseher besitzt oder mit der Nase an der Mattscheibe klebt.

Was wirklich hervorragend gemacht wurde, ist die musikalische Untermalung. Wie in einem Filmsoundtrack begleitet sie den Spieler und lässt ihn voll in der fantastischen Welt um sich herum aufgehen. Immer atmosphärisch passend wechselt sie von märchenhaft zu unheimlich und spannend. Auch die Soundeffekte sind sehr gut gelungen, sodass man manchmal zweimal hinhören muss, um sicher zu sein, dass das Vogelgezwitscher nicht aus dem eigenen Garten kommt. Ob es nun das Rascheln von Gras oder das Knarren der Dielen ist, das Grunzen der Kobolde oder das Geräusch eines Baseballschlägers, der einen Koboldkopf trifft; man hat das Gefühl, hier wurde an alles gedacht. Den Entwicklern ist es wirklich gelungen, eine wundervolle, zauberhafte Welt zu schaffen.

 

  

Fazit

Mit "Die Geheimnisse der Spiderwicks" lässt sich ein Stück Märchenwelt mit nach Hause nehmen. Es wird eine fantastische Atmosphäre geschaffen, die in der Lage ist, den Spieler in ihren Bann zu ziehen. Allerdings wird, trotz vieler Nebenaufgaben, der Spielspaß auf Dauer nicht gesichert. Ständiges Hin- und Herrennen, unkontrollierte und unübersichtliche Kämpfe und störende Zwischenaufgaben, wie das Zeichnen von Elfen, werden richtige Zocker ziemlich schnell zu einem anderen Titel greifen lassen. Für jüngere, unerfahrenere Spieler ist es bestimmt ein guter Einstieg und ein Spiel, das lange Vergnügen bereitet. Ebenso für Fans der Bücherreihe und zukünftige Filmfans einen Kauf wert, auch, wenn es nur darum geht, in die Welt von Jared, Simon und Malory einzutauchen; eine fantastische Welt voller Elfen, Kobolde und Oger.

(12.03.2008)


Fazit

   Mit "Die Geheimnisse der Spiderwicks" lässt sich ein Stück Märchenwelt mit nach Hause nehmen. Es wird eine fantastische Atmosphäre geschaffen, die in der Lage ist, den Spieler in ihren Bann zu ziehen. Allerdings wird, trotz vieler Nebenaufgaben, der Spielspaß auf Dauer nicht gesichert. Ständiges Hin- und Herrennen, unkontrollierte und unübersichtliche Kämpfe und störende Zwischenaufgaben, wie das Zeichnen von Elfen, werden richtige Zocker ziemlich schnell zu einem anderen Titel greifen lassen. Für jüngere, unerfahrenere Spieler ist es bestimmt ein guter Einstieg und ein Spiel, das lange Vergnügen bereitet. Ebenso für Fans der Bücherreihe und zukünftige Filmfans einen Kauf wert, auch, wenn es nur darum geht, in die Welt von Jared, Simon und Malory einzutauchen; eine fantastische Welt voller Elfen, Kobolde und Oger. (12.03.2008)


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