Assassin's Creed 3

Assassin's Creed 3 (PS3)

(Ubisoft)

geschrieben von Witali Blum

 

     
 

Das Jahr 2012 war in vieler Hinsicht für die Zockergemeinde erfolgreich. Zum einen läutete Nintendos neuestes Gerät "Wii U" das Rennen um die Next-Gen-Konsole ein, zum anderen jagte ein Spielehighlight das nächste. Dazu zählt zweifelsohne "Assassin's Creed 3", das laut den Entwicklern sowohl durch seine historisch glaubwürdige Hintergrundgeschichte als auch durch knallharte Action bestechen soll. Lesen Sie im folgenden Review, welche Überraschungen sich Ubisoft-Montreal hat einfallen lassen, um gegen die mächtige Konkurrenz zu bestehen.

Das Wesentliche zusammengefasst

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Neueinsteiger sich auf gar keinen Fall den aktuellsten Titel der "Assassin's Creed"-Saga zu Gemüte führen sollten, ehe sie die anderen Teile durchgespielt haben, denn diese Spielreihe ist erzähltechnisch an einem Punkt angelangt, an dem viel zu viel Hintergrundwissen benötigt wird, um die verworrene Story zu verstehen. So wird zum Beispiel der Protagonist Desmond Miles überhaupt nicht vorgestellt und stattdessen gleich an den Schauplatz des Geschehens befördert – die geheime Kammer einer Zivilisation, die noch vor der Menschheit existiert hat. Noch immer leidet der Held unter Halluzinationen, die ihm Hinweise auf wichtige Informationen, die in der Vergangenheit seiner Vorväter versteckt sind, liefern. Mithilfe des Animus, eine Art Simulator für virtuelle Realität, zapft Desmond seine genetisch verankerten Erinnerungen an, um den Schlüssel für die geheime Kammer zu finden, sie zu öffnen und gleichzeitig zu verhindern, dass die Templer in den Besitz deren Inhalts kommen.

Der erste Vorfahre aus "Assassin's Creed 3", in dessen Haut Desmond schlüpfen darf, ist Haytham Kenway – ein Meisterassassine aus England. Diese Persönlichkeit kommt zuerst in den Besitz des gesuchten Schlüssels und nimmt ihn mit auf eine Reise in die amerikanischen Kolonien, um die zuvor erwähnte Kammer zu finden. Während der Quests beschützt Haytham eine Squaw vor Sklavenjägern, die ihm danach bei der Suche hilft. Die Mission dauert nicht nur länger als geplant, sondern endet auch noch wortwörtlich vor verschlossenen Türen. Eins führt zum anderen und Kenway, der sich mit seinem neuen Leben in Amerika abgefunden hat, zeugt einen Nachkommen indianischer Abstammung. Wie erwartet bleibt dem Mestizen eine Karriere als Meuchelmörder nicht erspart, denn neben einer harten Kindheit erfährt der Junge viele Ungerechtigkeiten, die die Templer der nativen Bevölkerung Amerikas aufzwingen. "Ratonhnhaké'ton" oder besser gesagt "Connor" ist fortan die neue Hauptfigur in der simulierten Welt des Animus.

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Obwohl sich die Entwickler von Ubisoft eine detaillierte Einführung bezüglich der Hintergrundgeschichte erspart haben, indem sie den Protagonisten Desmond den Inhalt der vergangenen Titel kurz in erzählerischer Form wiedergeben lassen, heißt das noch lange nicht, dass es keine ordentliche Einführung in die Steuerung der Hauptfigur gibt. Angefangen beim ersten Eintauchen in die simulierte Welt des Animus bis hin zum Ende von Kenways Abenteuer wird der Spieler in die Kontrolle sowie Mechanik des Titels eingeführt. Das ist auch bitter nötig, denn die Welt in der sich der eigentliche Held namens "Connor" bewegt, ist riesig und ebenso die Anzahl der möglichen Interaktionen mit der Umwelt.

Dazu zählt zunächst die Fortbewegung, die auf den ersten Blick noch einfacher von Hand zu gehen scheint, als es im Vorgänger der Fall gewesen ist. Der Held überwindet in Parcours-Manier nahezu jedes Hindernis, erklimmt sogar Bäume und fällt in hektischen Momenten – subjektiv beurteilt – seltener von Anhöhen herunter. Bei den Nahkämpfen ist das nervige Anvisieren des Gegners weggefallen. Jetzt kann man sich stattdessen gezielt auf Angriffe, Riposten oder Entwaffnungsmanöver konzentrieren, die jedes noch so kleine Gefecht actionreich in Szene setzen. Damit das Spiel aber nicht zu einfach wird, gibt es deutlich mehr Fernkämpfer, die Connor aufs Korn nehmen, sobald sie ihn als feindliches Ziel identifizieren. Schleichende Assassinen haben natürlich keine Probleme mit Schützen und notfalls kann man die nächste Deckung aufsuchen, um seine Wunden abheilen zu lassen. Damit wäre auch die nächste Neuerung schon verraten – Ärzte, die Medizin verkaufen, sind in "Assassin's Creed 3" unnötig.

Dafür gibt es jetzt jede Menge andere Händler und Handwerker, die das Arsenal des Protagonisten mit Waffen und weiteren nützlichen Objekten ergänzen. Die am Anfang spärliche Auswahl wird größer, wenn man sich das Wohlwollen der Nichtspielercharaktere zum Beispiel durch das Lösen bestimmter Nebenaufträge sichert. Zusätzlich können die Gewerbetreibenden dazu animiert werden, sich im Dorf des Helden anzusiedeln, wo sie an ihren Fähigkeiten feilen und oftmals neue, nützliche Tötungswerkzeuge erfinden können. Die erwähnte Gemeinde dient Connor als eine Art Operationsbasis, in der er zwischen den Hauptaufträgen verweilt und sich mit Verbrauchsmaterialien wie Kugeln oder Pfeilen eindeckt. Natürlich bekommt der Assassine seine Ausrüstung nicht geschenkt, sondern muss mitunter hart dafür schuften, indem er Jagd auf Wildtiere macht und deren Felle verkauft.

Die lokale Fauna ist ziemlich vielfältig. Von harmlosen Bibern bis hin zu mächtigen Bären, die Connor töten können, sind viele Tierarten in den riesigen Jagdgründen von "Assassin's Creed 3" heimisch. Falls der Spieler längere Wege auf sich nimmt und zu entlegenen Städten reist, kann er Profit machen, indem er die dort bevorzugten Waren zu einem Höchstpreis verkauft. Das liebe Geld wird übrigens nicht nur in die eigene Ausrüstung oder Basis gesteckt, sondern erstmals auch in ein eigenes Schiff, das den Kampf gegen die Templer auf dem Wasser fortsetzt. Natürlich gibt es auch weiterhin Minispiele und Rätsel wie beispielsweise das Knacken eines Schlosses.

Nahezu jedes Spielelement lässt sich in diesem Titel finden – Abenteuer, Schleicheinlagen und sogar Wirtschaftssimulation. Was will man mehr? Selbst der Mehrspielermodus aus "Brotherhood" hält Einzug in den aktuellsten Ableger der Serie und erfreut die Spieler mit zahlreichen Kostümen sowie gewitzten Spielmodi. Dazu zählen unter anderem verschiedene Varianten von "Deathmatch", "Team-Kampf" und selbstverständlich "Capture-the-Flag". Hervorzuheben ist dabei vor allem die sinnvolle Bewertung, dass heimlich vorgehende Spieler deutlich mehr Punkte absahnen als Zocker, die den Begriff Assassine mit Massenmörder verwechseln.

Obwohl die Hintergrundgeschichte von "Assassin's Creed" frei erfunden ist, besticht die Reihe - und insbesondere der dritte Teil - durch historische Exaktheit von auftretenden Ereignissen. Der Spieler erlebt den britischen Kolonial- beziehungsweise den amerikanischen Befreiungskrieg und nimmt bei wichtigen Missionen wie etwa der "Boston Tea Party" passiv Wissen über den Konflikt zwischen den Freiheitskämpfern und den sogenannten Loyalisten auf. Einige Zocker behaupten sogar, sie hätten nach ausgiebigem Spielen von "Assassin`s Creed 3" in ihrem Geschichtstest in der Schule eine bessere Note erhalten, als wenn sie dafür – vermutlich weniger fleißig – gelernt hätten. Wenn das stimmen sollte, ist wohl an dieser Stelle eine Nominierung zu einem Bildungspreis fällig.

Die Aussicht

Die optische Präsentation von "Assassin's Creed 3" hat sich in der Hinsicht weiterentwickelt, dass noch mehr Objekte, Details sowie Effekte implementiert worden sind, die aber nur beim genauen Hinsehen entdeckt werden können. Im Vergleich zu "Revelations" gibt es augenscheinlich keine deutlichen Unterschiede in der grafischen Pracht. Dafür aber ist die Landschaft, in der sich die Missionen abspielen, riesig – ungefähr 1,5 Mal so groß wie das Konstantinopel des zweiten Teils. Die farbenfrohe, wilde Natur des nordamerikanischen Kontinents lädt geradezu ein, abseits der Hauptaufträge zu verweilen und das eine oder andere Wildtier zu erlegen. Dummerweise ist die große Bewegungsfreiheit nicht gerade neu, denn in "Red Dead Redemption" wurde dieses Spieldesign noch viel weitreichender ausgeführt. Zu den authentischen Animationen der Nichtspielercharaktere kommen nun Tiere, Jahreszeiten und ebenso ein Tag-Nacht-Wechsel hinzu, sodass die digitale Welt insgesamt lebendiger erscheint.

Das Echo

Die Vertonung von "Assassin's Creed 3" ist wie bei den Vorgängern einfach meisterhaft. Alle Charaktere sind gekonnt mit deutschen Synchronstimmen versehen worden und unterstützen die visuelle Erfahrung. Der Soundtrack ist mitreißend, wird aber vor allem im Mehrspielermodus zugunsten von Hintergrundgeräuschen, die zum Beispiel ein Herannahen des Feindes ankündigen, ausgestellt.

 

    

Fazit

"Assassin's Creed 3" bildet eindeutig die Kulmination der beliebten Meuchelmörder-Serie, denn in diesem Titel fruchtet die gesamte Entwicklungserfahrung, die Ubisoft Montreal bisher sammeln konnte. Die spannende Story zeigt neue Einblicke in die nordamerikanische Geschichte und stellt dabei viele interessante Persönlichkeiten in den Vordergrund. Die riesige Welt bietet zusammen mit den Seeschlachten lange Kurzweil abseits der Hauptmissionen und erfreut dabei die Augen der Spieler mit hochwertiger Grafik sowie authentischen Animationen, die sogar die Jahreszeiten beinhalten. Treue Fans sollten sich den Titel auf jeden Fall kaufen, während Neueinsteiger mit den Vorgängern besser bedient sind, wenn sie die Hintergrundgeschichte nachvollziehen möchten. (30.12.2012)


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