Mahjongg Party

Mahjongg Party (Wii)

(Rondomedia)

geschrieben von Rocco Rohrbeck

 

 
Entwickler: Webfoot
Publisher: Rondomedia
Genre: Partyspiel
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Mahjongg Party
Preis: 29,95 €
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG

Mah-Jongg, wie die klassische Schreibweise ist, fand seinen Ursprung gegen Ende des 19. Jahrhunderts und wurde von Joseph Park Babcock in den 1920er Jahren entdeckt und erst in den USA und später der ganzen Welt populär. Das klassische Mah-Jongg-Spiel besteht aus 144 Ziegeln, wobei 108 davon aus den 3 Grundsymbolen Bambus, Zahl und Münze bestehen. Die restlichen 36 Ziegel stehen für die vier Winde, drei Drachen, vier Blumen und vier Jahreszeiten. Alle Steine, ausgenommen die Blumen und die Jahreszeiten, sind in vierfacher Ausführung im Spiel vorhanden.

So setzen sich vier Spieler gegenüber und bauen, jeder für sich, eine verdeckte Mauer bestehend aus 36 Ziegeln. Nun werden die Augen aus dem Wurf zweier Würfel zusammengezählt und der nächste Spieler muss aus diesen und einem neuen Wurf, die Augen zusammenaddieren. Diese Zahl bestimmt, wie viele Ziegel der erste Spieler aus seiner Mauer entnehmen darf. Die Erklärung des originalen Spieles würde den Umfang dieses Reviews leider sprengen, zeigt aber dennoch, dass die Variante am PC oder, wie in diesem Fall, auf der Wii um ein Vielfaches vereinfacht wurde. Bei "Mahjongg Party" handelt es sich um die weitverbreitete Version des Mah-Jongg Solitaire, in der eine Person versucht, Ziegelpaare abzubauen und so schnell wie möglich das Spielfeld zu leeren.

Der Kaiser hat gerufen

Mai und Zing, zwei Forscher, die durch das alte Land Chinas reisen und schon zahlreiche Artefakte gefunden haben, werden vom Kaiser höchstpersönlich mit einer Partie Mah-Jongg auf die Probe gestellt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Helfenden, der Mai und Zing unterstützen soll. Als erstes wählt man einen Schwierigkeitsgrad, bestehend aus leicht, mittel und schwer und dann einen von vier Speicherplätzen, die als Köpfe dargestellt werden. Einen Namen kann man nirgendwo eingeben. Da es drei Schwierigkeitsgrade gibt, existieren also insgesamt zwölf Speicherplätze, pro Schwierigkeit 4 Plätze, die jedoch nicht gelöscht werden können. Hat man sich für einen Avatar und einen Schwierigkeitsgrad entschieden, kommt man zu einer Übersichtskarte. Dort werden acht Schauplätze dargestellt, sieben mit einem Schloss und einer ohne. Der einzig freie ist der "Drachenschrein" und nach einer kleinen Information über diesen Schrein geht es direkt mit der ersten Partie los. Um das Spiel zu gewinnen, muss man Paare finden und entfernen. Bleibt jedoch am Ende mindestens ein Paar übrig und es kann nicht entfernt werden, so ist das Spiel verloren und man muss den Schauplatz erneut durchlaufen. Ist die erste Partie gewonnen, öffnet sich ein Schloss und man kann die nächste Partie in Angriff nehmen und so nach und nach alle acht Sehenswürdigkeiten besuchen. Man sollte sich jedoch gut merken, welche Partien man schon gewonnen hat, da nicht angezeigt wird, welche das bereits waren. So ist es nach einer Woche, in der man vielleicht nicht spielen konnte, sehr schwer die richtige Karte zu finden, oder wenn man ein schlechtes Gedächtnis hat, gar das richtige Profil, da auch hier nicht angezeigt wird, mit welchem schon gespielt worden ist und welches noch unbenutzt ist. Ebenso gibt es kein Tutorial, so dass man gezwungen ist, sich entweder im Handbuch nach entsprechenden Informationen umzusehen oder man versucht sein Glück durch Ausprobieren. Diejenigen, die im Handbuch nach den Regeln suchen, werden auch enttäuscht, da auch hier keinerlei Anstrengungen unternommen worden sind, die Standardregeln des Spiels zu erläutern.

Klassisch zusammen

Auf jedem Spielfeld ist das Ziel, Ziegelpaare zu finden und per Drag’n’Drop zusammen zuführen und so alle Paare des Spielfeldes in möglichst kurzer Zeit zu entfernen. Die Steuerung erfolgt wie gewohnt über die Wii-Fernbedienung, indem man auf die gewünschten Steine zeigt, was nach einiger Zeit sehr anstrengend werden kann. Hier ist genaues Anvisieren gefragt, da die kleinen Ziegel schnell mal verfehlt sind und bei einem Fehler wird der Ziegel, den man mitgenommen hat, wieder an seinem ursprünglichen Platz abgelegt. So sitzt man nun also gespannt und angespannt vor dem Fernseher und versucht, so präzise wie möglich die richtigen Steine zu erwischen. Bei untrainierten Personen kann es durchaus vorkommen, dass der eine oder andere Krampf den Unterarm heimsucht; regelmäßige Pausen sollten also eingehalten werden. Wenn man mal ganz den Überblick verlieren sollte und kein Paar mehr sieht, sollte man auf das Fragezeichen am Bildschirmrand klicken. Dadurch wird ein kombinierbares Paar kurz animiert, so dass man dieses dann entfernen kann.

Neben dem "Mahjongg Abenteuer" gibt es den Modus "Abenteuer-Mahjongg" und "Solitaire-Mahjongg". Im "Party-Mahjongg" tritt man bis zu viert mit- oder gegeneinander an. Bevor man jedoch starten kann, muss man die Wii-Fernbedienung der Mitspieler registrieren. Das geht aber leider nicht in einem vom Spiel integrierten Modus, sondern man muss extra alle Wii-Remotes neu registrieren, somit also auch die eigene. Es gibt acht verschiedene Minispiele, in denen entweder ein großes Spielfeld gemeinsam geleert wird oder gegeneinander um die Anzahl an entfernten Ziegeln gekämpft wird. Wer die meisten Paare entfernt hat, hat gewonnen. Allerdings kann es hin und wieder vorkommen, dass der eine oder andere ungeübte Wii-Spieler seine animierte Hand aus dem Infrarotbereich der Wii-Sensorleiste bewegt und nicht mehr wiederfindet, und so für ihn wertvolle Zeit mit dem Suchen verloren geht.

Die Regeln der einzelnen Minispiele sind zwar in einem knackigen Satz erwähnt, leider reicht aber manchmal diese Information nicht aus, um den wahren Sinn des Spiels zu erfassen. So geht man beispielsweise bei dem Minispiel "Finde den Stein" mit der Beschreibung "Wer zuerst den magischen Stein findet, gewinnt." davon aus, dass es ein Paar gibt, das sich irgendwo im Spielfeld versteckt. Leider gibt es nicht nur ein Paar, sondern je nach magischem Stein auch schon mal vier Paare, wodurch das Spiel je nach Aufbau innerhalb weniger Sekunden nach dem Anfang schon beendet werden kann. In den Spielen "Geteilter Bildschirm", "Trickreiche Steine", "Mahjongg am Fließband", "Fallende Steine" sowie "Kreuzsteine" und "Kreuzspieler" gibt es vier Spielbretter neben- und übereinander. Dabei unterscheiden sich die Regeln der Minispiele nur geringfügig, das Ziel jedoch ist immer gleich: Wer am schnellsten ist, gewinnt. Im Modus "Solitaire-Mahjongg" wird das klassische Mah-Jongg für den Solospieler angeboten. Ob man mit oder ohne Zeitdruck spielen möchte, ist einstellbar. Es sind alle im Spiel vorkommenden Spielbrettformen einzeln wählbar und somit zum Üben bereit.

Grafik

Grafisch zeigt das Spiel das, was man erwartet: nicht überragend, aber passend. Die Story wird in Comicstil gezeigt und das Spielbrett ist simpel gestaltet. Der Hintergrund ist dezent gehalten und lenkt nicht vom Hauptgeschehen ab. Grafische Effekte sind kaum vorhanden; so ist aber der Effekt, wenn Paare gefunden worden sind, teilweise sogar nervig, wenn man den darunterliegenden Stein direkt weiter benutzen möchte, aber erst warten muss, bis die Animation beendet ist. Im Mehrspielermodus werden gewählte Steine mit einer Einfassung markiert, die der Farbe des Spielers entspricht.

Sound

Der Sound passt mit seinem chinesischen Stil zur chinesischen Atmosphäre. Während des Spielens gibt es Hintergrundmusik, die auch optional leiser oder ganz abgestellt werden kann. Soundeffekte gibt es immer dann, wenn man eine Aktion ausführt. So hat das richtige oder falsche Zusammensetzen von Steinpaaren einen eigenen informativen Ton.

Fazit

Da "Mahjongg Party" einige Zeit der Eingewöhnung benötigt, ist es nicht unbedingt ein Spiel für eine Party, das man mal eben zwischendurch spielt, um Spaß zu haben. Derjenige, der sich erst mit der Steuerung vertraut machen muss, verliert schnell den Ehrgeiz. Da die Minispiele sich in ihrer Art nicht groß unterscheiden, bietet das Spiel auch keine Langzeitmotivation. Die Story im Abenteuer ist nur mäßig ausgeprägt, sodass man keinen Drang verspürt, weiterzuspielen. Für den Einzelnen, der zwischendurch gerne mal die eine oder andere Partie Mah-Jongg spielt, ist mit dem Modus "Mahjongg-Solitaire" rundum bedient. So ist "Mahjongg Party" ein Spiel für eine kurze Runde Mah-Jongg, jedoch kein partytauglicher Titel. Das liegt jedoch nicht an dem Spiel selbst, sondern einfach daran, dass die klassische Spielvariante von Mah-Jongg-Solitaire schlicht und einfach nicht multiplayerfähig ist.

(02.02.2010)

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