Thrillville: Verrückte Achterbahn

Thrillville: Verrückte Achterbahn (Xbox 360)

(LucasArts)

geschrieben von Alexander Eschner

   
Entwickler: Frontier  
Publisher: LucasArts
Genre: Simulation
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Thrillville: Verrückte Achterbahn
Preis: 39,99 €
Altersfreigabe: Freigegeben ab 6 Jahren gemäß §14 JuSchG

 

Wer träumt nicht davon, einmal einen Freizeitpark selbst zu kreieren? "Thrillville: Verrückte Achterbahn" ermöglicht diesen Traum auf virtueller Ebene. Ob "Thrillville" es schafft, diesem Traum gerecht zu werden, erfahrt ihr hier.

Aller Anfang ist schwer

Zunächst fällt auf, dass "Thrillville" ein großer Genremix ist. So bekommt man die Möglichkeit, Achterbahnen zu bauen, an rund 30 Minispielen teilzuhaben, den Park zu managen und mit den Parkgästen zu schwatzen. In "Thrillville" geht es darum, einen Freizeitpark der Superlative zu erschaffen. Das wäre auch kein Problem, wenn es da nicht die Konkurrenz "Globo Joy" gäbe. Diese versucht mit allen Mitteln, das zu vereiteln. Aber man wird nicht im Regen stehen gelassen, denn viele gut synchronisierte Tutorials helfen bei der Orientierung am Anfang des Spiels. So bekommt man Unterstützung beim Bau der ersten Achterbahn und den ersten Grundschritten in Sachen Management, Weiterbildung der Angestellten, Bauen von Läden oder Jahrmarktsattraktionen und beim Spielen der Minispiele. Nur: Wie gebietet man "Globo Joy" Einhalt? Das macht man durch Erfüllen von verschiedenen Missionen im Freizeitpark. So muss man zum Beispiel Propagandablätter der Konkurrenz einsammeln, gegen die Champions der jeweiligen Minispiele antreten und für die Versorgung der Grundbedürfnisse der Gäste sorgen. Durch das Abschließen von Missionen, Spielen der Minispiele, den Bau von Gebäuden oder das Mitfahren auf einer Attraktion bekommt man "Thrillpunkte"; diese sind dazu da, um Ränge aufzusteigen. Je höher der Rang, desto mehr von den insgesamt fünf Freizeitparks darf man dann sein Eigen nennen. Alle Freizeitparks, bis auf den ersten und den letzten, können vom Spieler frei gespielt werden; das macht das Ganze nicht zu linear und man kann die Freizeitparkumgebung wählen, auf die man gerade Lust hat.

Hoch hinaus

Ein großes Augenmerk wird bei "Thrillville" auf den Bau von Achterbahnen gelegt. Ob man dabei vorgefertigte Entwürfe verwendet, die zum Teil in den Freizeitparks versteckt sind, oder sich selbst ans Reißbrett setzt und eigene Entwürfe hinzaubert, ist jedem selbst überlassen. Sicherlich macht es den größeren Reiz aus, eigene Achterbahnen zu entwerfen. Schließlich gibt es nur vier Faktoren, die die Kreativität einschränken: der Platz, die Höhe, der Stromverbrauch und natürlich das liebe Geld. Wenn man von allem genug hat, dann kann man sich so richtig austoben. Das Bauen an sich ist gut umgesetzt und macht auch viel Spaß, vor allem die "Whoa"-Bauteile haben es in sich. Wenn sich jetzt jemand fragt: "Was sind "Whoa"-Bauteile?", dann gibt es hier ein paar Beispiele: Loopings, Schrauben, Fahrstühle, Kräne und andere Dinge, die das Fahrgefühl zum Abenteuer werden lassen.

Allerdings sollte man darauf achten, Achterbahnen nicht zu extrem zu bauen. Das zu kontrollieren ist beim Bauen anhand eines "Schwindel"-Balkens jederzeit möglich. Beachtet man diesen nicht, kann die Folge sein, dass einige der Freizeitparkbesucher diese Attraktion tunlichst meiden. Jedoch sollte man eine Achterbahn auch nicht zu monoton bauen, denn sonst fehlt den Gästen einfach der "Nervenkitzel"; dieser Faktor kann beim Bauen ebenfalls jederzeit kontrolliert werden. Die Folge bleibt die gleiche: So gut wie kein Gast wird mit dieser Achterbahn fahren wollen; der Grund dafür ist, dass die Achterbahn dann schlicht und ergreifend zu langweilig ist.

Die Bauphase an sich dauert nicht lange, da man jederzeit den Bauassistenten aktivieren kann; dieser hilft mit Lösungsvorschlägen oder führt die Achterbahn, wenn man nahe genug am Ein- und Ausstiegspunkt ist, zusammen. Wenn nach einiger Zeit das Grundgerüst steht, ist es damit noch nicht getan, denn schließlich will man die Achterbahn auch noch farblich in Szene setzen. Dies kann man dank eines stufenlosen Farbeditors bewerkstelligen. Somit ist auch viel Spielraum für individuelle Achterbahnen geboten. Neben Achterbahnen kann man auch Rennstrecken für mehrere Fahrzeugtypen konstruieren oder sich selbst eine Minigolfanlage zusammenschustern.

Absolute Kontrolle

Die Steuerung in "Thrillville" ist einfach tadellos. Egal, ob man seinen Charakter durch den beliebig begehbaren Freizeitpark manövriert, Achterbahnen und Rennstrecken konstruiert oder die Minispiele spielt. Mit dem Controller in der Hand geht einfach alles schnell und präzise. Dabei spielt es vor allem in den Minispielen keine Rolle, welchen Genretyp man gerade spielt, da es richtig gut von der Hand geht. Zudem bekommt man vor jedem Minispiel noch eine Ansicht eingeblendet, die zeigt, welche Tasten welche Funktion belegen.

Spiel im Spiel

Die Minispiele in "Thrillville" sind sehr vielseitig. Zwar sind sie sehr kurz, sonst wären es auch keine Minispiele, aber dafür hat man viele verschiedene Genretypen zur Auswahl. Die Bandbreite der Genres bei den Minispielen reicht von "Beat`em Up" über "Arcade-Racer" bis hin zum "Shooter". Viele der Minispiele stammen aus der Ära "C64" oder "SEGA Mega Drive", und dürften bei den Menschen, die in den Genuss gekommen sind, diese Zeiten mitzuerleben, einen hohen Wiedererkennungswert haben. Natürlich hat man die Spiele den heutigen Grafikerwartungen etwas näher gebracht und ihnen eine modernere Optik spendiert. Etwas, was die Minispiele auch noch sehr interessant macht, ist die Tatsache, dass sie die einzige Möglichkeit sind, im Mehrspielerbereich tätig zu werden. Und diesen Teil meistern sie ganz gut. Ob man gegeneinander ein Rennen fährt oder auf einer Karte fiese, durchgeknallte Roboter im "Coop-Modus" jagt, beziehungsweise man sich gegenseitig duelliert, spielt keine Rolle. Es ist gut umgesetzt und bringt viel Spaß.

Management

Dieser Teil stellt leider nur einen kleinen Teil des Spiels dar. Zwar kann man Mitarbeiter einstellen, und diese auch weiterbilden, an neuen Attraktionen forschen, Preise festsetzen und auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen, aber irgendwie will dabei der Funke einer Wirtschaftssimulation einfach nicht zünden. Was durchaus sehr schade ist, denn das Potenzial einer Wirtschaftssimulation hätte "Thrillville" allemal erfüllen können. Stattdessen muss man nur Kleinigkeiten erledigen, wie zum Beispiel den Bau von Toiletten oder Fast-Food-Buden. Zudem darf man auch hin und wieder in die Rolle einer Reinigungskraft springen, um den Freizeitpark wieder auf Hochglanz zu bringen. Damit steht definitiv fest, dass jeder, der in "Thrillville" eine Wirtschaftssimulation gesehen hat, nicht auf seine Kosten kommen wird.

Ein interaktiver Comic

Genau so fühlt man sich, wenn man zum ersten Mal das Erscheinungsbild von "Thrillville" begutachtet. Das Spiel ist im Comicstil gehalten, das allerdings stört wenig, es passt eher zur Thematik des Spiels. Die Grafik läuft im Großen und Ganzen sehr flüssig, nur bei sehr großen Menschenmassen oder bei einer Mitfahrt auf einem Fahrgeschäft, das mit Schrauben und Loopings übersät ist, beginnt die Bildwiedergabe zu stocken. Allerdings geschieht dies noch auf einem erträglichen Niveau, so dass der Spielspaß darunter nicht leiden muss. Das Design der Freizeitparks ist von Park zu Park unterschiedlich, aber jedes Mal einfach nur verrückt und spaßig in Szene gesetzt. Minuspunkte gibt es für einige Animationen, zum Teil wirken einige Bewegungen sehr kantig und leblos. Auch ein Manko ist, dass manchmal die Umsetzung der Mitfahrten etwas zu plastisch ist; so bekommt man einfach nicht das Gefühl, als ob man jetzt tatsächlich in einer Achterbahn fahren würde. Pluspunkte gibt es für die große Sichtweite; wenn man am Scheitelpunkt einer Auffahrt bei einer Mitfahrt auf einer Achterbahn angekommen ist, kann man alle drei Abschnitte eines Freizeitparks überblicken und sogar seine zuvor errichteten Achterbahnen aus großer Distanz erspähen.

So muss das klingen

In "Thrillville" begeistert die Umsetzung der Musik- und Geräuschkulisse sehr. Die Menüs des Spiels werden mit dynamischer Musik untermalt, die dazu antreibt, sofort eine verrückte Attraktion aus dem Boden zu stampfen. Wenn man sich in einem Freizeitpark befindet, wird im Hintergrund ein Radiosender gespielt; dieser passt sich dann der Thematik des jeweiligen Abschnittes an. Die Geräuschkulisse stimmt auf ganzer Linie: wahrheitsgetreue Geräusche der einzelnen Fahrgeschäfte, komplett synchronisierte Gespräche mit Gästen, knatternde Motoren von Monstertrucks und nicht zu vergessen, die euphorischen Schreie der Fahrgäste, wenn sie bei einer Achterbahnfahrt in die Tiefe stürzen.

Fazit

"Thrillville: Verrückte Achterbahn" ist ein Spiel, wo man nicht genau weiß, wo man es einordnen muss. Es ist eine große Ansammlung von verschiedenen Genres in einem Spiel. Das macht es einerseits zu etwas Besonderem und andererseits ist es auch zum Teil das Problem. "Thrillville" fühlt sich wegen der verschiedenen Genres wie nichts Ganzes und nichts Halbes an. Viele Ansätze sind sehr gut gelungen, wie zum Beispiel das Konstruieren der Attraktionen oder die Tatsache, dass es über einen komplett eigenen Charme verfügt. Andere hingegen verkümmern etwas, das beste Beispiel hierfür ist das Management. Im Grunde kann man sagen, dass, wer in "Thrillville" eine Aufbau- oder Wirtschaftssimulation erhofft hat, enttäuscht sein wird. Wer allerdings alle Facetten des Spiels zu schätzen weiß, denn davon lebt das Spiel, dem wird "Thrillville" richtig viel Spaß bieten können.

(04.12.2007)

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