Anno Online

Anno Online (PC)

(Ubisoft)

geschrieben von Bernd Kasperidus

Grundlage für dieses Preview: Closed Beta vom 24.10.2012

 

Anno 1998 erschien erstmals "Anno 1602" und machte von sich reden. Was anno dazumal noch ein Produkt für Einzelspieler war, wird anno 2013 ein weltweites MMO namens "Anno Online". "Anno Online" ist der zweite Free-2-Play-Ableger aus dem Hause Ubisoft. Free-2-Play ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Das Spielen mit der Online-Ausgabe dieser Wirtschaftssimulation ist kostenlos. Erst zusätzliche Gegenstände, wie zum Beispiel ein neues Aussehen für den Avatar oder kleine Hilfen in Form von In-Game-Währung, sind gegen reale Geldmittel zu erwerben. Dies heißt jedoch nicht, dass "Anno Online" nur mit Bezahlung auf Dauer spielbar wäre. Laut Ubisoft soll auch kostenloses Spielen zum Ziel führen. Es wird nur ein wenig länger dauern, bis man die notwendige In-Game-Währung für Erweiterungen und anderes gespart hat. Ich hatte Gelegenheit, schon in der Closed Beta einen Blick auf "Anno Online" werfen zu können. Davon möchte ich euch nun berichten.

"Wat isn Dampfmaschin?"

Wie bereits in vielen anderen Teilen der "Anno"-Reihe versetzt "Anno Online" euch in die gute alte Zeit, als die Gummistiefel noch aus Holz waren und der Duft nach ‚schwarzem Tod‘ den Morgen versüßt hat: das Mittelalter.

Die Konzepte von Wirtschaftssimulationen sind nicht neu und so beschreitet auch "Anno Online" den altbekannten Weg, der da lautet: vom Tellerwäscher zum Millionär. In "Anno"-üblicher Manier beginnt der Spieler auf einer Insel. Dort ist er erst einmal damit beschäftigt, eine einfache Infrastruktur aufzubauen. Dabei hilft dem Spieler eine durchaus gelungene und unaufdringliche Tutorial-Funktion. Aufgrund von kleinen Aufträgen erstellt der Spieler die Grundzüge seines zukünftigen Weltreiches. Dabei lernt er fast spielerisch die einzelnen Aspekte von "Anno Online" kennen. Sehr schön dabei ist, dass auch der In-Game-Shop erklärt wird und man mit einer kleinen Spende in Form von Rubinen Gelegenheit erhält, sich Gegenstände zu kaufen. Im Tutorial ist dies mit dem Kauf von zusätzlichem Baumaterial gelöst. So macht man sich denn auf, die ersten Bedürfnisse seiner Untertanen zu erfüllen – oder diese als Quengelei abzutun.

Im Gegensatz zu den Offline-Varianten von "Anno" wird man in "Anno Online" als Einzelkämpfer nicht weit kommen. Wie Ubisoft mitteilt, werden bestimmte Rohstoffe auf den Inseln des Spielers nicht vorhanden sein oder er wird Bedürfnisse seiner Untertanen nicht alleine erfüllen können. Handel mit anderen Spielern ist gefragt. Die üblichen Elemente von Online-Spielen, wie zum Beispiel Chaträume, persönliche Nachrichten oder private Chats, sind von Anfang an vorhanden. Sie werden im späteren Spielverlauf wichtig werden, um Handel zu besprechen sowie Gilden und Allianzen zu gründen. Als zusätzliches Feature soll es möglich sein, dass sich Spieler gegenseitig auf ihren Inseln besuchen. Das alles ist an sich nicht neu – aber für eine Wirtschaftssimulation bietet es durchaus ein logisch nachvollziehbares Gameplay.

Gameplay

Nach dem Aufruf der Internetseite und den üblichen Registrierungsformalitäten kann man schon mit dem Spielen beginnen. Erfreulicherweise verzichtet "Anno Online" auf die Installation irgendwelcher Clients oder gar das Einspielen der unsäglichen DRM-Tools. Nach einer kurzen Ladezeit von Client-Code für den Browser kann man schon in die Welt von "Anno Online" abtauchen. Wie bereits bei den Offline-Varianten ist auch bei "Anno Online" eine einfache Mausbedingung durchgängig vorhanden. Genreüblich wird mit der Maus am Rand des Fensters gescrollt und mit Point-and-Click werden Gebäude ausgewählt und positioniert oder Wege gebaut. Das Klicken auf die Gebäude bringt die entsprechenden Gebäudemenüs zutage. Zwar kann "Anno Online" auch mit der Tastatur bedient werden, jedoch entsteht der durchaus positive Eindruck, als ob hier bewusst auf Tablet-PC- und Ultrabook-Benutzer Rücksicht genommen wurde.

Wie bereits erwähnt, beginnt der Spieler auf einer einzigen Insel. Nach den Informationen, die mir vorlagen, werden dem Spieler bis zu neun ‚Insel-Slots‘ zur Verfügung stehen. Die Startinsel ist in einem Einheitslayout gestaltet. Die Rohstoffe werden pseudo-zufällig verteilt. Mit Anwachsen der Wirtschaft und den gestiegenen Ansprüchen der Bevölkerung wird es notwendig, auch die anderen Inseln zu erobern, um Zugang zu anderen und neuen Rohstoffen zu erhalten. Nach Aussage eines Spieldesigners werden jedoch die letzten vier Inseln nur noch durch sogenannte Mikrotransaktionen (ein etwas euphemistischer Begriff für ‚Kauf‘) zugänglich sein.

Trotzdem ist "Anno Online" nicht viel anders als andere Wirtschaftssimulationen. Mit dem Bau von Häusern zieht man Bewohner auf seine Insel. Diese werden gebraucht, um mit Ressourcengebäuden, wie zum Beispiel Sägewerk oder Fischerhütte, die notwendigen Rohstoffe und Nahrung zu erwirtschaften. Je mehr man auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingeht, desto attraktiver werden die eigenen Inseln für neue Einwohner und umso mehr und schneller wächst die Produktivität. Hierfür stehen dann auch die entsprechenden Support-Gebäude zur Verfügung. Straßen- und Wegebau machen den Transport von Gütern möglich und Lagerhäuser dienen als Zwischenlager.

Damit erschöpft sich, jedenfalls in der Version, die ich begutachten durfte, das grundlegende Gameplay von "Anno Online". Aus dem Informationsmaterial ist zu ersehen, dass Monumente, wie eine Kathedrale, nur in einer gemeinschaftlichen Aktion von mehreren Spielern errichtet werden können. Wie dies jedoch gehen soll, darüber schweigt sich Ubisoft noch aus. Unbestätigten Gerüchten nach sollen solche Aktionen jedoch mehrere Real-Tage andauern. Hier ist wiederum unklar, ob man dabei ständig online sein muss oder ob die Aktion auch im abgemeldeten Zustand weiterläuft.

Dagegen ist die Ankündigung, dass nicht alle Rohstoffe zur Verfügung stehen sollen, recht klar zu verstehen. Fehlende Rohstoffe müssen von anderen Spielern oder im Online-Store gekauft werden. Der Online-Store war zwar schon zu besichtigen, der Inter-Spieler-Handel jedoch noch nicht.

Alles in allem macht der Teil des Spieles, der schon zu besichtigen war, den Eindruck einer durchaus stimmigen, aber dennoch gegenüber den festinstallierten Varianten von "Anno" abgespeckten Version. So fehlt, jedenfalls bisher, die aus "Anno 1404" bekannte zweite Fraktion des Orients mit ihren eigenen spezifischen Anforderungen komplett. Meinem Gefühl nach wurde auch die fein ausbalancierte Wirtschafts-KI, die den Spieler zu stundenlangem Fein-Tuning zwang, gegen eine einfachere KI ausgetauscht. Nicht wirklich schlimm, aber der berühmte Ausspruch "Wir haben keinen Alkohol mehr!" treibt euch nicht mehr nächtelang den Schweiß auf die Stirn.

Mehrspielermodus

Wie bereits oben erwähnt, erlaubt es "Anno Online", durchaus für eine Weile alleine in seinem Königreich zu schalten und zu walten. Ab einer bestimmten Größe soll es jedoch nicht mehr möglich sein, als Einzelkämpfer durch die Lande zu ziehen. Interaktion mit anderen Spielern ist nicht nur erwünscht, sondern wird sogar regelrecht erzwungen. So sollen zum Beispiel bestimmte Rohstoffe nur über Handel mit anderen Spielern erhältlich sein. Manche Waren, die zur Befriedigung der Bedürfnisse der Untertanen gebraucht werden, können nur über den Spielerhandel erlangt werden. Inwieweit die Bildung von Gilden oder Allianzen auf diesen Handel Einfluss haben wird, lässt Ubisoft bisher noch unbeantwortet.

Mehr als Gimmick denn als nützlicher Bestandteil des Gameplays ist in dieser Hinsicht die Funktion zu sehen, dass sich Spieler gegenseitig in ihren Reichen besuchen können sollen. Bisher lässt Ubisoft offen, ob dies auch entscheidende Auswirkungen auf das Gameplay haben wird. Daher ist anzunehmen, dass dies eher eine ‚freundschaftsbildende Maßnahme‘ sein wird.

Grafik

Bereits zu Beginn fällt "Anno Online" mit einer detailversessenen Grafik auf. Gut, in einem normalen PC-Spiel würde man diese Art von Grafik schon fast erwarten. Für ein Browser-Spiel ist dieser Anblick allerdings durchaus erwähnenswert. Liebevoll gestaltete Gebäude und Objekte fallen genauso wie animierte Bürger positiv auf. Selbst der Landschaft ist die Liebe zum Detail deutlich anzumerken.

Gerade diese Detailtreue animiert den Spieler schon fast unwillkürlich, auch bei seiner Bauplanung auf eine gewisse Ästhetik zu achten. Um diesen Drang zum Schönen noch auf den Gipfel zu treiben, können im Shop sowohl gegen reale wie auch In-Game-Währung zusätzliche Verschönerungen erstanden werden.

Natürlich kann ein Browser-Spiel nicht so verschwenderisch mit Spezialeffekten wie seine fest installierten Varianten umgehen. Deswegen wäre bestimmt jeder Häuslebauer neidisch darauf, wie die Gebäude einfach mit einem "Puff" in der Landschaft erscheinen. Dennoch muss noch einmal erwähnt werden, dass die sonstige Grafik für ein Browser-Spiel ausgezeichnet ist. Hier ist die Mühe zu erkennen, die der Entwickler BlueByte in seine Arbeit steckt.

Sound

Genreüblich erwartet euch die altbekannte, auf Klassisch getrimmte Soundschleife, die man ansonsten nur noch von der rhythmischen Sportgymnastik kennt. Fast befürchtet man eine Frau mit einem Lächeln zu erspähen, das nur durch eine umfassende Gesichtsmuskellähmung erklärbar ist. Schnell vermisst man die Funktion, die Lautstärken selbst einstellen zu können, was mich letztendlich dazu bewegt hat, die gesamte Systemlautstärke herunterzudrehen, um meine Nerven zu schonen.

Genauso unspektakulär wie die musikalische Untermalung fallen die sonstigen Soundeffekte aus. Bis auf ein paar "Plops" und "Dingdongs" in verschiedenen Varianten ist nichts weiter von "Anno Online" zu hören. Auch hier gilt: Spätestens nach zehn Minuten wird man die Erlösung durch den "Stumm-Schalten"-Knopf suchen.

 

  

Fazit

In Abwandlung des alten Spruchs "Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils" schickt sich "Anno Online" an, einen Platz zwischen den Browser-Tabs von Facebook und Twitter zu erkämpfen. Sehr erfreulich ist dabei, dass komplett auf Client-Software oder ‚Nach-Hause-telefonieren-Tools‘ wie "UPlay" verzichtet wurde. Der allerbeste Kopierschutz ist und bleibt Qualität.

Natürlich kann ein Browser-Spiel nicht so umfassend und komplex sein, wie es seine fest installierten Brüder sind. Allein die Vernunft diktiert schon, dass ein zentraler Server gar nicht die Kapazitäten hat, um für jeden einzelnen Spieler eine umfassende KI bereitzustellen bzw. dass der Client-Code nicht ins Unendliche aufgeblasen werden kann. Man hat aber auch nicht das Gefühl, dass "Anno Online" durch übermäßige Komplexität beeindrucken will. Vielmehr hat man den Eindruck, es wurde ein Spiel geschaffen, das man immer wieder einmal zwischendurch spielen und dabei mit Freunden und Bekannten Spaß haben kann. Von meiner Warte kann ich euch daher sagen: Wenn die Release-Version das hält, was die Beta-Version verspricht, dann ist "Anno Online" für alle Genre-Fans durchaus empfehlenswert.

(19.12.2012)

Entwickler: Blue Byte
Publisher: Ubisoft
Genre: Wirtschaftssimulation, Browser-Spiel
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Anno Online”
Preis: n.n.
Altersfreigabe: Nicht geprüft

Fazit

   In Abwandlung des alten Spruchs "Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils" schickt sich "Anno Online" an, einen Platz zwischen den Browser-Tabs von Facebook und Twitter zu erkämpfen. Sehr erfreulich ist dabei, dass komplett auf Client-Software oder ‚Nach-Hause-telefonieren-Tools‘ wie "UPlay" verzichtet wurde. Der allerbeste Kopierschutz ist und bleibt Qualität.

Natürlich kann ein Browser-Spiel nicht so umfassend und komplex sein, wie es seine fest installierten Brüder sind. Allein die Vernunft diktiert schon, dass ein zentraler Server gar nicht die Kapazitäten hat, um für jeden einzelnen Spieler eine umfassende KI bereitzustellen bzw. dass der Client-Code nicht ins Unendliche aufgeblasen werden kann. Man hat aber auch nicht das Gefühl, dass "Anno Online" durch übermäßige Komplexität beeindrucken will. Vielmehr hat man den Eindruck, es wurde ein Spiel geschaffen, das man immer wieder einmal zwischendurch spielen und dabei mit Freunden und Bekannten Spaß haben kann. Von meiner Warte kann ich euch daher sagen: Wenn die Release-Version das hält, was die Beta-Version verspricht, dann ist "Anno Online" für alle Genre-Fans durchaus empfehlenswert. (19.12.2012)


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