Skispringen 2007

Skispringen 2007

(RTL Enterprises)

geschrieben von Anke Morbitzer

 

 
Entwickler: 49Games
Publisher: RTL Enterprises
Genre: Sportsimulation
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Skispringen 2007
Preis: 29,99 €
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG

Ab zur Schanze

Schanzentisch, K-Punkt, Juryweite - wer mit diesen Begriffen etwas anfangen kann, hat sicher schon mehr als einmal einen Skisprungwettbewerb verfolgt, und sei es auch nur vor dem Fernseher. Noch vor wenigen Jahren gab es in Deutschland einen wahren Fankult um die DSV-Adler und jeder kannte Martin Schmitt und Co. Die sportlichen Leistungen sind mittlerweile zurückgegangen und damit hat auch die Aufmerksamkeit für diese Sportart abgenommen; dennoch hat das Skispringen weiterhin eine große Fangemeinde. Genau die ist die Zielgruppe für ein weiteres Spiel aus der Wintersportabteilung von RTL, "Skispringen 2007".

Bindung einstellen

Das Spiel präsentiert die gesamte Breite dieser Sportart: Vom Wintersport, inzwischen dank grüner Kunststoffmatten zur Ganzjahressportart mutiert, bietet "Skispringen 2007" die Fülle der Wettkampfstätten. Von kleinen Schanzen im Schwarzwald über traditionsreiche skandinavische bis hin zu den größten Flugschanzen in Bad Mitterndorf oder im tschechischen Planica ist alles vertreten, was in diesem Sport einen Namen hat. Auch die Schanzen in den USA oder im japanischen Hakuba sowie alle 15 Weltcup-Austragungsorte sind dabei. Vergeblich sucht man allerdings die großen Namen auf der Startliste. Wenn das Moderatorenduo nicht gelegentlich über Hannawald und Ahonen fachsimpeln würde, käme gar keiner der Skisprungstars im Spiel vor.

Auf dem Donnerbalken

Vor das Spiel hat die Technik die Installation gestellt, aber die verläuft zügig und ohne Probleme. Mit knapp einem Gigabyte Festplattenplatz gehört das Spiel zu den Genügsameren. Das Handbuch ist mit 34 Seiten umfangreich und erklärt gründlich die Steuerung der einzelnen Sprungphasen und alle Komponenten des Spiels. Die Ladezeiten sind kurz, wenn man nicht unbedingt auf höchster Detailstufe spielen möchte; die Intro-Videos laufen allerdings manchmal nicht flüssig.

In der Anfahrtshocke

Für Anfänger gibt es ein Tutorial, in dem mit Kommentaren und Einblendungen interaktiv jede Phase des Sprungs geübt werden kann. Man beginnt auf dem Donnerbalken, und schon kommt die Steuerung ins Spiel, denn man fährt nicht einfach so hinunter, sondern muss exakt das Gleichgewicht halten, um möglichst schnell anzufahren und gerade abzuspringen. Die Spurlage wird durch eine Kugel auf einem kleinen "Berg" symbolisiert. Die Kugel droht immer auf irgendeiner Seite wegzurollen und muss mittels Mausbewegung oder Tastendruck daran gehindert werden. Nähert man sich dem Schanzentisch, wird das durch einen Balken angezeigt, und man sammelt Kraft für den Absprung, indem man die linke Maustaste oder die Leertaste drückt und hält. Erreicht man den Absprungpunkt, färbt sich der Balken grün und man springt durch Loslassen der Taste ab. Nun müssen die Ski in V-Stellung gebracht werden, dies erreicht man durch Zurückziehen der Maus oder mit der entsprechenden Pfeiltaste. Wenn man jetzt einiges richtig gemacht hat, landet man nicht mit der Nase im Schnee, sondern gleitet langsam mehrere Meter über den Aufsprunghügel ins Tal. Dabei gilt es, Balance zu halten und Windböen auszugleichen, bevor man sich durch Schließen des V auf die Landung vorbereitet, um dann hoffentlich mit einem Telemark aufzusetzen. Jetzt noch ohne Sturz in die Auslaufzone, und es ist geschafft.

Die Steuerung stellt anfangs im Spiel das größte Problem dar. Man muss über den gesamten Sprung hinweg den Springer kontrollieren und oft Aktionen in schneller Folge ausführen, was zu Beginn fast nie klappt. Für den Einstieg sollte man daher auf den begehrten Aufwind ganz verzichten, einen stärkeren Springer auswählen und auf einer Flugschanze beginnen, denn man hat dann vor allem zwischen Absprung und Landung etwas mehr Zeit. Das Spiel ist auf Maussteuerung ausgelegt, man kommt jedoch auch mit der Tastatur gut zurecht, aber das mag Geschmacks- und Übungssache sein. Im Übungsmodus signalisieren aufleuchtende Tasten und Pfeile, welche Aktion gefordert ist.

Am Schanzentisch

Wenn auch die Sportart eintönig erscheint, so steckt doch im Spiel jede Menge Abwechslung. Neben dem ausführlichen Tutorial gibt es noch einen Übungsmodus, in dem man die Kunst des Skisprungs gründlich erlernen kann. Man wählt eine Schanze und dazu einen Springer, dreht ein wenig an den Wetterdaten und rührt sich dann aus verschiedenen Wachskomponenten die richtige Mischung für die Sprunglatten. Ist alles erledigt, sitzt man auch schon am Anlauf. Hier gibt es immer noch per Einblendung Tipps für die Steuerung, und jeder Sprung kann so oft wie nötig wiederholt werden. Fühlt man sich sicher, geht es in den Karrieremodus. Für den Anfang tut es die Nachwuchsliga, in der man sich erstmal einen Trainer und einen Wachser anheuert und Stück für Stück seine Ausrüstung verdient.

Dazu müssen Preis- und Sponsorengelder verwaltet und natürlich die eigene Fitness und Technik gesteigert werden. Der Springer steigt dann schrittweise in die Profiliga auf. Fehlt es auf dem Weg dorthin an Geld, kann ein Quiz absolviert werden, in dem Fragen zum Wintersport allgemein und natürlich zum Skispringen im Besonderen beantwortet werden sollen. Jeweils drei Lösungsmöglichkeiten sind vorgegeben. Alle Fragen des Ratespiels müssen beantwortet werden, dann sind 128.000 Euro auf dem Konto. Für Eilige gibt es den Schnellstartmodus, wenn man sich nicht kopfüber in eine komplette Karriere stürzen möchte, sondern einfach nur ein paar Sprünge auf seiner Lieblingsschanze im Schwarzwald oder in Österreich absolvieren will.

Wer seine Lieblingsstars zu sehr vermisst oder unbedingt den eigenen Namen auf der Anzeigetafel sehen möchte, kann die Spieler auch editieren und mit Wunschnamen versehen. Wem das immer noch nicht reicht, darf sogar eigene Gesichter erstellen und seinen Springer damit ausstatten. Insgesamt dauert es seine Zeit, bis man sich an die Steuerung gewöhnt, aber der komplexe Bewegungsablauf eines Skisprungs lässt sich nur mit einer aufwendigen Bedienung vermitteln, ansonsten wird man dem technischen Anspruch der Sportart auch nicht gerecht. Hat man sich eingewöhnt, fühlt man sich schnell herausgefordert und will dem Publikum ordentlich Anfeuerungsrufe entlocken. Ist man heil in der Auslaufzone angekommen, ruft man je nach Resultat mit der passenden Mausbewegung entweder Verzweiflungsgesten oder Jubelsprünge hervor.

Aus der Vogelperspektive

Die Grafik im Spiel ist nicht herausragend, auch wenn Wettereffekte, Oberflächen und Landschaften gut gestaltet sind. Die Spieler könnten detailreicher modelliert sein und sich deutlicher voneinander unterscheiden. Zwar gibt es die Option, eigene Gesichter zu erstellen, aber das ist sicher nur etwas für Hardcore-Fans, die ohne ihr Idol gar nicht auskommen. Die Systemanforderungen sind für die durchschnittliche Grafikleistung zu hoch, was sich besonders bei höheren Detailstufen unangenehm bemerkbar macht. Die Steuerung reagiert dann kaum oder stark verzögert. Positiv ist die Möglichkeit, die Anzahl der berechneten Bäume und Zuschauer unabhängig von der Texturqualität zu senken, denn so kommt man wenigstens in den Genuss der schönen Landschaften. Nützlich sind die vielen verschiedenen Kamerapositionen, denn so kann man sich besonders die Wiederholung jedes Sprungs von allen Seiten anschauen.

Ziiiieeeeh!

Zum Sound im Spiel gibt es nicht viel zu sagen. Die Geräuscheffekte sind realistisch, auch Anfeuerungsrufe, Jubel oder Enttäuschung des Publikums werden sehr gut vermittelt. Ein Manko ist das deutsch-französische Kommentatorenduo, das mit schlechten Kalauern und gequälten Dialogen das Spiel auflockern will, weshalb die Moderation schnell nervend wird. Immerhin gibt es gelegentlich interessante Informationen zu den verschiedenen Austragungsorten oder zum Skispringen allgemein. Musik wird im Spiel recht sparsam und unauffällig denn die Menüs sind passend zum Ambiente mit kühlem Jazz untermalt, und im Spiel tritt die Musik wohltuend in den Hintergrund.

Telemark-Landung

Skispringen spaltet die Zuschauer in glühende Fans und solche, die sich nichts Langweiligeres vorstellen können. Wer die Sportart mag, wird an "Skispringen 2007" Gefallen finden, auch wenn man ganz ohne Janne, Martin und Co. auskommen muss. Ihr hoher technischer Anspruch ist gut umgesetzt, anfangs braucht der Neuling aber Durchhaltevermögen. Wenn man erstmal den Bogen raus hat und unter lautem "Ziiieeeeh!" dem Tal entgegen schwebt, kann man sich der Faszination dieser Sportart kaum entziehen.

(05.12.2006)

Kommentare:
Der Kommentar wurde gespeichert!
The Captcha element applies the Captcha validation, which uses reCaptcha's anti-bot service to reduce spam submissions.

Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007
Skispringen 2007