Muzzle

Muzzle

(Koch Media)

geschrieben von Axel Kleps

 

Geschichte

Eine Maus hat es nicht immer leicht. Geeignete Nahrung ist auch für unseren kleinen Nager schwer zu bekommen. Also macht sich unser Freund im dem Spiel Muzzle auf die beschwerliche Reise und versucht, alles Essbare in den Bau zu transportieren. Klingt relativ einfach, ist es in der Theorie auch. Allerdings hat der Wirt die Rechnung ohne die Physikengine und die Zeitlimits gemacht, aber mit ein wenig Geschick und Köpfchen lassen sich demnach auch die schmackhaftesten Leckereien in das heimische Loch verfrachten. Wenn es bloß so einfach wäre, wie es sich anhört ...

Das Spiel

Das Geschicklichkeitsspiel Muzzle kommt in einer netten Verpackung daher: Das Design der CD-Hülle ist einer Käsescheibe nachempfunden und fällt sofort ins Auge. Nach der Installation erwartet den Spieler ein typisches Menü, das alle üblichen Funktionen beinhaltet: Von Einzelspielermissionen über den Multiplayerpart, Eingabe des Profilnamens bis hin zur Verwaltung der Highscores ist eigentlich alles dabei. Die Singleplayerlevel sind gut geeignet, dem Spieler die entsprechende Erfahrung mit dem Umgang der Spielfigur zu vermitteln, da der Adventure-Modus mit einigen Hindernissen aufwartet, die der Spieler nur durch das Erreichen des entsprechenden Spielzieles meistern kann. Die Aufgaben sind zahlreich und vom System her auch erfreulich unterschiedlich. Das Hineinschubsen von Nahrungsmitteln in das Mauseloch ist zumeist das primäre Ziel, auch das strategische Verteilen einiger Objekte wie Kisten, zu Eisblöcken gefrorene Fische oder Gewichte ist mitunter nötig, um das Spielziel am Ende zu erreichen. Die Mischung aus Geschicklichkeit, logischem Denken und der berühmten Hand-Auge-Koordination macht das Spiel zu dem, was es ist: ein Spiel für den gelegentlichen Zeitvertreib. Der Multiplayerpart hingegen ist nicht ganz so schwer zu spielen. Stattdessen werden nette Minispielchen wie das klassische Maushockey, Basketball oder Rennen angeboten. Die Spiele sind natürlich nicht die Offenbarung, aber im Netzwerk oder im Vergleich mit anderen Onlinespielern sind sie dennoch sehr unterhaltsam und versprühen teilweise den Charme von Super Mario World, dem man sich bekanntermaßen früher kaum entziehen konnte.

Gameplay

Geschicklichkeitsspiele sind hierzulande sehr beliebt und es gibt sie in Hülle und Fülle. Muzzle hingegen sticht etwas heraus, weil es nicht nur um das logische Denken geht, auch die Geschicklichkeit wird hart auf die Probe gestellt. Durch das fehlende Tutorial wird der Spieler sofort ins kalte Wasser geworfen und muss sich mit Hilfe der Solomissionen in dem Spiel zurechtfinden. Die Einzelspielermissionen beschränken sich auf das Transportieren von allerlei Leckereien ins heimische Mauseloch mittels unseres Freundes, der auf einer Art Luftkissenboot sitzt. Der Transport wird durch Karambolagen mit den begehrten Objekten in Gang gesetzt und diese sollten möglichst punktgenau in die Höhle rutschen. Behindert wird der Spieler durch Elemente wie Gummibänder, Klammern und diverse andere Gemeinheiten, die immer wieder die Nahrungsmittel beim Rutschen blockieren oder gar durch Drähte und Ähnliches miteinander verbinden, um es dem Spieler noch schwieriger zu gestalten. Das Spielsystem ist eine Mischung aus dem altbekannten Sokoban, Air Hockey und Billard, wobei dem Spieler von jedem dieser Spielvorlagen nur mittelmäßige Qualität geboten wird. Ein bisschen mehr Konsequenz in der Entwicklung der Spielidee und Nutzung des Spielpotenzials hätten dem Spiel gut getan, aber so zieht sich diese Schwäche wie ein roter Faden durch das komplette Spiel. Der Adventure-Abschnitt unterscheidet sich nur geringfügig von den Singleplayermissionen, wobei allerdings alle Aufgaben der Reihe nach erfüllt werden müssen. Das Bugsieren einzelner Objekte stellt sich gerade am Anfang als schier unmögliches Unterfangen ein. Die Maussteuerung ist sehr empfindlich und durch die Bewegungsverzögerung des Mauszeigers soll eine virtuelle Gravitation erzeugt werden, die den Spieler vor eine noch härtere Aufgabe stellt: das Erreichen des Levelzieles innerhalb eines vorgeschriebenen Zeitlimits. Nicht, dass es nicht schon schwer genug wäre, die Maus inklusive ihres fahrbaren Untersatzes auf dem spiegelglatten Untergrund zu bewegen, das Zeitlimit setzt noch einen drauf und der Spieler kommt arg in Bedrängnis, denn nicht nur die Kombination des logischen Denkens und schnelle Reaktionen, sondern auch Zeit und Physik machen es schwer, alles gekonnt unter einen Hut zu bekommen. Die Multiplayer-Matches sind da schon etwas entspannter zu spielen. Auch hier werden die Standards erfüllt. Mehrspielerpartien können im LAN oder per TCP/IP gestartet werden. In der sogenannten Lounge können sich die Spieler im Chat-Modus unterhalten und sich über die Modalitäten einigen, was die Spielerreihenfolge oder Spieleigenheiten betrifft. Es entstehen witzige Situationen, vor allem, wenn die Spieler per Teamspeak oder anderen Kommunikationsprogrammen in Verbindung stehen und sich während des Spiels diverse Sprüche an den Kopf werfen können. Kurzweiliger kann Spielspaß kaum sein und Muzzle kann, nachdem der Spieler sich an die extrem wabbelige Steuerung gewöhnt hat, eine schöne Gaudi sein.

Grafik

Muzzle hat den entscheidenden Vorteil, als Geschicklichkeitsspiel nicht herausragend aussehen zu müssen. Zweckmäßigkeit gepaart mit teils niedlichen, teils auch etwas überfrachteten Grafikelementen machen den Titel trotzdem sehenswert. Die Maus ist ansehnlich gestaltet, die Zwischensequenzen im Adventure-Part sind quasi einem netten Kinderbuch entsprungen und die kindgerechte Gesamtaufmachung ist ganz hübsch anzuschauen. Der Nachteil liegt einzig und allein darin, dass der Spieler gar keine Zeit hat, sich dem Augenschmaus zu widmen. Das Leveldesign ist zumeist schlicht und übersichtlich, die Nahrungsmittel sind ansehnlich und appetitanregend erstellt worden und die Aufmachung des Spiels erinnern irgendwie an den berühmten Tigerentenclub. Muzzle hat das Problem, dass die jüngeren Semester sofort vom Design angelockt werden, allerdings dürften die kleinen und kleinsten Spieler mit dem Spielprinzip überfordert sein. Ältere Spieler hingegen werden gut herausgefordert, aber die Grafik erscheint dem erwachsenen Spieler nur zweckmäßig. Eine verstellbare Kameraperspektive wäre ebenfalls wünschenswert, denn die Ansicht aus der Iso-Perspektive ist auf die Dauer recht langweilig. Etwas unverständlich ist die unbedingte Voraussetzung einer DX9-kompatiblen Grafikkarte, da keinerlei DX9-Effekte implementiert sind, was eigentlich schade ist, denn heutzutage sind hübsch anzuschauende Spiele immerhin ein Kaufgrund.

Sound

Was muss ein Geschicklichkeitsspiel auf dem akustischen Sektor bieten? Passende Soundeffekte und eingehende Musik. Die Soundeffekte wirken maßgeschneidert und gut produziert, bieten aber nichts Neues. Die Musikstücke dudeln permanent im Hintergrund, ohne großartig aufzufallen. Muzzle kann stundenlang gespielt werden, ohne das auch nur ein Fragment der Musik im sprichwörtlichen Ohr hängen bleibt. So gesehen ist es ein Vorteil, dass die Spieler sich vollkommen auf das Spiel konzentrieren können, ohne von aufdringlichem Gedudel genervt zu werden. Andererseits spricht es nicht für die Qualität und Originalität der Musikstücke, dass sie den Spieler nicht mitreißen können oder gar zu einem Ohrwurm mutieren.

Wie kann man Muzzle am besten beschreiben? Ein Geschicklichkeitsspiel, das als Multiplayergame durchaus Spaß macht und überzeugen kann, aber im Singleplayerbereich den Spieler an die oberste Frustgrenze bringt. Der Adventure-Modus kann nur durchgespielt werden, wenn der Spieler einen der begehrten Treppchenplätze erreicht. Und das ist nur durch striktes Einhalten des sehr knapp bemessenen Zeitlimits möglich. Problematisch dabei ist die fast unzumutbare Maussteuerung, die dem Spieler mitunter qualvolle Zeiten beschert. Teilweise sind bis zu dreißig Versuche nötig, um einen Level zu bewältigen. Der Mehrspielermodus hingegen überzeugt teilweise und vergnügliche Duelle stehen bei bestimmten Spielarten immer wieder ins Haus. Ob sich ein Kauf allerdings rentieren würde, sei dahingestellt und hängt von der persönlichen Gewichtung der Spielelemente ab. Ein Probespiel ist daher mehr als empfehlenswert, um nicht die sprichwörtliche Katze im Sack zu kaufen.

(22.08.2005)

Entwickler: Meridian 93
Publisher: Koch Media GmbH
Genre: Geschicklichkeit
Releasedate: bereits erhältlich
Homepage: Muzzle
Preis: ab 9,99 €
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG

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