So Blonde

So Blonde

(Anaconda)

geschrieben von Carlos Carvalho

 

 
Entwickler: WizarBox
Publisher: Anaconda
Genre: Point&Click-Adventures
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: So Blonde
Preis: 34,95 €
Altersfreigabe: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG

Obwohl das Wort "Adventure" auf Deutsch mit "Abenteuer" übersetzt wird, handeln die meisten Adventure-Spiele eigentlich von Krimis, da in ihnen in den meisten Fällen sehr spannende und packende Geschichten erzählt werden. Doch auch "echte" Abenteuerspiele sind im Genre sehr beliebt und gehören sogar zu den bekanntesten Klassikern der Computergeschichte. Zwei Entwicklerstudios hinterließen über die Jahre einen bleibenden Eindruck, nämlich LucasArts mit "Monkey Island", "Indiana Jones" oder "Loom" sowie Revolution Software mit "Beneath a Steel Sky" und "Baphomets Fluch". In diesem Jahr versucht das kleine französische Studio WizarBox, sich ebenfalls einen Namen auf diesem Gebiet zu machen und engagierte Steve Ince, den wichtigsten Mann hinter der "Baphomets-Fluch"-Reihe, um die Story zu "So Blonde" zu schreiben.

Story

Sunny Blonde, ein siebzehnjähriges, aus einer reichen Familie stammendes Mädchen, befindet sich mit den Eltern auf einer Kreuzfahrt. Eines Abends, während sie auf dem Deck von einem Mann angebaggert wird, trifft ein Blitz das Schiff. Der Mann erschrickt noch mehr als Sunny, flieht vom Deck und schubst sie dabei unabsichtlich über Bord in eines der Rettungsboote des Schiffs. Sunny Blonde fällt bei dem Sturz in Ohnmacht und erwacht erst am nächsten Morgen auf einer paradiesischen Insel. Gewöhnt an die Vorteile eines Fünf-Sterne-Lebens, sucht sie erst einmal nach einem Hotel, da es auf einer so schönen Insel nur so von Resorts wimmeln muss.

Doch einiges passt nicht: Nicht nur, dass Sunnys Handy keinen Empfang hat - an der Insel hat ein altertümliches Piratenschiff angedockt und überall werden Kerzen statt Glühbirnen verwendet. Es wird Sunny irgendwann klar, dass sie auf einer Insel gestrandet ist, die vom Rest der Welt abgeschnitten ist und deshalb seit Jahrhunderten keinen technologischen Fortschritt erlebt hat. Sunny begeht natürlich einen ganzen Haufen Fehler und verbringt deshalb die Hälfte des Spiels damit, diese wieder zu korrigieren.

Die Heldin von "So Blonde" lernt auf der Insel viele verschiedene Charaktere kennen, die sie freundlich aufnehmen und sogar später als mächtige Schamanin ansehen. Der Bürgermeister Juan ist ein talentierter Künstler und schreibt oft Gedichte über seine heimliche Liebe, die Piratenchefin Morgane. Es gibt eine weitere Piratengruppe auf der Insel, geleitet von One-Eye, die die Bewohner terrorisiert und für die Suche nach einem Schatz missbraucht, der wahrscheinlich nicht einmal existiert. Es gibt auch zwei Dörfer mit Einheimischen, von denen eines auf Voodoo spezialisiert ist.

Spielprinzip

"So Blonde" spielt sich ähnlich wie die "Monkey Island"-Serie und glänzt durch eine spannende Geschichte und sehr vielseitige Charaktere. Interessant ist die Tatsache, dass man nicht nur Sunny Blonde steuert, sondern auch andere Personen, wenn die Story es so verlangt. Die Aufgaben im Spiel und deren Lösungen sind fast immer mit Logik zu bewältigen; nur in sehr wenigen Fällen muss man "herumsuchen". Die Aufgaben sind aber nicht immer storyrelevant; zum Beispiel muss man dem Besitzer der Bar zeigen, wie man einen Cappuccino zubereitet. Man spürt jederzeit die liebevolle Charakterdarstellung und sieht, wie sich die Persönlichkeit von Sunny und die derjenigen um sie herum entwickeln. Ungefähr ab der Mitte des Spiels kann man sich daher recht gut mit der Heldin identifizieren. Insgesamt sollte man 15 bis 20 Stunden für das Durchspielen von "So Blonde" einplanen, eine für dieses Genre übliche Spieldauer.

"So Blonde" ist voller Anspielungen auf ältere Spiele und Filme; ein Großteil des Spaßes besteht also darin, jeden Wink mit dem Zaunpfahl zu erkennen, wie zum Beispiel den Pilz von "Super Mario Bros" in der Bank oder die Cthulhu-Puppe im Klamottenladen. Man kommt also nicht nur in den Genuss von vielen Blondinenwitzen, das Spiel nimmt sich selbst auch nicht ganz ernst. Der Voodoo-Häuptling will zum Beispiel nie wieder die Wörter "Monkey Island" hören. Es gibt auch gleich böses Blut zwischen der blonden Sunny und der brünetten Captain Morgane, und sie duellieren sich unmittelbar zu Beginn mit Haarfarben-Witzen.

Bedienung

"So Blonde" spielt sich wie die meisten Point&Click-Adventures: Einfach mit dem Mauszeiger auf das Objekt in der Szene oder im Inventar zielen und es mit einem Linksklick anschauen. Klickt man mit Rechts darauf, erscheinen bis zu drei Optionen für das jeweilige Objekt, nämlich "anschauen", "verwenden/nehmen" und "reden". Klickt man auf einen willkürlichen Punkt in der Szene, läuft der Charakter dorthin; mit Doppelklick rennt er. Um von Szene zu Szene zu wechseln, erscheinen Pfeile an den Seiten, wenn man die Maus an den Bildschirmrand bewegt. Um herauszufinden, mit welchen Objekten man interagieren kann, benutzt man die Leertaste. Zur Lösung bestimmter Aufgaben spielt man Minigames, die meist an die der alten portablen Konsolen erinnern. Hierfür benutzt man die Maus oder die Tastatur; die genaue Bedienung und das Ziel wird für jedes Minispiel erklärt.

Grafik

Die Szenarien von "So Blonde" zeigen tagsüber eine sehr farbenfrohe Insel mit paradiesischem Wetter. Abends wirkt alles sehr gespenstisch, bewahrt aber immer noch die gleiche Schönheit. An den Objekten, die man mitnehmen kann, bemerkt der Spieler, dass WizarBox eine sehr große Liebe zum Detail an den Tag gelegt hat, da sie sich perfekt in die Hintergründe einpassen. Die Zeichnung der Szenen ist im typischen franko-belgischen Design gehalten, während die Charaktere im moderneren, dreidimensionalen CGI erstellt wurden. Die Texturen der Charaktere sind dabei gut ausgewählt, sodass die Mischung der beiden Stile nicht zu sehr miteinander kontrastiert. In den Zwischenszenen wird die Geschichte in Comic-Form erzählt. Sowohl die Zwischensequenzen als auch die Hintergründe sind geringfügig animiert und hauchen einer ansonsten (naturgemäß) recht starren Präsentation Leben ein. Lediglich die Bewegungen der CGI-Figuren beim Aufnehmen von Objekten wirken etwas hölzern. Ansonsten gibt es im grafischen Bereich nichts zu bemängeln.

Sound

Die deutschen Synchronstimmen passen sehr gut zu den Charakteren und verleihen ihnen eine unverwechselbare Persönlichkeit. Während sie sprechen, erscheinen zusätzlich Untertitel für den Fall, dass man etwas nicht versteht, doch die Stimmen sind immer klar und deutlich zu hören. Tier- und Hintergrundgeräusche entsprechen ebenfalls sehr gut der jeweiligen Situation und füllen die Insel mit Leben.

Beilagen zum Spiel

Außergewöhnlich für dieses Genre und deshalb auch erwähnenswert ist die Menge an Beilagen, die mit dem Spiel zusammen geliefert werden. Das Handbuch ist hervorragend geschrieben und macht damit "So Blonde" selbst für Anfänger sehr leicht verständlich. Öffnet man das Pappcover des Spiels, sieht man eine Karte der gesamten Insel und die Beschreibung der wichtigsten Charaktere. Außerdem liegen noch ein Werbeheft mit weiteren Adventures von Anaconda sowie ein zweiseitiges Poster bei. Auf der einen Seite befindet sich ein Bild der Insel mit einer kurzen Beschreibung der einzelnen Schauplätze, auf der anderen Seite erkennt man ein Bild der siebzehnjährigen Sunny Blonde, bei dem man sich wünscht, dass sie bald ihren nächsten Geburtstag feiert.

Patch

Ein Patch zu "So Blonde" ist bereits erschienen und für Käufer des Spiels zu empfehlen, da es einige Fehler in den Texten korrigiert sowie Geschwindigkeit und Stabilität des Spiels verbessert. Nichtsdestotrotz ist die regelmäßige Benutzung der Schnellspeichertaste (F5) zu empfehlen, da man sich dann doch ärgert, wenn man aus welchem Grund auch immer die soeben absolvierten Spielstunden wiederholen muss.

 


Fazit

   "So Blonde" ist ein Adventure-Spieler der altbewährten Sorte, das durch einen hervorragenden Sinn für Humor, gute Blondinenwitze, etwas Selbstironie und eine enorme Anzahl von Anspielungen auf ältere Spiele, Filme und Bücher glänzt. Die stets positive Einstellung von Sunny Blonde wirkt ansteckend und sorgt beim Spieler selbst dann noch für gute Laune, nachdem er den PC heruntergefahren hat. Die Zeichnungen sind im Retro-Stil gehalten, befinden sich aber bis auf die Minispiele auf sehr hohem Niveau. "So Blonde" ist sowohl Fans der klassischen Adventures als auch Anfängern des Genres zu empfehlen. (26.03.2008)


Kommentare:
Der Kommentar wurde gespeichert!
The Captcha element applies the Captcha validation, which uses reCaptcha's anti-bot service to reduce spam submissions.

So Blonde

So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde
So Blonde