Wer nach zehn Jahren einen alten Rechner aus dem Keller holt, findet dort meist mehr, als er erwartet hat, und weniger, als er braucht. Die Spieldateien liegen vollständig auf der Festplatte, die Spielstände dagegen verteilen sich über mehrere Verzeichnisse, und der Lizenzschlüssel klebt womöglich noch auf einer Hülle, die längst entsorgt wurde.
Eine Sammlung zu archivieren bedeutet deshalb mehr, als Ordner zu kopieren. Es geht darum, drei Dinge zusammenzuhalten, nämlich die Daten selbst, die Umgebung, in der sie laufen, und die Berechtigung, sie zu nutzen.
Was eine Installation tatsächlich hinterlässt
Ein installiertes Spiel besteht aus deutlich mehr Bestandteilen als dem Programmordner. Wer nur diesen sichert, verliert regelmäßig genau das, woran das Herz hängt.
- Das Programmverzeichnis mit den eigentlichen Spieldateien, meist unter Programme oder in einem Bibliotheksordner
- Spielstände, die je nach Titel im Nutzerprofil, unter Anwendungsdaten oder in einem eigenen Dokumentenordner liegen
- Konfigurationsdateien mit Tastenbelegung und Grafikeinstellungen, häufig getrennt von den Spielständen
- Einträge in der Registrierungsdatenbank, ohne die manche Titel den Installationspfad nicht wiederfinden
- Modifikationen und nachträgliche Korrekturen, die im Zweifel gar nicht mehr zum Herunterladen bereitstehen
Der letzte Punkt hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Viele Fanprojekte lagen auf Seiten, die inzwischen offline sind, und die zugehörigen Dateien existieren nur noch auf den Rechnern derer, die sie damals geladen haben. Wer eine Sammlung ernsthaft sichert, sichert deshalb auch die Ergänzungen mit.
Datenträger altern schneller als gedacht
Bei physischen Medien ist die Unterscheidung zwischen gepressten und gebrannten Discs entscheidend. Industriell gepresste CDs und DVDs tragen ihre Information in einer Metallschicht und halten unter guten Bedingungen mehrere Jahrzehnte. Selbst gebrannte Rohlinge speichern in einer organischen Farbschicht, die unter Licht und Wärme deutlich schneller zerfällt.
Für die Sicherung bedeutet das, Datenträger frühzeitig als Abbilddatei auszulesen und die Prüfsumme dieses Abbilds festzuhalten. Nur mit einer Prüfsumme lässt sich Jahre später feststellen, ob eine Kopie unverändert ist oder ob sich still ein Bitfehler eingeschlichen hat. Zwei Kopien auf unterschiedlichen Trägern und an unterschiedlichen Orten sind dabei das Minimum.
Das Betriebssystem gehört zum Archiv
Übersehen wird meist die Laufzeitumgebung. Ein gesichertes Spiel nützt wenig, wenn in fünf Jahren kein System mehr existiert, das es ausführt. Sinnvoll ist deshalb eine virtuelle Maschine mit einer passenden Windows-Version, die als Datei gesichert wird und damit selbst Teil des Archivs ist. Wer dafür Windows 10 kaufen möchte, sollte auf eine dauerhaft gültige Lizenz achten, die sich unabhängig von einem Onlinekonto aktivieren lässt. Händler wie lizenzguru weisen aus, ob eine Lizenz an ein Gerät gebunden ist oder übertragen werden darf, und genau das entscheidet über die spätere Nutzbarkeit des Abbilds.
Eine praktische Warnung gehört dazu. Aktivierungsserver werden irgendwann abgeschaltet, und mit ihnen verfallen Lizenzen, die ausschließlich online geprüft werden. Ein Archivsystem sollte deshalb nach der Einrichtung einmal vollständig aktiviert und anschließend als Momentaufnahme gesichert werden, damit sich der aktivierte Zustand jederzeit wiederherstellen lässt.
Migration oder Emulation
Die Bibliotheks- und Archivwelt beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit derselben Frage und hat dafür zwei Strategien entwickelt. Die nestor Handbücher zur Langzeitarchivierung beschreiben sie als Migration und Emulation. Migration überführt Daten fortlaufend in aktuell nutzbare Formate und auf aktuelle Träger, während Emulation die alte Hardware- und Softwareumgebung nachbildet, damit die Originaldaten unverändert bleiben können.
Für eine Spielesammlung führt der zweite Weg weiter. Spiele lassen sich kaum in ein neues Format überführen, ohne ihr Verhalten zu verändern, weshalb der Erhalt der Originaldateien plus einer nachgebildeten Umgebung die tragfähigere Strategie ist. Die Migration betrifft dann nur den Träger, also den regelmäßigen Umzug des Archivs auf aktuelle Speichermedien.
Als Rhythmus haben sich fünf Jahre bewährt. In diesem Abstand wird der gesamte Bestand auf einen neuen Datenträger übertragen, die Prüfsummen werden verglichen, und die Verzeichnisstruktur wird bei der Gelegenheit bereinigt. Wer diesen Termin überspringt, stellt beim übernächsten Versuch fest, dass für das alte Medium weder Anschluss noch Treiber existieren.
Wo die rechtlichen Grenzen liegen
Sicherungskopien für den privaten Gebrauch sind grundsätzlich zulässig. Die Grenze verläuft dort, wo eine wirksame technische Schutzmaßnahme umgangen wird, denn das ist unabhängig vom Zweck untersagt. Ein kopiergeschützter Datenträger darf deshalb nicht ohne Weiteres ausgelesen werden, auch wenn das Original nachweislich im Regal steht.
Praktisch führt dieser Umstand dazu, dass der Neuerwerb einer bereits schutzfrei ausgelieferten Fassung häufig der einfachere Weg ist. Er kostet wenige Euro, ist rechtlich unbedenklich und liefert meist gleich eine für aktuelle Systeme angepasste Version mit. Für Titel, die nirgends mehr angeboten werden, bleibt die Rechtslage dagegen unbefriedigend, weil ein legaler Zugang schlicht nicht existiert.
Wenn die Hardware zurückkehrt
Für einen Teil der Sammlung gibt es inzwischen einen dritten Weg. Neuauflagen alter Systeme spielen Originalmodule wieder ab, wie die Rückkehr des Atari 7800 als Neuauflage zeigt. Der Vorteil liegt in der Unabhängigkeit von jeder Softwareumgebung, der Nachteil in der Beschränkung auf genau eine Plattform und in der Tatsache, dass die Module selbst weiter altern.
Für den Rest lohnt der Blick auf fertig aufbereitete Zusammenstellungen. Pakete wie Retro Classix mit 1.200 Vollversionen bündelten schon früh Titel mehrerer Heimcomputer-Generationen mit passend eingestellten Emulatoren. Wo eine solche Sammlung den eigenen Bestand abdeckt, erspart sie die gesamte Konfigurationsarbeit und ist zugleich die rechtlich unproblematische Variante.
Ein Archiv, das Bestand hat
Bewährt hat sich eine schlichte Struktur. Ein Ordner je Titel, darin die Abbilddatei, die gesicherten Spielstände, alle Ergänzungen und eine kurze Textdatei mit Erscheinungsjahr, Fundort des Lizenzschlüssels und der Umgebung, in der der Titel zuletzt lief. Diese Textdatei ist der Teil, den man in fünf Jahren am dringendsten braucht und heute am ehesten weglässt, weil das Wissen im Moment des Sicherns noch selbstverständlich erscheint.
Ergänzt um regelmäßige Prüfsummenkontrollen und den Umzug auf neue Träger alle paar Jahre entsteht daraus ein Bestand, der auch dann noch zugänglich ist, wenn weder das ursprüngliche Laufwerk noch der ursprüngliche Anbieter existiert. Der Aufwand liegt bei wenigen Stunden im Jahr und ist damit deutlich geringer, als die meisten vermuten.




