Das Eulemberg-Experiment

Das Eulemberg-Experiment

(Most Wanted Games)

geschrieben von Christiane Hamacher

 

Über ein Jahr hat es gedauert, bis das Adventure "Das Eulemberg-Experiment" auch in Deutschland auf den Markt kam. Vorher war es hauptsächlich in Italien bekannt, denn es basiert auf einer dort sehr populären Comicserie um den Forscher Martin Mystere. Dank Publisher Most Wanted Games können nun auch deutsche Spieler in eine Welt voller Rätsel und Mysterien eintauchen.

Um den Tod wirklich zu verstehen, muss man ihn erst selbst erlebt haben ...

Erschrocken wacht Adam Quinn nach einer schlaflosen Nacht auf. Geweckt hat ihn der Anruf von Inspector Collis, einem alten Freund und Kontaktmann beim NYPD. Denn oft arbeitet der gelernte Anthropologe für die Polizei der Metropole und hilft bei der Aufklärung von Mordfällen. Dieses Mal erfährt er, dass sein Kollege Professor Eulemberg tot in seiner Villa aufgefunden wurde - und es war offensichtlich kein Unfall, sondern ein eiskalter Mord. Noch während Adam sich daran macht, aufzuklären, was den harmlosen Professor das Leben gekostet hat, laufen im Verborgenen die Arbeiten an einer unheilvollen Maschine an, die die Welt für immer verändern könnte. Und diese steht irgendwie im Zusammenhang mit den Forschungen Eulembergs. Adam muss sich also beeilen, die Hintermänner zu finden und das Schlimmste zu verhindern.

Dem Mörder auf der Spur

Wer sich mit Adam schnell an die Arbeit begeben will, um den Mord aufzuklären, sollte sich zuerst mit der Steuerung vertraut machen. Zwar kann der Charakter wie in den meisten Adventures durch einfaches Klicken bewegt werden, das Untersuchen oder Einsammeln von Gegenständen gestaltet sich jedoch etwas schwieriger und gewöhnungsbedürftiger. Man muss sich nämlich mit der rechten Maustaste durch verschiedene Aktionen wie Betrachten oder Nehmen klicken, der Mauszeiger verändert sich dann entsprechend. Um die Aktion dann aber auch auszuführen, muss man zuerst noch einmal mit der linken Taste klicken und die Aktion dadurch bestätigen. An sein Inventar kommt man über ein kleines Icon in der unteren Bildhälfte. Im Gegensatz zu anderen Adventures ist es nie übermäßig voll, denn die Geschichte ist sehr linear gestaltet und man kann an den einzelnen Handlungsorten auch immer nur die im Moment wichtigen Sachen einsammeln. Wenn man nun doch einmal etwas vergessen hat, ist es möglich, bereits erkundete Orte immer wieder aufzusuchen, wodurch die Handlungsfreiheit deutlich erhöht wird. Die Rätsel selbst sind nie übermäßig schwer und bestehen zu einem Großteil aus einfachem Suchen und Kombinieren von Gegenständen. Das ist aber oft leichter gesagt als getan, denn die Objekte sind häufig so gut versteckt, dass man sie erst nach langer und bisweilen frustrierender Suche findet. Dafür sind manche Aufgaben auch witzig gestaltet und sorgen für Abwechslung. So muss man zum Beispiel einmal eine Kiste von einem Esel kaputt treten lassen oder Adams Kleiderschrank öffnen, damit er nicht im Pyjama zum Tatort fahren muss. Wenn man nun doch einmal hängen bleibt und nicht mehr weiß, wie es weitergeht, findet man immer wieder kleine Hinweise, beispielsweise in Adams Notizblock. Doch nicht nur Adams Kopf ist im Laufe des Spiels gefragt, man schlüpft auch in die Rolle seiner Frau Laura und einiger anderer Charaktere.

Natürlich nehmen Gespräche mit anderen Personen einen großen Teil der Zeit in Anspruch. Dabei kann man aus einer Reihe vorgegebener Fragen auswählen, wobei bereits verwendete Möglichkeiten leider nicht aus der Liste verschwinden, sondern dazu verleiten, sein Gegenüber mit der Wiederholung von Themen zu nerven, die längst abgehandelt sind. Nicht jede der Fragen ist am Ende für den Spielverlauf wichtig, manche tragen einfach nur zur Auflockerung bei, denn "Das Eulemberg-Experiment" lebt zum Teil auch von den lockeren Sprüchen und witzigen Kommentaren, die Adam gerne von sich gibt, wenn er Objekte untersuchen oder aufnehmen soll.

Grafik und Sound

An der Grafik wird besonders deutlich, dass das Spiel bereits über ein Jahr alt ist, denn sie ist wirklich nicht mehr auf dem neusten Stand. Die Hintergründe haben den Comiccharakter der Vorlage behalten, wirken aber trotz der liebevoll gestalteten Details durchweg leblos und statisch. Das Gleiche gilt für die Charaktere: Sie kommen zwar dreidimensional daher, doch ihre Bewegungen wirken unnatürlich und steif, die Animationsvielfalt ist eher mangelhaft. Adam neigt auch dazu, immer wieder an Gegenständen anzuecken oder gar hängen zu bleiben. Gelegentlich bekommt man kleine Filmsequenzen zu sehen, die das Spiel etwas auflockern; es besteht auch die Möglichkeit, sie immer wieder über das Menü "Extras" anzusehen. Dabei ist es fraglich, ob sich das lohnt, denn die Videos sind alle von schlechter Qualität und wirken recht verschwommen. Unter den Extras können im Verlauf des Spiels auch Artworks frei gespielt werden und mit fortschreitendem Spielstand ist es möglich, immer mehr davon in der Galerie zu betrachten.

Ein kleines Highlight der Synchronisation ist die Stimme der Hauptfigur Adam, dafür wurde nämlich niemand Geringerer als der deutsche Sprecher von Harrison Ford verpflichtet - was den schönen Nebeneffekt hat, dass Adam stark an Indiana Jones erinnert. Die anderen Sprecher wirken demgegenüber leider immer etwas gezwungen und lustlos. Dadurch verliert das Adventure viel von seiner Atmosphäre - ein hervorragender Sprecher reicht nun mal nicht aus, um ein ganzes Spiel zu beleben. Auch die anderen Soundeffekte sind eher flach, das Rauschen des Windes beispielsweise ist kaum als solches zu erkennen. Und was die Hintergrundmusik angeht, so wünscht man sich die Möglichkeit, sie getrennt von den anderen Geräuschen abzuschalten, denn wenn man sich länger an einem der Handlungsorte aufhält, wird sie sehr schnell nervig und eintönig.

"Das Eulemberg-Experiment" bietet sicherlich keine großen Innovationen, statt dessen ist es ein klassisches Point-and-Click-Adventure, das von seiner spannenden Geschichte lebt. Diese ist wirklich fesselnd und lässt über Makel wie die veraltete Grafik und den schlechten Sound - die einzigen wirklichen Schwachstellen des Spiels - leicht hinwegsehen. Die Rätsel sind stets abwechslungsreich und überfordern vor allem nie, der Spaß bleibt so durchgängig erhalten. Adam ist mir beim Spielen sehr schnell ans Herz gewachsen, denn seine Kommentare sind klasse und man muss öfter schmunzeln, wenn er seinen tollen Mac betrachtet. Jedem, dem Grafik und Schleich- oder Actioneinlagen nicht so wichtig sind, bietet "Das Eulemberg-Experiment" sicherlich einen rauchenden Kopf, Spannung und einige Stunden Spielspaß.

(12.09.2006)

Entwickler: Artematica
Publisher: Most Wanted Games
Genre: Adventure
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Das Eulemberg-Experiment
Preis: 42,90 €
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG

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